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Dienstag, 20. Februar 2007
Alles Schnee, alles nee
cabman, 13:54h
Und dann kommt er halt doch noch mal. Schnee. Was für ein Niederschlag, auch emotional, war ich doch gedanklich schon im Frühling. Stockholm ist immer vom Schnee überrascht, was überrascht, doch nie ist man auf ihn vorbereitet, immer kollabiert der Nahverkehr, immer wird das Räumen der Gehwege vergessen, immer bekomme ich kaltnasse Füße. Aber so ist es wohl mit liebgewonnen Gewohnheiten, selten ist man bereit sie aufzugeben, schon gar nicht, wenn das Budget für die Kommunalreinigung gekürzt wird.
Man kommt dann nach hause und auch da: Schnee. Entgegen dem einen oder anderen Mitglied einer völkischen Berggemeinschaft, kann ich dem Ganzen nichts abgewinnen, außer vielleicht das befriedigende Gefühl, wenn ich mit meinem Besen, der auf den schönen Namen „Peggy Perfect“ hört, jeglichen Schnee vor meiner Tür vertrieben habe. Dieses Gefühl: Jawoll, ich James, Bezwinger der Elemente, Herrscher in meinem Vorgarten, mag er noch so klein sein, so bleibt er mein Reich, habe wieder bewiesen, nichts kann einen Mann mit eisernem Willen und einen Besen aufhalten. Lasset uns kehren, ein und aus, denn das macht doch das Leben aus, oder so. Auf jeden Fall wurde der Beweis erbracht, nicht jedes Schwingen eines Schneebesens lässt süßes Kleingebäck in gierigen Schlund münden oder gar munden, was auch mit der meinigen Abneigung der Speiszubereitung einhergehen kann. Diese ist politisch völlig korrekt und ökologisch rundherum akzeptabel, denn die Nahrungszubereitung frisst Energie und das ein oder andere Nutztier auch.
Anderenorts mögen Käsebrotliebhabern scheppernd die Ringel aus den Socken fallen und sich gar hinderlich dem Entfliehen des Wohnungsschwundes erweisen, doch ich, Trotzer des Elemente, Verzichter auf Feuer, stärke mich für täglich Kampf mit Müsli. Die Verpackung dieses hier hat einen schreienden Aufdruck, der mir recht deutlich von der Neuheit des Produktes kündet. Ich gestehe, nur seinetwegen erwarb ich es, doch fragte ich mich sogleich: Ein Witz? trägt doch es doch den Namen: Klassische Mischung. Wenn etwas klassisch ist, ist es meist bekannt, wenn nicht sogar alt. So gesehen können wir alle Klassiker werden, ich arbeite dran, wenn dies auch völlig klassisch, da nicht neu ist, genau wie mein Müsli.
So stehe ich zu später Stunde in dem Raum, den sie Küche nennen, und denke mir nichts Böses. Wie könnte ich, ich trage Cordhosen und Wollpulli und gar blaue Puschen zieren mein nacktes, fast ebenso blaues Fußfleisch. Dergestalt gehöre ich immer auf die gute Seite, dorthin, wo sie nie zweifeln noch fragen, wo gute Menschen immer alles wissen, alles können und das meist auch noch viel, viel besser. Dennoch erschrak ich, als ein lautes Schaben und Knarzen mich aus der Tiefe der Müsliinhaltsangabe riss. Ein Wildschwein vielleicht? So fragte ich mich hoffnungsschwanger und mit zittrigen Fingern das Handy aus der Jacke klaubend: Heisa, etwas für die Weblogin! jubellierte ich des Weiteren still in mich und pantoffelte zum Fenster hin. Ein freundlicher Besuch durch Nutztierverwandte ist so abwegig nicht, besonders nicht hier. Gern erinnere ich der zwei Rehe, die einst an einem Herbstabend vor meinem Küchenfenster standen. Vielleicht 50 cm verglaster Abstand, mehr war es nicht, doch unerreichbar blieb es, sie zu berühren. So etwas soll es geben, auch in Ehen.
Egal. Jedoch wie enttäuscht war ich, als mit Waidmannsblick ich meinen Vorgarten beäugte in Erwartung eines recht so prächtigen Schwarzrockes, es abzulichten und zu präsentieren doch gewahr wurde ich bloß meines Nachbarn Lennart im Kampf mit neuem, fallfrischen Schnee? Sicher, auch er war schwarz verhüllt, der Lennart, doch er ist nicht widerborstig. So winkte ich ihm in Anerkennung seiner schneeräumenden Verrichtung und beschloss, nun, wo die Nacht auf samtenen Pfoten leise und andächtig über die Stadt geschlichen kam, sich auf den Dächern der Häuser niederließ, sie umschloss, dass ich dem Schnee die Freude gönne, mag er da liegen beleiben bis er sich eines Besseren besinnt, oder besonnen wird. Mir egal, dunkel wurde es und somit Zeit für meine verordnete Maltherapie:

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Montag, 19. Februar 2007
Der Virus Mensch
cabman, 10:51h
Die regelhafte Wiederkehr gefühlte Monotonie ist das, was derzeit mein Lebensrhytmus ist. Im Stakkato der tropfenden Minuten fühlt sie sich zäh an, die Zeit.
Zeit. Zeit ist immer ein Problem. Entweder haben wir ihrer zu viel, oder zu wenig. Man könnte sogar behaupten, Zeit ist die alles beherrschende Macht. Zeit ist es, die uns Glücklichsein lässt, die uns verzweifeln lässt und die uns am Ende umbringt. Glauben Sie nicht? Fragen Sie einen, dessen Krankheitsdiagnose eher betrüblich aussieht. Es spielt keine Rolle, wie alt, wie jung, welche Ursache, feststeht, irgendwann ist die Zeit eines jeden abgelaufen, denn Zeit ist in ihrem Fortgang unerbittlich. Nichts und niemand kann ihr Einhalt gebieten. Wir Menschen wissen das, ist die Zeit doch unserer Erfindung, geprägt durch unser Bewusstsein; wir sind uns unserer Existenz bewusst. Jeder Mensch hat ein Ich. Dieses Ich ist mehr als unsere Körper, denn auch ein Amputierter hat immer noch ein vollständiges Ich-Bewusstsein. Das Ich kann also losgelöst vom Körper betrachtet werden. Es gibt schöne Menschen in hässlichen Körpern und in einem kranken Körper kann eben doch ein sehr gesunder Geist stecken, siehe Stephen Hawking und umgekehrt funktioniert es auch. Ich denke, also bin ich, beinhaltet allerdings nicht diesen Umkehrschluss.
Wenn man diese 2 Faktoren kombiniert, die Gewissheit einer begrenzten körperlichen Existenz und das Wissen, dass unser Geist, dass was uns ausmacht, unabhängig von eben diesen Körper existiert, dann wird auch klar, warum manche Menschen sich schwer tun es zu akzeptieren, dass nach dem Ableben des Körpers der Geist nicht mehr existent sein soll. So etwas Wunderbares wie unser Ich kann nicht einfach verschwinden, kann nicht weg sein, nur weil es den Körper nicht mehr gibt. Und wie immer wenn Menschen ein Bedürfnis haben, kommen findige Marketingstrategen, denn nie ist verkaufen einfacher und leichter, wenn das Produkt gewollt ist. Sie versprechen dieses und jenes, aber auf jeden Fall einen Platz an anderer, um vieles besserer Stelle für das Ich. Es ist eine clevere Idee, denn in mehrer hundert Jahre alter Firmengeschichte gab es nie eine Reklamation, nie eine Auseinandersetzung mit dem Produkthaftungsgesetz; nie musste und wurde der Beweis der Richtigkeit aller Versprechen erbracht. Und weil ihnen die Vorstellung gefällt, dieses wunderbarer Ich zu konservieren, von jetzt bis in alle Ewigkeit, akzeptieren die Menschen die damit verbundene Erpressung, denn eines ist klar, nur wer sich an die Regeln der Firma hält, zu deren AGB einsteigt, bekommt einen Mietvertrag für sein Ich. Jede Religion hat ihren Preis. Man kann sich an dieser Stelle fragen, ob Göttin nicht jedes ihrer Kinder lieben sollte, ihm einen Platz in ihrem Herzen freihalten muss, auch wenn dieses nicht der Wunschvorstellung seiner Schöpferin entspricht? Ich denke schon, denn alles andere wäre emotionale Erpressung. „Lukas, wenn Du nicht sofort ruhig bist, bekommst Du kein Eis.“ Höre ich es im Supermarkt brüllen und auf Erden ebenso. Wollte Lukas überhaupt Eis?
Wenn man es aber ganz genau betrachtet, durchdenkt, dann ist die Menschheit eben nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr Untergang, eine Anomalie im Ökosystem. Killerzelle oder Virus, ein Zufallsprodukt, das den Wirt, die Erde, den es zum Überleben braucht, auf Sicht tötet. Wieder eine Frage der Zeit. Wir sind es, die das System aus dem Takt bringen mit unserem Bewusstsein, mit unserem ICH und der Neigung persönlichen Besitz zu schaffen. Wenn man so will, ist dieses wohl die menschlichste aller Eigenschaften. Die härteste Form ihrer Durchsetzung ist Krieg. Im Krieg geht es doch immer nur um Besitz oder Macht und selbst Macht ist nur eine andere Form von Besitz. Insofern rufe ich den Wollpulliträgern zu: Krieg kann nie unmenschlich sein, es ist die menschlichster aller Tätigkeiten. Selten hat man davon gehört, dass Antilopen und Zebras sich verbündeten, um eine Wasserstelle gegen Löwen zu verteidigen.
Und was mache ich jetzt mit diesen verqueren Gedanken, die sich an einem lausig beleuchteten Sonntagnachmittag durchs Gehirn fressen? Nun, ich könnte mir bewusstwerden, dass meine Zeit begrenzt ist, das es danach nichts geben wird und Höheres schon jetzt und nur von mir erreicht werden kann. Ich befreie mich von der Vorstellung, dass es etwas Besseres nach dem Ableben gibt und sorge dafür, dass wir es jetzt schön haben, ich lebe jetzt und male der Morphine ein Bild, denn das ist die von ihr verordnete Therapie gegen Zu-Viel-Zeit-Winterdepression.:
Zeit. Zeit ist immer ein Problem. Entweder haben wir ihrer zu viel, oder zu wenig. Man könnte sogar behaupten, Zeit ist die alles beherrschende Macht. Zeit ist es, die uns Glücklichsein lässt, die uns verzweifeln lässt und die uns am Ende umbringt. Glauben Sie nicht? Fragen Sie einen, dessen Krankheitsdiagnose eher betrüblich aussieht. Es spielt keine Rolle, wie alt, wie jung, welche Ursache, feststeht, irgendwann ist die Zeit eines jeden abgelaufen, denn Zeit ist in ihrem Fortgang unerbittlich. Nichts und niemand kann ihr Einhalt gebieten. Wir Menschen wissen das, ist die Zeit doch unserer Erfindung, geprägt durch unser Bewusstsein; wir sind uns unserer Existenz bewusst. Jeder Mensch hat ein Ich. Dieses Ich ist mehr als unsere Körper, denn auch ein Amputierter hat immer noch ein vollständiges Ich-Bewusstsein. Das Ich kann also losgelöst vom Körper betrachtet werden. Es gibt schöne Menschen in hässlichen Körpern und in einem kranken Körper kann eben doch ein sehr gesunder Geist stecken, siehe Stephen Hawking und umgekehrt funktioniert es auch. Ich denke, also bin ich, beinhaltet allerdings nicht diesen Umkehrschluss.
Wenn man diese 2 Faktoren kombiniert, die Gewissheit einer begrenzten körperlichen Existenz und das Wissen, dass unser Geist, dass was uns ausmacht, unabhängig von eben diesen Körper existiert, dann wird auch klar, warum manche Menschen sich schwer tun es zu akzeptieren, dass nach dem Ableben des Körpers der Geist nicht mehr existent sein soll. So etwas Wunderbares wie unser Ich kann nicht einfach verschwinden, kann nicht weg sein, nur weil es den Körper nicht mehr gibt. Und wie immer wenn Menschen ein Bedürfnis haben, kommen findige Marketingstrategen, denn nie ist verkaufen einfacher und leichter, wenn das Produkt gewollt ist. Sie versprechen dieses und jenes, aber auf jeden Fall einen Platz an anderer, um vieles besserer Stelle für das Ich. Es ist eine clevere Idee, denn in mehrer hundert Jahre alter Firmengeschichte gab es nie eine Reklamation, nie eine Auseinandersetzung mit dem Produkthaftungsgesetz; nie musste und wurde der Beweis der Richtigkeit aller Versprechen erbracht. Und weil ihnen die Vorstellung gefällt, dieses wunderbarer Ich zu konservieren, von jetzt bis in alle Ewigkeit, akzeptieren die Menschen die damit verbundene Erpressung, denn eines ist klar, nur wer sich an die Regeln der Firma hält, zu deren AGB einsteigt, bekommt einen Mietvertrag für sein Ich. Jede Religion hat ihren Preis. Man kann sich an dieser Stelle fragen, ob Göttin nicht jedes ihrer Kinder lieben sollte, ihm einen Platz in ihrem Herzen freihalten muss, auch wenn dieses nicht der Wunschvorstellung seiner Schöpferin entspricht? Ich denke schon, denn alles andere wäre emotionale Erpressung. „Lukas, wenn Du nicht sofort ruhig bist, bekommst Du kein Eis.“ Höre ich es im Supermarkt brüllen und auf Erden ebenso. Wollte Lukas überhaupt Eis?
Wenn man es aber ganz genau betrachtet, durchdenkt, dann ist die Menschheit eben nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr Untergang, eine Anomalie im Ökosystem. Killerzelle oder Virus, ein Zufallsprodukt, das den Wirt, die Erde, den es zum Überleben braucht, auf Sicht tötet. Wieder eine Frage der Zeit. Wir sind es, die das System aus dem Takt bringen mit unserem Bewusstsein, mit unserem ICH und der Neigung persönlichen Besitz zu schaffen. Wenn man so will, ist dieses wohl die menschlichste aller Eigenschaften. Die härteste Form ihrer Durchsetzung ist Krieg. Im Krieg geht es doch immer nur um Besitz oder Macht und selbst Macht ist nur eine andere Form von Besitz. Insofern rufe ich den Wollpulliträgern zu: Krieg kann nie unmenschlich sein, es ist die menschlichster aller Tätigkeiten. Selten hat man davon gehört, dass Antilopen und Zebras sich verbündeten, um eine Wasserstelle gegen Löwen zu verteidigen.Und was mache ich jetzt mit diesen verqueren Gedanken, die sich an einem lausig beleuchteten Sonntagnachmittag durchs Gehirn fressen? Nun, ich könnte mir bewusstwerden, dass meine Zeit begrenzt ist, das es danach nichts geben wird und Höheres schon jetzt und nur von mir erreicht werden kann. Ich befreie mich von der Vorstellung, dass es etwas Besseres nach dem Ableben gibt und sorge dafür, dass wir es jetzt schön haben, ich lebe jetzt und male der Morphine ein Bild, denn das ist die von ihr verordnete Therapie gegen Zu-Viel-Zeit-Winterdepression.:


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Samstag, 17. Februar 2007
Ich werde mich nicht beklagen,
cabman, 16:11h
aber manchmal ist alles mother fucking bullshit. Go to hell, dirtbag.
Lass es pingen, lass es klingeln
Lass es pingen, lass es klingeln

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