Freitag, 6. März 2015
HALLO mit Gebrüll!
Erstaunlicher Weise ist es so, dass ich seit des Postes des hübschen Piktogramms zum Thema Intimfrisuren die meisten Hits auf eben jenes bekomme. Damit hat es dieser Beitrag aus Januar, dem 27ten, 2014 doch tatsächlich auch in die most read – Liste geschafft und tummelt sich nun dort quietsch vergnügt mittemang Einträgen, welche allesamt entstanden in den goldenen Jahren dieses Blogs, also so 2006, 2007, 2008.

Hiermit habe ich hinlänglich hingeleitet zu heutiger Heiterkeit, die hockend ich huldvoll hudele. Denn es kann doch nicht sein, nicht wahr, dass ein einzeiliger Eintrag mit einem bunten Bildchen, mehr Response erfährt als so manch bravouröses Stück, welches fast sogar schon Literatur ist und ich bezieh mich nicht nur auf den Cove.

Andererseits, wenn ich mir vor Augen halte, was sonst so zu Tode kommentiert wird und worauf bloggende Welt im Allgemeinen reagiert, dann ist das Alles eigentlich doch nicht verwunderlich.

Egal, Leben heißt auch Lernen, weswegen ich heute wieder ein erstaunliches Stück Wissen teilen möchte, dessen Kenntnis ich selber gerade erst erlangte und das kam so:

Neulich, als ich auf das Flugzeug wartete, las ich einen Bericht über Ermittler in der Nazi-Szene, in welchem ein Buch erwähnt wurde, welches sich in einem Regal eines Verdächtigen stand. Das Buch wurde von Hermann Löns geschrieben, trägt den Titel „Der Wehrwolf“ und soll, so der Ermittler, in Nazikreisen von besonderer Bedeutung sein, weil es während der NS-Zeit ein Bestseller war, der damals u.a. auch Pflichtlektüre darstellte.

Dieses Buch wurde dem Verdächtigen dann auch zum Verhängnis und ich wollte unbedingt wissen, worum es darin geht.

Sollten einfache Menschen nun wieder einfache Schlüsse ziehen: Es sei Ihnen versichert, die Welt ist komlex, ich bin es auch und: Nun mal halblang, ich habe nämlich auch Werk Eins und Werk Zwei von Challe gelesen und den unsäglichen ”Fifty Shades of Grey”-Mist habe ich zumindest begonnen zu lesen und zwar noch bevor der richtige Hype darum entflammte. Leider ist das Buch so grottenschlecht, besonders auch geschrieben, dass ich es nach den ersten 100 Seiten weglegen musste. Keine Ahnung, wie dieses Ding so groß werden konnte. Egal.

Den „Wehrwolf“ hatte ich an zwei Abenden durch und es war auch schnell ersichtlich, warum dieses Buch seinerzeit auf dem Index stand, aber ehrlicherweise muss man schreiben: In den Informationenströmen unserer heutigen Zeit sind die vermittelten Botschaften des Buches Kinkerlitzchen. Pathetischer Pseudoabentuerroman, den man gut zusammen mit „Die Abenteuer des Werner Holt“ im Haus haben kann, falls man mal kleinere Höhenunterschiede ausgleichen muss, oder der Terrassentisch sich am Wackeln ist.

Das einzig Gute an der Lektüre war und ist die alte Sprache. Und damit kommen wir dann auch zum Lehrreichen heute, das mich doch sehr erstaunte und euch, die Ihr alle was mit Medien macht und Germanistik studiert habt bestimmt schon längst bekannt ist:

“Er ging zurück und machte Viekenludolf Platz, und der schrie: „Ich verklage sie im Namen von ehrbaren Jungfrauen, Witfrauen, Schwangeren und Wöchnerinnen, unschuldigen Mädchen und unmündigen Kindern, Kranken und Schwachen, an denen sie sich vergriffen haben. Ich schreie HALLO über sie und abermals HALLO und zum dritten Male HALLO und HALLO und HALLO und HALLO, und will es mit sieben Eiden beschwören, dass sie siebenmal und siebzig den Tod verdient haben nach dem, was sie mir gestern mit ihren eigenen Mäulern im Kruge zu Burgdof in ihrer dummen Besoffenheit verzählt haben.“1

In der Worterklärung hinten im Buch steht: Hallo: ein Racheruf

Hübsch, oder? Ich fand das spannend und denke, wir sollten zukünftig auf Ahoi als Grußwort umstellen, nicht das noch einer umkommt, gerade so wie die beiden Schandkerle im Roman, denen dieses HALLo galt.

Gott zum Gruß und Schiff Ahoi!



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(1) Löns, Herman, Der Wehrwolf, Jena 1927


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"Hell is in hello". ("Wand'rin' Star")

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Das stimmt. Aber kommt das auch von Hall? Ein solcher kann ja auch bisweilen hell sein, so oder so, wenn Sie verstehen? :-)

PS Ich schulde Ihnen noch eine Antwort und einen Kuchen. Das Gute an dieser langen Wartezeit ist, dass nun gleich Hamburger Sommer ist und wir bei mir auffer Terrasse uns Siezen und sitzen könnten, bei all der Mühe, die sie mir machte, also die Terrasse, die schöne.

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In meiner süddeutschen Heimatstadt, die sich auf ihren nicht völlig unbedeutenden Binnenhafen etwas zugute hält, ist "Ahoi" der Faschingsruf. Ich weiß nicht, ob es mir das erleichtern würde, "hallo" durch "ahoi" zu ersetzen. Und wer weiß, vielleicht findet irgendwann einer raus, dass "ahoi" einst die Kurzform war für "ich besorgs Dir gleich von achtern, Du Sprotte".

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Mönsch, Herr Mark, Sie hätten ja direkt das Zeuch zur Hafenarbeiterkodderschnautze,...achtern, du Sprotte ist großartig! Das erinnert mich schon stark an meine Hiwijob-Zeiten in Finkenwerder, wo derbe derbe Sachen gesacht worden. Allerdings Ahoi als Faschingsruf lässt mich schaudern. Das geht so gar nicht. Erwachsene Männer tragen alberne Hüte und rufen das Grußwort kerniger Männer?! Wer kann denn sowas wollen?

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es geht ja die etymologische mär, dass der fröhliche ruf dem ungarischen "hállom" ("ich höre") entstammt. besonders ungarn finden das hochlogisch und grüßen sich deshalb umgangssprachlich mit "szia!"(pl.:"sziastok"). hin oder her, das verschifft den ausruf nochmal semantisch in ganz neue fahrwasser.

was uns zu ihren freundlichen nachbarn, den offenbar seefahrtsverrückten tschech*innen bringt, bei denen "ahoi" bereits heute als adäquater alltagsgruß gilt. was die donau allerdings auch nicht breiter macht.

ihnen immer eine handbreit wasser unter dem kiel; sie dürfen uns gerne weiter dinge verzählen. sieben, drölf,... mist, verzählt!

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Sie sind ein großzügiger Mann. ;-)

Merci auch.

PS Ja, dass es in der freundlichen Nachbarrepublik diesen Gruß Ahoi gibt, weiß ich und zwar aus früher Zeit, wo im DDR Ferienprogramm u.a. Kinderfilme aus eben jenem Land ausgestrahlt wurden. Ich habe mich damals schon gewundert.

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