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Dienstag, 27. Februar 2007
Da mach ich mir ein Bild von
cabman, 09:07h
Mein IQ ist so hoch, das ich gleich vergessen habe wie hoch. In diesem kleinen provokanten Satz wird dann auch ein Problem uns aller erwähnt: Das Vergessen.
Vergessen ist nichts weiter als ein Abschied von Erinnerungen und wie wir alle seit dem bärtigen Barden wissen, ist Abschied ein scharfes Schwert. Was beschriebener Sangeskünstler aber nicht verriet ist die Tatsache, dass ein Schwert auch zweischneidig sein kann. Was dem einen also Wohl, kann dem anderen Weh sein, oder anders gesagt, es kommt darauf an, von welchen Erinnerungen wir uns verabschieden. Nun wäre der Mensch, dieser Defekt im Ökosystem, natürlich nicht Mensch, hätte er sich nicht ein probates Mittel gegen den Abschied von gewollten Erinnerungen erfunden. Nein, es handelt an dieser Stelle nicht von Webloginnnen, wobei es passend wäre, sondern von Bildern. Früh schon, um nicht zu sagen sehr früh, wahrscheinlich auch morgens, als das Feuer aus war, hat Uga Uga ein Stück Holzkohle genommen und mal schnell einen Eintrag an die Wand geworfen. Das hat er gut und richtig gemacht, denn wie sonst hätten wir uns unsere kollektive Vergangenheit vor Augen führen können? Der Mensch ist und bleibt in erster Linie ein Augentier, weswegen wir nachts eigentlich schlafen und Fledermäuse eben nicht. Dafür können Menschen aber schönere Bilder machen. Über alle Jahrhunderte hindurch wurden Bilder gemalt, gemacht, um zu bewahren und die bisherige Krönung im Kampf wider des Vergessens ist die Digitale Spiegelreflexkamera. Ein jeder kann Zeitzeuge, Chronist oder Bildblogger sein, wenn er will.
Wie interessierten Lesern vielleicht bekannt, bin ich dabei umzuziehen. Das bedeutet eigentlich nur, dass die Sachen, eben noch fein gestapelt im Schrank, nun im Karton liegen. Der Ort ändert sich, die Tätigkeit bleibt. Und wie es dann so ist, entdecke ich die Fotoalben und kann nicht umhin, in ihnen zu blättern. So saß ich also am Sonntag im schneeumtobten Haus, eine Tasse Kaffee, Herr Boas Musik durchwaberte die Räume und betrachtete Fotos. Ich konnte mich an alle Momente mehr oder weniger erinnern, alles war präsent, ein - zwei Namen aus dem Kindergarten waren weg, aber nur von denen, mit denen ich eh nichts zu tun hatte. Jedes Foto ein Moment in meinem Leben, flüchtig und schon vergangen in dem Moment, wo der Film belichtet wird. All diese Sekunden, gebannt, gefangen auf einem Stück Papier, das so viel mehr ist, da es Erinnerungen speichert. Ich weiß, da habe ich mich gestritten, dort habe wir gelacht und dort habe ich gelitten. Alles da, ich weiß welche Wünsche ich hatte, welche Träume, was mich beschäftigte, was ich fühlte. Und während vor dem Küchenfenster Schneeflocken ihren Tanz aufführten, es dunkel wurde und ich mir einen neuen Kaffee einschenkte, fragte ich mich, was es wohl ist, was einem beim Betrachten wenn nicht traurig, so doch nachdenklich werden lässt. Vielleicht ist es ein Stück das Wissen um den Verlust von dem, was man mal hatte und ich meine hierbei nicht die materiellen Werte. Von denen habe ich mich befreit. Ich denke die Krux an der Geschichte ist die Bebilderung des Alterns. Man sieht sich selbst heranwachsen, die Welt, einst groß, wird mit den Jahren immer kleiner und mit ihr die Illusionen und Wünsche. Alles schon gesehen, alles schon gefühlt, denn nie wird man sein erstes eigenes Auto zweimal kaufen können und je intensiver man lebt, desto schneller geht es. Insofern ist es wohl die Zeit, der man nachweint. Seinen alten Vorstellungen, Ideen und Hoffnungen, die, einer Nussschale gleich, an den Klippen der Realität zerschellen, oder in ihr davon treiben. Drum lasst uns nun an die Hände fassen und ein wenig weinen um die Zeit, deren Erinnerungen wir zwar auf einem Foto bannen, aber nicht wiederbeleben können, denn wenn auch Geschichte sich wiederholt, wie einst der gute Herr Professor sagte, so meinte er doch nicht unsere persönliche und schon gar nicht im Detail. Doch auf diese kommt es mir ja an, betrachte ich meine Bilder, meinen Film und ich möchte sie nicht vergessen.
Und weil die Morphine danach fragte, muss nun auch ein Bild her, von damals. Doch eins ist keins, so schieben ich zwei dazu und nennen es Anthology of Cabman moments 0-17-32:


Ach ja und mein IQ ist die rechnerische Differenz aus meiner Körper- und Schuhgröße + 1. Ich habe mich ja gefragt, ob man daraus eine allgemeingültige Regel machen könnte und gleich sein lassen. Ich kenne nämlich mindestens eine Person bei de Blogger, die lebt zierlich auf großem Fuß und ist dabei ziemlich klug. Somit ist die Badewannenthese hinfällig, was nun auch schon wieder klug ist: Idee erkannt, vorgebracht, durchdacht, als falsch bewertet und verworfen= Klug;
Idee erkannt, vorgebracht, durchdacht, als falsch bewertet und trotzdem durchgesetzt = Politiker.
Quod erat demonstrandum, wie immer man es interpretieren will;-)
Ansonsten bleibt für heute, mit speziellem Gruß:
Tirez le rideau; la farce est jouée!
Vergessen ist nichts weiter als ein Abschied von Erinnerungen und wie wir alle seit dem bärtigen Barden wissen, ist Abschied ein scharfes Schwert. Was beschriebener Sangeskünstler aber nicht verriet ist die Tatsache, dass ein Schwert auch zweischneidig sein kann. Was dem einen also Wohl, kann dem anderen Weh sein, oder anders gesagt, es kommt darauf an, von welchen Erinnerungen wir uns verabschieden. Nun wäre der Mensch, dieser Defekt im Ökosystem, natürlich nicht Mensch, hätte er sich nicht ein probates Mittel gegen den Abschied von gewollten Erinnerungen erfunden. Nein, es handelt an dieser Stelle nicht von Webloginnnen, wobei es passend wäre, sondern von Bildern. Früh schon, um nicht zu sagen sehr früh, wahrscheinlich auch morgens, als das Feuer aus war, hat Uga Uga ein Stück Holzkohle genommen und mal schnell einen Eintrag an die Wand geworfen. Das hat er gut und richtig gemacht, denn wie sonst hätten wir uns unsere kollektive Vergangenheit vor Augen führen können? Der Mensch ist und bleibt in erster Linie ein Augentier, weswegen wir nachts eigentlich schlafen und Fledermäuse eben nicht. Dafür können Menschen aber schönere Bilder machen. Über alle Jahrhunderte hindurch wurden Bilder gemalt, gemacht, um zu bewahren und die bisherige Krönung im Kampf wider des Vergessens ist die Digitale Spiegelreflexkamera. Ein jeder kann Zeitzeuge, Chronist oder Bildblogger sein, wenn er will.
Wie interessierten Lesern vielleicht bekannt, bin ich dabei umzuziehen. Das bedeutet eigentlich nur, dass die Sachen, eben noch fein gestapelt im Schrank, nun im Karton liegen. Der Ort ändert sich, die Tätigkeit bleibt. Und wie es dann so ist, entdecke ich die Fotoalben und kann nicht umhin, in ihnen zu blättern. So saß ich also am Sonntag im schneeumtobten Haus, eine Tasse Kaffee, Herr Boas Musik durchwaberte die Räume und betrachtete Fotos. Ich konnte mich an alle Momente mehr oder weniger erinnern, alles war präsent, ein - zwei Namen aus dem Kindergarten waren weg, aber nur von denen, mit denen ich eh nichts zu tun hatte. Jedes Foto ein Moment in meinem Leben, flüchtig und schon vergangen in dem Moment, wo der Film belichtet wird. All diese Sekunden, gebannt, gefangen auf einem Stück Papier, das so viel mehr ist, da es Erinnerungen speichert. Ich weiß, da habe ich mich gestritten, dort habe wir gelacht und dort habe ich gelitten. Alles da, ich weiß welche Wünsche ich hatte, welche Träume, was mich beschäftigte, was ich fühlte. Und während vor dem Küchenfenster Schneeflocken ihren Tanz aufführten, es dunkel wurde und ich mir einen neuen Kaffee einschenkte, fragte ich mich, was es wohl ist, was einem beim Betrachten wenn nicht traurig, so doch nachdenklich werden lässt. Vielleicht ist es ein Stück das Wissen um den Verlust von dem, was man mal hatte und ich meine hierbei nicht die materiellen Werte. Von denen habe ich mich befreit. Ich denke die Krux an der Geschichte ist die Bebilderung des Alterns. Man sieht sich selbst heranwachsen, die Welt, einst groß, wird mit den Jahren immer kleiner und mit ihr die Illusionen und Wünsche. Alles schon gesehen, alles schon gefühlt, denn nie wird man sein erstes eigenes Auto zweimal kaufen können und je intensiver man lebt, desto schneller geht es. Insofern ist es wohl die Zeit, der man nachweint. Seinen alten Vorstellungen, Ideen und Hoffnungen, die, einer Nussschale gleich, an den Klippen der Realität zerschellen, oder in ihr davon treiben. Drum lasst uns nun an die Hände fassen und ein wenig weinen um die Zeit, deren Erinnerungen wir zwar auf einem Foto bannen, aber nicht wiederbeleben können, denn wenn auch Geschichte sich wiederholt, wie einst der gute Herr Professor sagte, so meinte er doch nicht unsere persönliche und schon gar nicht im Detail. Doch auf diese kommt es mir ja an, betrachte ich meine Bilder, meinen Film und ich möchte sie nicht vergessen.
Und weil die Morphine danach fragte, muss nun auch ein Bild her, von damals. Doch eins ist keins, so schieben ich zwei dazu und nennen es Anthology of Cabman moments 0-17-32:


Ach ja und mein IQ ist die rechnerische Differenz aus meiner Körper- und Schuhgröße + 1. Ich habe mich ja gefragt, ob man daraus eine allgemeingültige Regel machen könnte und gleich sein lassen. Ich kenne nämlich mindestens eine Person bei de Blogger, die lebt zierlich auf großem Fuß und ist dabei ziemlich klug. Somit ist die Badewannenthese hinfällig, was nun auch schon wieder klug ist: Idee erkannt, vorgebracht, durchdacht, als falsch bewertet und verworfen= Klug;
Idee erkannt, vorgebracht, durchdacht, als falsch bewertet und trotzdem durchgesetzt = Politiker.
Quod erat demonstrandum, wie immer man es interpretieren will;-)
Ansonsten bleibt für heute, mit speziellem Gruß:
Tirez le rideau; la farce est jouée!

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Montag, 26. Februar 2007

cabman, 11:01h
Es war einmal, weit weg von der großen Stadt und der großen Strasse, weit draußen und sehr einsam gelegen, ein Bauernhof. Dort wohnte ein Hund namens Wuff. Nicht das Wuff die Strasse oder die Stadt gekannt hätte, das nun nicht, aber er hatte schon davon gehört, von seinem Menschen. Wuff wusste auch, dass er selber von einem anderen Bauernhof hierher kam. Er konnte sich nicht daran erinnern, denn er war damals noch sehr klein, sagte zumindest die schlaue Henne Maria und die wusste immer Rat. Dieser andere Bauernhof war vier Kilometer weit weg. Wuff wusste nicht, was ein Kilometer ist, aber er wusste, das vier Stücken Fleisch viel für ihn waren, also mussten vier Kilometer es wohl auch sein.
Wuffs Tage auf dem Hof waren immer interessant und aufregend. Da war der Kater James, den er selten sah, weil James immer unterwegs war. Da waren Maria, die Henne, da waren der Büffel und das Mäuschen, die Ziege Bertha, das Schwein Ewald, der Rabe Mark, der Hahn und die anderen Hühner, die Schafe und die Enten. Alle waren immer mit etwas beschäftigt und Wuff natürlich auch, denn er musst ja überall nach dem Rechten sehen. So ging er jeden Tag seine Runde über den Hof, grüsste alle, tauschte die neuesten Geschichten aus und dann, ganz am Schluss seiner Tour, legte er sich hinter der Scheune in den Schatten. Das war der beste Platz, denn von hier hatte er den ganzen Hof im Blick und außerdem lebte dort die Blume Frau Gänse. Frau Gänse war eine sehr vielbeschäftigte Frau mit Problemen. Bienenproblemen.
Wuff wusste nicht, was ein Bienenproblem ist, aber wenn er es richtig verstand, hatte es was damit zu tun, dass nie die richtige Biene bei Frau Gänse landete. Wuff wusste auch nicht, warum überhaupt eine Biene auf irgendjemand landen sollte, aber dafür war er eh noch zu jung, wie Frau Gänse sagte.
„Das schlimme mit denen Bienen ist, die schauen immer nur nach dem Äußeren. Als hätte ich nicht mindestens genau so viel zu bieten, wie diese eingebildete Frau Rose drüben in der Rabatte. Pah, sollen sie doch.“ Sprach Frau Gänse aufgebracht.
Und Wuff antwortete dann immer: „Genau!“ Und deswegen verstanden die beiden sich so gut.
Eines Tages, Wuff hatte gerade seine Runde gedreht, da spürte er ein Jucken. So beschloss er, rüber zu seinem Kratzstein zu gehen. Dieser Stein eignete sich vortrefflich, sich daran zu reiben und zu schubbern. Doch als er sich dem Stein näherte, hörte er ein Rascheln und Mümmeln. Nanu, dachte sich Wuff da etwas ängstlich, was mag das wohl sein? Ganz vorsichtig schlich er sich heran und war doch sehr erschrocken, als ihn ein gar komisch ausschauendes Wesen ankuckte. Es hatte große Ohren und lange Beine und es sah so ganz anders aus als alle anderen Tiere, die Wuff bis dahin gesehen hatte.
„Oh. Ähm. Hallo. Wer bist du denn?“ fragte Wuff dann auch sehr neugierig.
„Hallo. Ich heiße Meister Lampe. Und das hier ist meine Frau Meister Lampe und Meister Lampe Junior. Wir sind Hasen.“
„Aha. Ich verstehe.“ Sagte Wuff sehr würdig und er hatte keine Ahnung was ein Hase ist, oder was der so tut.
„Was macht ihr denn hier?“ Fragte er sogleich.
„Wie sind hierher gezogen. Wir kommen aus dem Wald.“
„Aus dem Wald?“ Fragte Wuff ungläubig. Er hatte schon viel vom Wald gehört. Er wusste, dass es da Bäume gibt, mehr als drei, wie Maria ihm mal erklärte, aber Hasen? Nun, Wuff war noch nie im Wald, das war nämlich auf der anderen Seite vom Zaun. Eigentlich war bis auf James nie ein Bewohner des Hofes auf der anderen Seite gewesen. Dieser Hase musste sehr mutig sein, wenn er auf diese Seite des Zaunes kam.
„Warum seid ihr denn hierher gezogen?“ Fragte Wuff.
„Ja weißt du, im Wald da lauern viele Gefahren. Seit wir Junior haben, sorgen wir uns sehr um sein Wohl. Da gibt es Isegrim und Reinecke Fuchs, auch die Bussarde können gefährlich sein. Wir möchten gern, das Junior in Frieden aufwächst.“
„Ich verstehe.“ Antwortet Wuff und diesmal verstand er es wirklich, denn er hatte ähnliches schon von den Enten gehört. Die wollten auch, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen.
„Na dann seid willkommen.“ Sprach Wuff.
„Oh, vielen Dank. Wir möchten hier niemandem zur Last fallen. Glaubst du wir dürfen hier wohnen?“
„Nun, es ist eigentlich mein Kratzstein, aber wenn ihr ihn nicht kaputt macht und ich mich weiterhin hier schubbern kann, dann soll es mir recht sein.“
„Selbstverständlich sollst du dich hier kratzen dürfen.“ Sagte der Hase und so hatte der Hof neue Bewohner bekommen.
Wuff ging sogleich zu allen Tieren des Hofes und erzählte ihnen die neueste Nachricht. Einige freuten sich, den meisten war es jedoch egal, da sie zur sehr mit ihrem Tagwerk beschäftigt waren. Nur die Hühner, allen voran der Hahn, äußerten sich skeptisch.
„Was wollen die den hier?“ Krächzte er.
„Nun, sie wollen hier wohnen, bis Junior groß genug ist“
„Pah. Als gäbe es hier nicht schon genug Tiere. Wir haben ja jetzt schon kaum Platz zum Picken und Scharren.“
„Aber die Hasen wohnen ja drüben am Kratzstein. Da seid ihr doch gar nicht.“ Antwortete Wuff.
„Ja, vielleicht noch nicht. Vielleicht möchten wir eines Tages dort scharren und nach Würmern picken und dann sind da die Hasen.“
„Stimmt. Und die Hasen sind wenige. Es wird genug Platz für euch geben, wenn die Hasen überhaupt noch da sein werden und wenn ihr je dort scharren wollt.“ Sprach Wuff und zog seines Weges, denn er wollte sich nicht mit dem Hahn um ungelegte Eier streiten.
So zogen die Tage ins Land. Wuff und Meister Lampe wurden Freunde. Meister Lampe hatte so viele wunderliche Geschichten zu berichten, dass die beiden oft bis spät in die Nacht zusammen saßen.
Interessiert hörte Wuff sich alles an, fragte nach und lernte eine Menge über den Wald. Er wusste z.B. nicht, dass es auch Wildschweine gibt. „So etwas wie Ewald, nur mit Haaren dran“, erklärte Meister Lampe. Und je mehr Wuff vom Wald und all seinen Bewohnern zu hören bekam, desto weniger hatte er Angst, es vielleicht mal selber zu versuchen, auf der anderen Seite des Zaunes zu streunen.
Doch eines Morgens dann, Wuff war gerade aufgewacht und schmeckte das Steak nach, von dem er geträumt hatte, da vernahm er ein Geschrei und Geplärr, wie er es bis dahin noch nicht gehört hatte. Schnell sprang er auf, um zu schauen, was vorging.
Erschrocken sah er da, wie der Hahn Frau Meister Lampe und Junior über den Hof trieb.
Das kann und darf nicht sein, dachte Wuff wütend und sprang dazwischen. Doch zu spät erreichte er den Platz des Geschehens, die Hasen waren bereits weg.
„Was tust Du, du eitler Gockel?“ Rief Wuff erbost dem Hahn zu, der hoch oben auf seinem Hügel stand.
„Ich habe die Hasen ihres Platzes verwiesen. Sie sollen beim Kratzstein bleiben.“
„Hast du denn gefragt, was sie hier wollten? Vielleicht wollten sie mit euch reden, Freunde werden?“
„Wir möchten aber gar nicht mit ihnen Freunde sein.“ Krächzte der Hahn.
„Warum nur bist du so abweisend zu ihnen? Ich versteh es einfach nicht.“ Sagte Wuff traurig.
„Nun, es ist ganz einfach. Sie gehören nicht hierher. Alle Tiere auf diesem Hof sind vom Mensch gebracht. Doch diese, diese Hasen, sind einfach so aufgetaucht. Plötzlich sind sie da und machen sich breit und sie werden uns auch alles wegfressen. Also, so frage ich dich Hund, wenn der Mensch wollte, dass sie hier wären, hätte er sie nicht dann zu uns gebracht?“
Wuff war kein besonders schlauer Hund. Er wusste nichts zu antworten, auf diese berechtigte Frage und noch nie hatte er darüber nachgedacht. Es stimmte was der Hahn sagte. Traurig ließ Wuff den Kopf hängen, während der Hahn triumphierend auf ihn herab blickte.
„Ähm“, räusperte sich da eine Stimme, die Wuff nur zu gut kannte. Es war Maria, die nun das Wort an den Hahn richtete:
„Mein lieber Oskar, du sprichst von wir mit einer, deiner Stimme, doch nie fragtest du, was unsere Meinung ist. Wir Hühner haben eine und nur selten stimmt sie überein, mit dem was du sagst…“
„Was in aller Welt ist in dich gefahren, dass es du es wagst, dich gegen mich zu stellen?“ Unterbrach der Hahn sie rüde. Offensichtlich war er keinen Widerspruch gewohnt.
„Nun, wir Hühner akzeptieren deine Entscheidungen oft, weil es den Tag einfacher macht und du dich dafür auch um all die unangenehmen Dinge kümmerst. In der Hasensache aber, denn auch wir sind besorgter Mütter, werden wir nicht schweigen und dir nicht folgen. So sage also nicht wir, wenn du ich meinst. Und ist es nicht so“, Maria redete sich nun in Rage, selbst erstaunt über ihren Mut, „dass auch du den Hügel, den du als dein betrachtest, frei wähltest, ohne das der Mensch ihn dir zuwies?“
„Pah. Ja, ich habe ihn gewählt und hätte der Mensch etwas dagegen gehabt, so hätte er es mir zu verstehen gegeben, aber er sagte nichts! Hörst du, du dummes Huhn?“ Der Hahn war nun außer sich.
„Aber der Mensch sagte auch nichts gegen die Hasen. Solange sie hier wohnen, gab es keine Äußerungen gegen sie.“
„Du verkennst die Sache, du Henne, denn darum geht es nicht. Die Frage ist, ob der Mensch sie hier haben wollte, oder nicht! Er hat sie nicht geholt, also will er sie nicht!“ Der Hahn schrie Maria an. Diese blieb ganz ruhig und sagte sehr weise:
„Glaubst du nicht auch, dass Mensch, mit all seinen Mitteln, seiner Stärke und Macht es zu verhindern gewusst hätte, dass die Hasen hier sind? Wenn es so wäre wie du sagst, gäbe es keine Hasen. Wir glauben der Mensch interessiert sich gar nicht für sie, ihm ist es egal. Er hat andere Probleme den Acker zu bestellen, der defekte Holzspalter, alles größer und wichtiger als die Hasen. Wir glauben, Du allein magst die Hasen nicht, nur du willst nicht, dass sie hier sind und deswegen wollen wir nicht, das du hier bist!“
Still wurde es auf dem Hof. Endlich war ausgesprochen was viele Tiere dachten und alle bewunderten Maria für ihren Mut. Wuff machte sich bereit ihr beizustehen, denn er erwartete jeden Augenblick, dass der Hahn auf sie einhackte. Doch nichts dergleichen geschah. Der Hahn spreizte seine Flügel, erhob sich in die Luft und krächzte laut: „Ihr Narren, nichts wisst ihr. Lebt wohl in eurer Einfalt!“ und ward seid dem nicht mehr gesehen.
Die Tier schauten ihm langer nach, bis er nichts weiter als ein kleiner Punkt am Horizont war, als plötzlich Gepolter und Geschimpfe zu vernehmen war.
„Du Nichtsnutz, oh warte nur,…“, schrie der Mensch. Die Tiere waren erschrocken. Sollte der Mensch böse darüber sein, dass sie den Hahn vertrieben hatten? Die nicht so Mutigen versteckten sich, nur Wuff und Maria blieben stehen und sahen, wie James, der Kater, mit einem Stück Steak im Maul aus der Tür gesprungen kam und gleich hinter ihm der Mensch mit seinen schweren Stiefeln.
„Oh, du sollst Mäuse jagen und nicht mein Mittagessen stehlen!“ Rief der Mensch. James rannte an Wuff und Maria vorbei.
„Hi James“, grüssten sie ihn.
„Keine Zeit“, keuchte James, „erst dieses leckere Steak, dann die Mäuschen. Ihr wisst schon…“ und damit sprang er über den Zaun Richtung Wald. Wuff und Maria mussten lachen und alle Tiere des Hofes stimmten ein.
So vergingen Tage und Nächte, Kleine wurden groß, friedlich ging es zu in dieser Zeit und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Wuffs Tage auf dem Hof waren immer interessant und aufregend. Da war der Kater James, den er selten sah, weil James immer unterwegs war. Da waren Maria, die Henne, da waren der Büffel und das Mäuschen, die Ziege Bertha, das Schwein Ewald, der Rabe Mark, der Hahn und die anderen Hühner, die Schafe und die Enten. Alle waren immer mit etwas beschäftigt und Wuff natürlich auch, denn er musst ja überall nach dem Rechten sehen. So ging er jeden Tag seine Runde über den Hof, grüsste alle, tauschte die neuesten Geschichten aus und dann, ganz am Schluss seiner Tour, legte er sich hinter der Scheune in den Schatten. Das war der beste Platz, denn von hier hatte er den ganzen Hof im Blick und außerdem lebte dort die Blume Frau Gänse. Frau Gänse war eine sehr vielbeschäftigte Frau mit Problemen. Bienenproblemen.

„Das schlimme mit denen Bienen ist, die schauen immer nur nach dem Äußeren. Als hätte ich nicht mindestens genau so viel zu bieten, wie diese eingebildete Frau Rose drüben in der Rabatte. Pah, sollen sie doch.“ Sprach Frau Gänse aufgebracht.
Und Wuff antwortete dann immer: „Genau!“ Und deswegen verstanden die beiden sich so gut.
Eines Tages, Wuff hatte gerade seine Runde gedreht, da spürte er ein Jucken. So beschloss er, rüber zu seinem Kratzstein zu gehen. Dieser Stein eignete sich vortrefflich, sich daran zu reiben und zu schubbern. Doch als er sich dem Stein näherte, hörte er ein Rascheln und Mümmeln. Nanu, dachte sich Wuff da etwas ängstlich, was mag das wohl sein? Ganz vorsichtig schlich er sich heran und war doch sehr erschrocken, als ihn ein gar komisch ausschauendes Wesen ankuckte. Es hatte große Ohren und lange Beine und es sah so ganz anders aus als alle anderen Tiere, die Wuff bis dahin gesehen hatte.

„Hallo. Ich heiße Meister Lampe. Und das hier ist meine Frau Meister Lampe und Meister Lampe Junior. Wir sind Hasen.“
„Aha. Ich verstehe.“ Sagte Wuff sehr würdig und er hatte keine Ahnung was ein Hase ist, oder was der so tut.
„Was macht ihr denn hier?“ Fragte er sogleich.
„Wie sind hierher gezogen. Wir kommen aus dem Wald.“
„Aus dem Wald?“ Fragte Wuff ungläubig. Er hatte schon viel vom Wald gehört. Er wusste, dass es da Bäume gibt, mehr als drei, wie Maria ihm mal erklärte, aber Hasen? Nun, Wuff war noch nie im Wald, das war nämlich auf der anderen Seite vom Zaun. Eigentlich war bis auf James nie ein Bewohner des Hofes auf der anderen Seite gewesen. Dieser Hase musste sehr mutig sein, wenn er auf diese Seite des Zaunes kam.
„Warum seid ihr denn hierher gezogen?“ Fragte Wuff.
„Ja weißt du, im Wald da lauern viele Gefahren. Seit wir Junior haben, sorgen wir uns sehr um sein Wohl. Da gibt es Isegrim und Reinecke Fuchs, auch die Bussarde können gefährlich sein. Wir möchten gern, das Junior in Frieden aufwächst.“
„Ich verstehe.“ Antwortet Wuff und diesmal verstand er es wirklich, denn er hatte ähnliches schon von den Enten gehört. Die wollten auch, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen.
„Na dann seid willkommen.“ Sprach Wuff.
„Oh, vielen Dank. Wir möchten hier niemandem zur Last fallen. Glaubst du wir dürfen hier wohnen?“
„Nun, es ist eigentlich mein Kratzstein, aber wenn ihr ihn nicht kaputt macht und ich mich weiterhin hier schubbern kann, dann soll es mir recht sein.“
„Selbstverständlich sollst du dich hier kratzen dürfen.“ Sagte der Hase und so hatte der Hof neue Bewohner bekommen.
Wuff ging sogleich zu allen Tieren des Hofes und erzählte ihnen die neueste Nachricht. Einige freuten sich, den meisten war es jedoch egal, da sie zur sehr mit ihrem Tagwerk beschäftigt waren. Nur die Hühner, allen voran der Hahn, äußerten sich skeptisch.
„Was wollen die den hier?“ Krächzte er.
„Nun, sie wollen hier wohnen, bis Junior groß genug ist“
„Pah. Als gäbe es hier nicht schon genug Tiere. Wir haben ja jetzt schon kaum Platz zum Picken und Scharren.“
„Aber die Hasen wohnen ja drüben am Kratzstein. Da seid ihr doch gar nicht.“ Antwortete Wuff.
„Ja, vielleicht noch nicht. Vielleicht möchten wir eines Tages dort scharren und nach Würmern picken und dann sind da die Hasen.“
„Stimmt. Und die Hasen sind wenige. Es wird genug Platz für euch geben, wenn die Hasen überhaupt noch da sein werden und wenn ihr je dort scharren wollt.“ Sprach Wuff und zog seines Weges, denn er wollte sich nicht mit dem Hahn um ungelegte Eier streiten.
So zogen die Tage ins Land. Wuff und Meister Lampe wurden Freunde. Meister Lampe hatte so viele wunderliche Geschichten zu berichten, dass die beiden oft bis spät in die Nacht zusammen saßen.
Doch eines Morgens dann, Wuff war gerade aufgewacht und schmeckte das Steak nach, von dem er geträumt hatte, da vernahm er ein Geschrei und Geplärr, wie er es bis dahin noch nicht gehört hatte. Schnell sprang er auf, um zu schauen, was vorging.
Erschrocken sah er da, wie der Hahn Frau Meister Lampe und Junior über den Hof trieb.
Das kann und darf nicht sein, dachte Wuff wütend und sprang dazwischen. Doch zu spät erreichte er den Platz des Geschehens, die Hasen waren bereits weg.
„Ich habe die Hasen ihres Platzes verwiesen. Sie sollen beim Kratzstein bleiben.“
„Hast du denn gefragt, was sie hier wollten? Vielleicht wollten sie mit euch reden, Freunde werden?“
„Wir möchten aber gar nicht mit ihnen Freunde sein.“ Krächzte der Hahn.
„Warum nur bist du so abweisend zu ihnen? Ich versteh es einfach nicht.“ Sagte Wuff traurig.
„Nun, es ist ganz einfach. Sie gehören nicht hierher. Alle Tiere auf diesem Hof sind vom Mensch gebracht. Doch diese, diese Hasen, sind einfach so aufgetaucht. Plötzlich sind sie da und machen sich breit und sie werden uns auch alles wegfressen. Also, so frage ich dich Hund, wenn der Mensch wollte, dass sie hier wären, hätte er sie nicht dann zu uns gebracht?“
„Ähm“, räusperte sich da eine Stimme, die Wuff nur zu gut kannte. Es war Maria, die nun das Wort an den Hahn richtete:
„Mein lieber Oskar, du sprichst von wir mit einer, deiner Stimme, doch nie fragtest du, was unsere Meinung ist. Wir Hühner haben eine und nur selten stimmt sie überein, mit dem was du sagst…“
„Was in aller Welt ist in dich gefahren, dass es du es wagst, dich gegen mich zu stellen?“ Unterbrach der Hahn sie rüde. Offensichtlich war er keinen Widerspruch gewohnt.
„Nun, wir Hühner akzeptieren deine Entscheidungen oft, weil es den Tag einfacher macht und du dich dafür auch um all die unangenehmen Dinge kümmerst. In der Hasensache aber, denn auch wir sind besorgter Mütter, werden wir nicht schweigen und dir nicht folgen. So sage also nicht wir, wenn du ich meinst. Und ist es nicht so“, Maria redete sich nun in Rage, selbst erstaunt über ihren Mut, „dass auch du den Hügel, den du als dein betrachtest, frei wähltest, ohne das der Mensch ihn dir zuwies?“
„Pah. Ja, ich habe ihn gewählt und hätte der Mensch etwas dagegen gehabt, so hätte er es mir zu verstehen gegeben, aber er sagte nichts! Hörst du, du dummes Huhn?“ Der Hahn war nun außer sich.
„Aber der Mensch sagte auch nichts gegen die Hasen. Solange sie hier wohnen, gab es keine Äußerungen gegen sie.“
„Du verkennst die Sache, du Henne, denn darum geht es nicht. Die Frage ist, ob der Mensch sie hier haben wollte, oder nicht! Er hat sie nicht geholt, also will er sie nicht!“ Der Hahn schrie Maria an. Diese blieb ganz ruhig und sagte sehr weise:
„Glaubst du nicht auch, dass Mensch, mit all seinen Mitteln, seiner Stärke und Macht es zu verhindern gewusst hätte, dass die Hasen hier sind? Wenn es so wäre wie du sagst, gäbe es keine Hasen. Wir glauben der Mensch interessiert sich gar nicht für sie, ihm ist es egal. Er hat andere Probleme den Acker zu bestellen, der defekte Holzspalter, alles größer und wichtiger als die Hasen. Wir glauben, Du allein magst die Hasen nicht, nur du willst nicht, dass sie hier sind und deswegen wollen wir nicht, das du hier bist!“
Still wurde es auf dem Hof. Endlich war ausgesprochen was viele Tiere dachten und alle bewunderten Maria für ihren Mut. Wuff machte sich bereit ihr beizustehen, denn er erwartete jeden Augenblick, dass der Hahn auf sie einhackte. Doch nichts dergleichen geschah. Der Hahn spreizte seine Flügel, erhob sich in die Luft und krächzte laut: „Ihr Narren, nichts wisst ihr. Lebt wohl in eurer Einfalt!“ und ward seid dem nicht mehr gesehen.
Die Tier schauten ihm langer nach, bis er nichts weiter als ein kleiner Punkt am Horizont war, als plötzlich Gepolter und Geschimpfe zu vernehmen war.
„Du Nichtsnutz, oh warte nur,…“, schrie der Mensch. Die Tiere waren erschrocken. Sollte der Mensch böse darüber sein, dass sie den Hahn vertrieben hatten? Die nicht so Mutigen versteckten sich, nur Wuff und Maria blieben stehen und sahen, wie James, der Kater, mit einem Stück Steak im Maul aus der Tür gesprungen kam und gleich hinter ihm der Mensch mit seinen schweren Stiefeln.
„Hi James“, grüssten sie ihn.
„Keine Zeit“, keuchte James, „erst dieses leckere Steak, dann die Mäuschen. Ihr wisst schon…“ und damit sprang er über den Zaun Richtung Wald. Wuff und Maria mussten lachen und alle Tiere des Hofes stimmten ein.
So vergingen Tage und Nächte, Kleine wurden groß, friedlich ging es zu in dieser Zeit und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Sonntag, 25. Februar 2007
wort zum sonntag
c17h19no3, 03:11h
"wenn man schon bei der fernsehwerbung für nikotinkaugummi geil wird, ist das ein untrügliches zeichen dafür, dass man(n) mal wieder eine frau braucht."
by: j. rupert cabman, i.a. miss morphine.
ich denke mal, das war nicht die schwedische werbung. aber die hier ist auch nicht schlecht.
by: j. rupert cabman, i.a. miss morphine.
ich denke mal, das war nicht die schwedische werbung. aber die hier ist auch nicht schlecht.

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