Dienstag, 8. August 2006
Cabman und die grossen Tiere
Ich bin ja all-terrain-fähig. Ob nun die frisch gebohnerten Hallen der Botschaften, die marmorverkleideten Säle der Handelskammer, Konzernzentralen, Konzerthallen, die hinterletzte Spelunke, der Bolzplatz, ne richtige Gammeldisco, ne richtige Edeldisco, ein Club der out ist, ein Club der in ist, HG`s Auto, bei Mutti, oder nur daheim. Alles kein Problem für mich, denn es geht ja nur darum sich anzupassen. Das kann ich gut, da bin ich sehr beweglich und das sollte man auch sein.
Letztes Jahr im November oder Dezember, was weiß denn ich, es war jedenfalls arschkalt, waren Maria und ich zur Verabschiedung des scheidenden Präsidenten der schwedischen Nationalbank eingeladen. Und weil es gerade so passend war und die Banker ja immer die Rentabilität im Auge haben, haben se daraus ein richtiges happening gemacht und auch gleich mal den Nachfolger vorgestellt. So.
Das ganze fand in so einem altehrwürdigen Gebäude statt und weil es so alt war, denn wir haben ja nicht alles weggebombt, damals, waren die Fenster auch alt. Das hat da gezogen wie Hechtsuppe, aber die Tische waren schön eingedeckt. GentleCabman, wie ich nun mal bin, habe ich den Platz mit Maria getauscht, denn sie saß direkt an so einem historischen Fenster und sie sagte: “Das ist lieb von Dir.“, worauf ich gequält lächelte und antwortete, das mache ja nichts, bin ich halt morgen krank. Daraufhin grinste se und sacht: „Das ist so heroisch.“ Ne Miniheldentat also.
Da saßen wir nun, ich fein beschlipst, Maria im Kostümchen und lauschten dem sehr sachkundigen Mann zu Fragen der Außenhandelsbilanz, der Zinsentwicklung und dergleichen. Das war alles furchtbar interessant und dann gab es endlich Essen, denn ich hatte extra nicht gefrühstückt.
Die Suppe war zwar nicht mit Hecht, aber genauso kalt, wie eigentlich der ganze Rest des Essens, kein Wunder, die armen Mädels mussten das Essen von ganz unten in den ersten Stock schleppen und es zog ja auch. Fahrtsuhl gab es nicht, denn das Gebäude ist alt und da haben die Mädels auch meinen Respekt, weil sie unterwegs nicht genascht haben. Da es nun so gezogen hat, kam es zu phänomenaler Wellenbildung in meiner Tomatensuppe. Aus der lugten auch drei Croissants heraus, wobei ich mich immer frage, warum die eigentlich da drin sind. Ich denk mir aber nichts dabei, denn ich habe auch ein bisschen länger gebraucht, bis ich herausfand, dass Entenbrust an Reis nur bedeutet, dass sie die olle Ente daneben legen, also neben den Reis, denn auf dem Teller sollte sie schon sein. So etwas gab es bei Mutti nicht und es wäre auch ziemlich komische gewesen, hätte sie, danach gefragt, geantwortet: Heute gibt es Bratwurscht an Kartoffelbrei. Bei uns hieß das mit. Mit dem Ende des Lunchs kam dann auch der große Auftritt des Neuen und der sah nicht nur fast so aus wie der Alte, sondern hat auch das gleiche erzählt. Ich glaube die hatten denselben Script- Schreiber, oder auch nicht. Vielleicht haben Banker einfach nur nicht viel zu sagen.
Als das ganze vorbei war, hatten wir noch die Möglichkeiten Fragen zu stellen, ich hatte gar keine, außer die, was wir da eigentlich aßen, diese zu stellen schien mir aber unpassend, daher sagte ich zum Neuen halt einfach: Viel Glück im Amt, schüttelt ihm die Hand, er grinste, sagte artig Danke und das war es auch schon.
Maria und ich gingen uns noch nen Bagel und einen heißen Kaffee holen, denn satt waren wir nach dem Showessen nicht und kalt war uns auch. Das war jetzt das Vorgeplänkel.

Gestern haben die Antike und ich gar nichts gemacht. Wir haben Sommer, das Wetter ist fantastisch und so beschlossen wir, uns nur zu sonnen. Ich saß da mit Ben und Jerry und dem Spiegel auf meiner nigelnagelneuen Sonnenliege, die ich nur kaufte, weil sie mit 50% Rabatt angeboten wurde. Insofern habe ich mir also für 399SEK 50% gekauft, denn die Liege brauchte ich gar nicht. Das sind ja so Milchmädchenrechnungen, wie ich sie liebe. Ehrlich.
Ich las den wirklich betrüblichen Artikel der Generation Praktikum und darüber verfiel ich so in Traurigkeit, dass ich den ganzen Pott von I-Ah Ben&Jerry aufaß. Und davon bekam ich Bauchschmerzen. Wir sehen, die Praktikanten sind an allem Schuld!
Na wie dem auch sei, die Sonne stand schon tief, da fing die Antike an rumzumosern, dass sie ja nun im Schatten läge. „Ja“, sagte ich, „das liegt an den Bäumen.“ Da schaute sie mich an und antwortete:
“Ich glaub wenn die Urlaubszeit vorbei ist, werde ich mich mit der Kommune anlegen.“

Man muss hier dazu sagen, dass unser Nachbargrundstück parkähnlichen Charakter hat und der Kommune gehört. Auf dem stehen massig Bäume, auch irgend so ein indischer Baum, der einzige in ganz Schweden und den will die Antike jetzt weg haben. Na, ich freute mich jedenfalls, denn das zeigte mir, dass es ihr schon wieder besser geht und wünschte ihr viel Glück, als sie sagte: „Du kennst doch den Präsidenten der Nationalbank. Wir könnten doch ein paar Unterschriften einholen und wenn der da mit draufsteht, dann fällen die das olle Ding bestimmt.“ Also kennen wäre jetzt übertrieben, ich habe dem mal die Hand geschüttelt, aber er ist unser Nachbar, wohnt zwei Reihen hinter uns und hat auch das Endhaus. Deswegen geh ich aber noch lange nicht zu ihm und frage, ob er den Baum auch weg haben will, sage das auch so zur Antiken und da war sie mukschig.

So. Weil die Überschrift ja lautet: Tiere, muss ich noch ein Zweites bringen:
Betreffende Person heißt (könnte ich hier reinschreiben, mach ich aber nicht wegen Frau Guugel) und ist schwedischer Wirtschaftsminister. Der war Anfangs des Jahres bei uns zu Besuch, um sich Inspiration zu holen. Das ist so verwunderlich nicht, denn wir sind extrem exportlastig, dass freut den Minister, denn da bleiben die Arbeitsplätze im Land, die Steuern auch und wir fluten die Welt mit unseren Produkten. Wir haben dafür sogar mal den Exportpreis bekommen und zu dessen Verleihung wollte ich unbedingt mit, denn der wird vom König verliehen. Ich sah mich da schon, mit der Kronprinzessin anbandeln und hätte gesagt: „Eure Hoheit mögen Sie einem loyalen Untertanen die Ehre erweisen und ein Tänzchen wagen.“ Dann hätte sie mich angelächelt mit ihrem Königslächeln und hätte gesagt: „Aber sehr gern. Sie sind so eloquent und sehr charmant. Können Sie Walzer?“
„Aber sicher doch, ein gar königlicher Tanz gerade Ihrer Würdig.“
Und dann hätten wir losgelegt und alle hätten getuschelt: „Siehe da, die Prinzessin scheint verliebt. Wer ist dieser galante Tausendsassa an ihrer Seite?“ Wir hätten getanzt und getanzt und ich hätte ihr tausend schöne Sachen ins Ohr geflüstert, hätte sie bestrickt (für Frau lunally bestricken= bezaubern, nach Ullsteins Synonymem-Lexikon 1960; ich schneide das mal in Scheiben, da haste leichter zu tragen: BE ST RI CK EN, bitte schön;-)) und wir hätten laut gelacht, so laut und ungeziemlich wie es nur der Königsfamilie vorbehalten ist und dann hätten wir geheiratet und ich wäre Prinzessinengemahl geworden und hätte im Schloss gewohnt und hätte repräsentiert was das Zeug hält. Ehrlich. Jeden Tag repräsentieren und freundlich sein und danach wieder repräsentieren und zuhause auch. Immer repräsentieren.
Und was war? Pustekuchen, ich war in Slowenien und habe gearbeitet, denn einer muss ja das Schiff auf Kurs halten. Ich weiß noch nicht einmal wo in Slowenien und hätten die Städte da, wüsste ich es wahrscheinlich auch nicht. Ich müsste HG fragen, vielleicht waren wir ja in einer Stadt.
So. Der Herr Minister war also da und schön wäre noch gewesen, wenn mir das einer vorher gesagt hätte. So bekam ich die mail an dem Tag, wo er schon längst da war, das war irgendwie zu spät, aber das ist ja besser als nie. Was ich aber auch nicht wusste, war die Tatsache, dass er mit uns reden wollte. Und dann stand er auch schon mit seinem Stab an meinem Schreibtisch und sein Stab war so ein mürrisch dreinblickendes Kerlchen, Typ Hochschulabsolvent oder Praktikant, dessen Anzug viel zu groß war, außerdem trug er einen schwarzen Gürtel zu braunen Schuhen, so etwas geht gar nicht und seine Krawatte war auch schlecht gebunden. Neben ihm sah der Minister tausendmal besser aus und dieser stellte sich auch gleich jovial vor, gibt mir die Hand und dann ging es auch schon los. Ich musste die Zeit über immer zu seinem Assi schauen, denn der schrieb alles auf nem Collegeblock mit. Na, denk ich mir, wird Zeit das die von den Profis lernen, wenn se nicht mal die Kohle für ein Diktiergerät haben. Das ging dann ne Weil so hin und her und die beste Frage, an die ich mich erinnern kann war: Worin siehst du denn die schwierigste Herausforderung in deinem Job? Weil ich ja ehrlich bin und gern helfe, antwortete ich wahrheitsgemäß:
Die schwedische Mentalität. Thore, der die ganze Zeit daneben saß, feixte sich eins und der Herr Minister wollte gerade nachhaken, als der Assi sagte: Wenn wir den Zeitplan halten wollen, müssen wir jetzt los.
Das fand ich gar nicht schlecht, denn da ersparte ich mir langes Gerede.
So. Der Minister hatte dann noch eine Unterredung mit dem Reeder, der wollte da aber nicht allein hin und weil kein anderer da war, musste Björn mit.
Der kam danach zu mir und meinte: “Da nimmt der Reeder mich mit, damit ich bremse wenn er dabei ist, sich um Kopf und Kragen zu reden und was macht er? Genau, ignoriert mich. Wenn das, was er sagte, morgen in der Zeitung steht, sind wir am Arsch.“ Tja. Das konnte ich mir gut vorstellen. Björn und ich sind dann noch auf ein Bier und am nächsten Tag stand nichts Gefährliches in der Zeitung, aber ich war drin, nämlich im Bild, dass in der Zeitung war. Zwar nur sehr grobpixelig und nur im Hintergrund, aber ich kann sagen, ich war schon mal in der FTS. Da habe ich gleich die Antike angerufen und sie gefragt, ja, denn Artikel hatte sie schon gelesen, nee, mich hatte sie da nicht gesehen. Da war ich wohl schon damals eher unbedeutend für sie.

Hier könnten jetzt noch ein paar Tiere folgen, dass lass ich jetzt aber, wegen der Länge. Die LÄNGE James, fasse dich kürzer! Irgendwann schreib ich aber bestimmt auch mal, wie ich den Herrn Chef von I-AhAudi Accessorie`s kennen lernte und er mir zuraunte, wenn ich mal nen Schirm brauche: Nur anrufen; wie ich den Herrn Chef von I-AhStiftungWarentest kennen lernen durfte; wie ich mit den Jungs von I-AhBioland versackt bin und zwar mit Einkornbier, 100% biologisch und knallt wie Hefe; wie ich mit dem Dänischen Botschafter für Deutschland in Berlin eine Diskussion um Käse hatte und noch so zwei andere, aber auf jeden Fall, die Geschichte von Kriss Nissen, dem Rennfahrer und VW-Motorsport Chef. Denn ich bin schon mal mit Kriss Auto gefahren und zwar Porsche und das war ne Mordsgaudi. Und auf jeden Fall auch die, als ich in diesem schicken Restaurant war, warum ich da nicht hingehörte und warum da so viele Ferraris vor der Tür standen. Aber am aller aller Liebsten sind mir eigentlich die leisen Geschichten von Dimi, der mir noch genau erklärte, wie sein Countryclub im Keller aussehen würde und warum er nicht mehr Gitarre spielen kann, oder die vom traurigen Mädchen Natalie. Und wenn ich so nachfühle, dann könnte das sogar gehen, das mit Natalie, die mich mal kurz aus der Bahn warf, mit ihrer Geschichte, ihrem Leben. Aber alle wie sie da sind, sind sie ein Teil von mir und weil ich hier heute niemanden gehen lassen kann ohne die Kernaussage zusammenzufassen: Das Wichtigste, die Moral von dieser Geschichte: Passe Dich an. Egal wie groß oder klein das Tier ist, dass du triffst, behandle alle mit Respekt, denn dann kannst du mit Dimi in seiner Kneipe abhängen, oder dem Herrn Minister kluge Tipps geben. Und wenn wir das nächste Mal den Preis bekommen und da bin ich sicher, dann hole ich mir die Prinzessin, das ist aber nicht so sicher;-) So und morgen werde ich schluesselkinds und cosmomentes Logos fertig machen, denn ich habe ja immer noch Urlaub. Das vom Zigarrillo bestimmt auch.


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Montag, 7. August 2006
Deutschland sucht den Super-Blogger
Nanu aber. So Knall auf Fall gebe ich den Missmut an meinen Nachbarn Lennert ab. Er schaut auch recht missbilligend und verspürt wohl Drangsal, mal auszuscheiden. Soll er ruhig, aber nicht so laut. Das hab ich jetzt nur geschrieben, um mal das Wort Drangsal zu benutzen. Tolles Wort, davon gibt es noch mehr, denn ich habe beim Umziehen ein feines Buche gefunden: Ullsteins Synonymwörterbuch von 1960. Da sind richtige Kracher drin. Aber das will hier wohl keiner wissen.

Als offbeat-blogger ist natürlich meine Pflicht, ab und an die Pauke rauszuholen. Heute habe ich mir aus dem Musizierzimmer die mittelgroße geholt, denn ich will ja hier nicht immer so einen Krach machen und wir fangen auch mal gleich an, wir haben nämlich noch mehr vor:
Auf beigefügtem Foto sind zwei Paar Beine zu sehen. Als kleine Abwechslung zum grauen Alltag, der all die einholt, die morgen wieder Arbeiten dürfen, veranstalte ich hier und nur heute einen kleinen Wettbewerb. Der- oder Diejenige, welche(r) errät welches Paar zum Cabman bzw. zum Zigarillo gehören, erhält als Hauptpreis dieses schicke Gedicht:






Trei tüttelige Tanten, tuckerten tratschend tanken.
Bei all der Tratscherei, fuhren sie an der Tanke vorbei.
Man konnte diese gerade noch sehen, da blieb das Auto stehen.
Nun war Rat sehr teuer, und die Liese da am Steuer
sagte rigoros: „Das ist ja ganz famos! Wir lassen das Auto stehen,
zu Fuß werden wir aber nicht gehen, denn ich bin zwar alt und auch
recht klein, aber ich habe nen Busfahrschein!“


So. Kommt nun wieder so ein Naseweis und erzählt mir, man dürfe Drei nicht mit „T“ schreiben, so antworte ich lässig, an meinem trei Kilo schweren Schlüsselbund spielend, dass verspielt mit einem Karabinerhaken und einer Hasenpfote an meine Stoffhose hängt: “Das müsst ihr mir erstmal beweisen!“ Wir vergessen nämlich immer, dass wir in einer Welt der Konventionen, der Annahmen und Kompromisse leben. Wer will denn wissen, ob Blau nicht vielleicht eigentlich Rot ist und wer will uns hindern, alles mal zu ändern? Heute ist also Rot Grün, dass wird all die freuen, die die dazugehörige Sehschwäche haben und Drei schreibe ich zur Feier des Tages mit „T“. Querdenken für Anfänger, aber ich übe ja noch.
Die Satire übe ich auch. Leider ist diese so klein, so zart und verhuscht, dass nicht jeder sie versteht, weswegen ich manchmal nicht verstanden werde. Daher hatte ich eigentlich geplant, diesen schicken Gefahrenhinweis
an jeden nicht so wirklich ernstzunehmenden Eintrag zu kleben, aber das Biest nimmt soviel Platz weg und Satire mit Bedienungsanleitung ist ja in etwas so sinnvoll, wie mit Platzpatronen in den Krieg ziehen, daher lass ich es. Stattdessen setze ich da, wo in anderen Regionen zur Narrenzeit selbiges Käppchen getragen wird, gleich den ganzen Till hin, nämlich nach ganz oben. Denn das passt heute zu meinem Ego, bigger is better und deswegen habe ich auch den header in seiner Gesamtheit schön breit gemacht, denn ob nun Querdenken, oder nur an morgen denken, Hauptsache breit und alle Parameter durchdacht. Dann möchte ich noch verkünden, immer wenn der Till da oben sitzt, bitte nicht alles auf die Goldwaage legen, da liegt noch was vom letzten Mal.

Schon wieder So. Ich habe ja das hier entdeckt. Siehste, denk ich mir, Erfolg will messbar sein. Ist ja auch irgendwie logisch, denn vergleichbar ist nur das, was messbar ist. Höher, Schneller, Weiter, Mehr, Weniger, Größer und Kleiner, alles quantifizierbar, alles in beliebige Reihenfolge zu setzten, solange es einen Wert hat. Daher sprechen wir auch nie von der erfolgreichen Liebe, immer nur von der glücklichen oder nicht so glücklichen, aber man hat noch nie auf einer Silberhochzeit gehört: Dat warn jetze aber erfolgreiche 25 Jahre. Also nicht das ich schon mal auf einer war, aber ist Liebe als Erfolg bewertbar? Da kommt mir ne tolle Idee für eine Erfindung, die Rechte hierzu gebe ich an den Kleinbloggersdorf-Erfinder und Trendscout Herrn Bufflon ab. Zum einen weil er ein Kumpel ist, zum anderen, weil ich ihm gestern Herbst in den Kopf streute. So ne Art Wiedergutmachung.
Hier nun die grandiose Erfindung. Es sollte doch möglich sein, die Anzahl der Glückshormone oder Glücksbotenstoffe, die uns so durchrieseln wenn wir verliebt sind, zu messen. Ich habe da ja keine Ahnung von, aber heh, wir sind ja bei de Blogger und da werfe ich jetzt den Ball zum Herrn Biochemiker, denn der ist ja der unheimliche Wissenschaftler hier. Ich stell mir so einen kleinen Aparat vor, in dem man hinein pustet und dann schmeißt der einen Wert aus, so was wie 200mg Adrenalin, Noradrealin, Serotonin, Acetylcholin, Dopamin, GABA Mix, oder so ähnlich und das sagt dann aus wie verliebt man ist, schön abzulesen auf der bunten Skala, ähnlich einem Lakmustest. Man Stelle sich nur folgenden Situation vor: Der James sitzt dann da in seinem Lieblingscafé und dieses wunderschöne, engelsgleiche Wesen kommt mit wippenden Busen vorbei geschlendert. Ich würde sagen: Hallo, hättest Du Lust auf ne Latte? Und sie würde irritiert kucken und ich schleudere schnell hinterher: Latte Macchiato? Und sie würde auf ihrer Unterlippe rumknappern und sagen: Den Macchiato kannste weglasssen, aber erst musst du pusten. Und dann hält sie mir Ihren nigelnagelneuen LOVE-Tester XS100 in Pink unter die Nase und ich puste und puste und dann schaut sie drauf und sagt: 260! Schade mein Lieber, unter 300 läuft gar nichts! Also das gefällt mir jetzt irgendwie nicht so richtig. Und anzüglich war es auch. Ich entschuldige mich auch dafür und geh zum eigentlich offbeat über: Wenn nun also die Anzahl der Klicks das Kalb ist, um das es zu tanzen gilt, dann ist es doch recht einfach, einen Tärärr: Auserwählten in den Bloggerolymp zu schleudern. Man nimmt sich einen, nee, nicht den Cove, das wäre ja nicht professionell, ruft zum Verlinken auf und wartet ab was passiert. Schön wäre ja, wenn der in die Top 100 käme. Damit hätten wir ne doppelte Versuchsanordnung, man könnte sehen ob die Blogger Witz haben und ob das System wirklich so einfach zu knacken ist. Das ganze nennen ich:
und präsentiere meinen Kandidaten: dermann. Fürchterlich schöner Blog, sehr frauenfreundlich, hier gibt es alles, was ich wissen muss und noch viel mehr und ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, würde dieser kleine hormongesteuerte überaus eindrucksvolle Schreiberling mit seinen spannenden und witzigen Texten eingeladen werden zu irgend so nem wichtigen Bloggerevent, wo er dann über die Inhalte seinen Blogs referieren darf. Vielleicht sogar mit ner PowerPoint Präsentation, wo er all die künstlerisch sehr anspruchsvollen Akte zeigt. Das fände ich gut. Auch witzig. Daher rufe ich hier mal dazu auf, den guten Mann zu verlinken, so 155 bräuchten wir, dass sollte machbar sein.
Und allen Gutmenschen, die schon wieder Gewehr Beifuss stehen rufe ich zu: Soviel Hirse ist nicht gesund, es sei denn ihr habt nen Vogel und bevor ihr euch wieder aufregt, geht doch noch ein bisschen die Stichomythie alternierendbreiter Streifen bügeln, da seid ihr mit was Sinnvollem beschäftigt. Ach nee, das kann ich nicht schreiben, weil dann schieße ich mich selber in die A-Liga, also übersetze ich das schnell: Ja, ích meine eure braunen Cordhosen!


PS Nicht vergessen liebe Leute, der Till sitzt da oben;-)


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Sonntag, 6. August 2006
Mit Zigarrillo im Scho Schonenland
So. Ich muss hier heute mal was bloggen, denn ich habe mich ja lang genug dünne gemacht und James will ja nicht in Vergessenheit geraten.
Mit dem Bloggen ist es ja wie mit jeder Form der Ausscheidung, sie ist reinigend und gesund. Das ist im Übrigen nicht zu diskutieren, sondern bestehende Tatsache, habe ich von meinem Arzt, der da mal sagte: “Kacken ist gesund, denn es befreit den Köper von Giftstoffen. Je länger du nicht gehst, mein lieber James, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwas nachbleibt.“ Ehrlich, das hat er zu mir gesagt und die Analogie zum Bloggen ist unverkennbar, denn das hat auf mich auch reinigende Wirkung. Das war jetzt aber mal ne astreine Einleitung, denn heute schreibe ich was Ernstes, sozusagen Ernst Cabman, aber nur heute, denn es widerspricht meinem Naturell, eigentlich. Morgen gibt es dann was Lustiges, ich bin nämlich auf ne dolle Geschichte gestoßen, aber die seelische Reinigung geht vor:
Die Antike und ich haben den Herren Zigarrillo am Flughafen abgeholt. Da war es Sonntag. Und ich muss hier noch mal schnell was zum Herrn Zigarillo einschieben:
Den kenne ich, entgegen meiner früher getroffenen Aussage, nämlich schon seit der 11 Jahre alt war. Ich habe das mal nachgerechnet. Und seit dem sind unsere beiden Leben miteinander verwoben. Mal engmaschig, mal grobmaschig, aber immer ohne Riss. Gern erinnere ich unsere durchdaddelten Nächte mit Quake und Unreal, erinnere mich, wie wir seine erste Wohnung renovierten, da war er 17; erinnere mich, wie er verheult bei uns in der Küche sass, weil ihn alles zu überfordern schien, die Wohnung, der Alltag, keine Kohle, eben alles. Erinnere, wie wir gemeinsam doppelte Buchführung für sein Abi gepaukt haben, wie er selbstlos meine Diplomarbeit in den Rechner gehackt hat, die ganze Nacht hindurch und wie wir beide dann Montagmorgens bei ihm auf dem Bett vor lauter Erschöpfung einschliefen und ich das ganze noch fast vermasselt hätte, weil der Abgabetermin um 09.00 Uhr war und der Scheiss-Copyshop nur einen funktionierenden Kopierer hatte. Ich erinnere, als wir gemeinsam nach Norrland fuhren, 18 Stunden Autofahrt, wie wir da saßen und Holzmännchen schnitzten, all die Umzüge bei denen er mir half, erinnere, wie er die Stellung in Deutschland hielt, während ich schon in Schweden war, wie er sich für mich mit den Behörden rumgeschlagen hat und als Postverteiler fungierte. Erinnere all die Stunden, die wir gemeinsam verbrachten, manchmal stritten, auch das gehört dazu denn wir sind immerhin noch zwei eigenständige Menschen, zwar mit den (fast) gleichen Zielen, Werten und Auffassungen, aber eben nur fast. Unter Freunden sollte dies aber kein Problem sein. Ist es eins, dann hat man die falschen Freunde. Daher heute hier, weil er mir in der vergangenen Woche wieder half, mit seiner Muskelkraft, mit seinem Kopf:
Ich verneige mich tief mein Lieber und sage danke! Danke, dass du da bist wenn es brennt und danke für all die Hilfe und Rat, die du freimütig gabst und gibst!
So. Damit ist die Liste der Personen, vor denen ich mich verneigte, schon auf zwei angewachsen, denn so etwas wird nicht verschenkt.
Der traurige Grund seines Besuches ist der, dass das Haus im Scho Schonenland verkauft ist. „Es ist noch nicht verkauft!“ höre ich die Antike rufen und hinterher fragend „Hast Du den Vertrag gelesen?“ Natürlich hatte ich ihn gelesen, so etwas ist mein Job, so etwas mach ich fast jeden Tag, Verträge lesen und schön ist dann noch, wenn man sie auch versteht. Natürlich wusste ich, dass es eine Timeline gibt, innerhalb derer der Käufer ohne Vertragsbruch zu begehen, vom Kauf zurücktreten kann. „Dann kann ich den also unterschreiben?“ fragte die Antike. Sie hatte den Vertrag nämlich nicht gelesen. „Ja, kannst Du, es ist nichts Komisches enthalten.“ Nicht das hier der falsche Eindruck entsteht, normalerweise ist die Antike viel ordentlicher in solchen Dingen als ich. Aber eben nicht in dieser Angelegenheit, denn es ist einfach zu viel für sie. Also mein Job. Tja, und weil niemand weiß, wie die ganze Sache ausgeht, sind wir halt hin gefahren, ins Scho Schonenland, das Haus übergabefertig zu machen und Dinge, an denen unsere Herzen hängen, abzuholen. Viel war es ja nicht mehr, aber doch noch einiges. So rasten wir also von Stockholm ganz in den Süden Schwedens und die Antike sagte zum ersten Mal seit wir uns kennen, sie fände gut, dass ich zu schnell fahre. Sie wollte es schnell hinter sich bringen.
Es regnete. Natürlich. Passend zur Stimmung. Fürs Autofahren aber genau richtig, weil sich die Schweden dann immer nach rechts verkrümeln und man freie Fahrt hat. Und huxflux waren wir da und es war wie immer:
Sobald man das Grundstück betritt, scheint alles abzufallen. Die Gedanken an den Job sind meilenweit weg, es gibt nichts weiter als üppiges Grün, nur Geräusche der Natur und man ist mit sich allein. Die Bäume wiegen sich sacht im Wind, irgendwo zwitschert ein Vogel und in der Ferne hört man die Arbeitsgeräusche von jemand, der Rasen mäht. Die pure Idylle. Wir haben sie aber nicht genossen, sondern gleich richtig losgelegt, na ja, eigentlich war es die Antike, denn der Herr Zigarrillo und ich brauchen irgendwie immer erstmal Kaffee. Weil wir dann so schnell waren, alles in kleine abholbereite Häufchen sortiert, hätten wir auch schon am Montagabend wieder zurückfahren können. Haben wir aber nicht gemacht, denn wir waren sehr, sehr müde. Ich fuhr noch schnell zur Tanke, ca. 20 km weit weg, kauft ne Schachtel Zigaretten und als ich auf den Weg nachhause war, traf ich die Nacht. Unnötig zu sagen, dass ich sie mag. Nein, eigentlich liebe ich sie und dabei spielt es keine Rolle, wo ich sie treffe, ob in HH, in Amsterdam, in Wien, Zürich völlig egal, ich bin ihr immer verfallen. Auch im Scho Schonenland, wo sie in eigentümlichen Licht daher kam. Der Himmel schien in Flammen zu stehen und ich fühlte mich wie in so einem Fantasyfilm. Dahinten musste Mordor liegen.
„Na James? Traurig?“
„Ja, sehr sogar.“
„Wie werden uns hier nicht mehr wieder sehen, habe ich Recht?“
„So wie es aussieht hast du Recht, meine Teure.“
„Mach ein Foto, ich habe mich für dich hübsch gemacht.“
„Das sehe ich. Du bist bezaubernd.“
Und dann schmunzelte sie, funkelt in unglaublichen Farben und links kam der Nebel aus dem Wald gekrochen, um mal nachzuschauen, ob denn alles in Ordnung ist. War es. Ich machte meine Fotos und dann ging es endgültig heim.
Da warteten die Antike und Zigarrillo mit ner Tasse Tee, saßen auf dem Vorbau im Spotlight und ich musste daran denken, wie ich diesen ganzen Anbau in einem Sommer baute, allein, weil ich mich mit der Antiken gestritten hatte und der Herr Zigarrillo hatte keinen Urlaub mehr, so blieb mir nichts anderes übrig. Ich erinnerte, wie ich mir den Rücken verrenkte, als ich die Tür einsetzte, wie ich bei 2 Grad über Null die Spots einbaute und kaum den Seitenschneider halten konnte, weil die Finger steifgefroren waren. Es gäbe tausend Baustellenstories zu erzählen, aber dafür würde dieser Blog zu klein sein. Nur soviel: Alles, wirklich alles bis auf Strom und Wasser haben wir an diesem Haus selber gemacht. Den kompletten Grundriss geändert, neue Fassade, neue Heizung, neues Dach zwei Fenster zu gemacht, dafür an anderer Stelle die Fassade aufgemacht und ein Neues eingesetzt. Den Vorbau im November gebaut, wo es arschkalt war und das ausrichten der Unterkonstruktion dafür sorgte, dass die Antike und ich uns in den Haaren hatten. Kein Wunder, das war eine schlimme Zeit, tagsüber im Büro, abends auf dem Bau, da liegen irgendwann die Nerven blank. Aber wir folgten einem Ziel, hatten einen Plan, an den erinnerten wir uns immer, wenn es richtig arg kam. Und dann kam alles anders.
So stand ich dann am Dienstag auf dem Grundstück, schaute mir alles an, sah vor meinem geistigen Auge die Tierchies, die hier mal rumstapften, Lotta, eine sehr intelligente Hündin die wir letztes Jahr im Februar einschläfern lassen mussten. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Otto, der nicht so intelligent war. Den haben wir ganz aus Pirmasens Tierheim geholt. Völlig bekloppt eigentlich, aber man muss investieren in die Dinge, die einem wichtig sind. Otto war es, genauso wie er alt und krank war, aber er hatte mit Sicherheit das beste Jahr seines Lebens bei uns. Und dann natürlich Skippy. Der größte Herzdieb aller Zeiten. Ein witziger Welsh Corgi Mix. Den hatten wir aus dem Lüneburger Tierheim und dieser kleine Kerl hat mich geliebt wie keinen anderen. Kein Wunder, denn wir verbrachten viel Zeit miteinander. An seinen Todstag werde ich mich auch immer erinnern, weil ich diesen Hund liebte und weil ich keine 24 Stunden in Schweden war, als wir ihn einschläfern lassen mussten. Da habe ich erst geheult. Aber man muss den Weg mit diesen Wesen, die sich uns nicht ausgesucht haben, bis zum Ende gehen. Das ist man ihnen schuldig. Skippy-Geschichten könnte ich hier auch etliche reinschreiben, denn der war ein richtiger Pflegel.
Ich schaute mich also um, sah vor mir, wie das Haus aussehen würde, würden wir alle Projekte umsetzen; sehe all die Bretter, all die Nägel, die wir von hand einschlugen, ich kenne jeden von ihnen, jeder Schraube, denn wir haben das Haus einmal umgekrempelt. Und alles trägt den bitteren Geschmack, etwas nicht zu ende gebracht zu haben. So etwas kann ich nicht leiden, ich weiß aber, es ist die richtige Entscheidung. Lerne zu leiden, lerne Dich selbst zu besiegen, denn nur dann kannst du andere besiegen. Das sagte mein Opa und an den musste ich komischerweise auch denken.
Wir haben wieder einen Hund, DasDaisy, die haben wir aus Spanien und solange sie und die zwei dicken Kater leben, habe ich auch eine Verantwortung und werde die Antike damit nicht allein lassen. Genauso wenig, wie ich sie allein liess, als alles verpackt war, denn der Herr Zigarrillo und ich sind mittlerweile Profis im Umziehen. Danach gingen wir nämlich noch mal übers Grundstück, um Tschüss zu sagen und natürlich weinte die Antike. Ich nahm sie in den Arm, sie zu trösten und versprach, wir würden das Haus in Stockholm auch schön herrichten, obwohl ich genau wusste, dass sie nicht wegen des Hauses weinte, welches wir in den letzten 7 Jahren mühevoll restaurierten, sondern weil mit diesem Haus eine Lebensplanung verschwindet, ein gemeinsamer Traum, ein Ziel, das eine Art Guideline war.
Tja. Das Haus ist wahrscheinlich weg, was bleibt sind 5 dicke Fotoalben mit Momenten eines bisherigen Lebens, Abdrücke auf dem Teppich und die auf der Seele. Die Zeit wird alles heilen und die Erinnerungen kann uns keiner nehmen, dem Zigarrillo nicht, der Antiken nicht und mir sowieso nicht, denn diese speziellen Erinnerungen trage ich im Herzen und nur da gehören sie hin. Skippy, Lotta, Otto, die Antike, wie wir uns liebten, wie wir uns stritten, wie wir lachten und gemeinsam weinten. Man kann die Welt in ihrem Lauf nicht aufhalten, man kann aber 5 Minuten innehalten und mal drüber nachdenken. Ich mach es ab und an, denn sie sind es mir wert, sie am Leben zu halten.
Wir machten noch ein paar Bilder, und fuhren durch die Nacht nach Stockholm. Die Antike wollte Motörhead hören, es gab auch Kiss, Bruce Springsteen und natürlich Depeche Mode. Und irgendwann verstummten die Gespräche, jeder hing seinen Gedanken nach, denn der Herr Zigarrillo war auch traurig und ich nagelte mit 120 und dem Riesenanhänger über die Autobahn. Der Rest wäre auch erzählenswert, spar ich mir aber, nur soviel, der Herr Zigarrillo und ich haben den Eingangsbereich des Hauses in Stockholm gemeinsam fertig gebaut, genau so, wie die Antike es wollte. Wir können so etwas nämlich, auch wenn wir sonst Drehstuhlcowboys sind und weil wir was können, allein und im Team sind wir sogar noch viel besser, können wir uns auch erlauben, die große Fresse zu haben. Aber nur dann und wann.
Am Freitag haben die Antike und ich den Zigarrillo wieder zum Flughafen gebracht. Es gab eine ganz unspektakuläre Verabschiedung und schon war er wieder weg. Wir saßen dann noch ein bisschen auf der schicken neuen Holzterrasse und die Antike sagte:
„Das habt ihr wirklich toll gebaut. Danke. Wollen wir noch mal zum Flughafen? Wir könnten dir ein Lastminute-Angebot raussuchen. Du könntest Urlaub machen.“
„Nee“, sach ich. „ich mach die Dinge hier noch fertig. Die Wochen nach meinem Urlaub sind schon alle verplant, dann kommt der Herbst mit den Messen, da werde ich auch kein Wochenende zu hause sein. Also muss ich damit jetzt fertigen werden. Das Haus muss gestrichen werden, der Schuppen muss ausgebessert werden und das Tor muss ich auch noch fertig machen. Ich habe es dir ja versprochen.“
Und da grinste sie und sagt: „ Du bist eigentlich ein ganz Feiner.“
„Finde ich auch.“;-)


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