Montag, 4. September 2006
Im Schatten der Akropolis
Die wichtigsten Fragen des Lebens sind zum größten Teil eigentlich nur Probleme der Wahrscheinlichkeit. Die Welt als solche benimmt sich sonderbar, wir alle sind mehr oder minder blind im Nebel des Seins, denn vieles ist eine Frage des Zufall, den wir nicht wirklich ausrechnen können.
Wie wahrscheinlich war es, dass ich an beschriebenem Wochenende, welches einer anderen Frau angedacht war, dieses wunderbare Mädchen in Wien treffe? Wie wahrscheinlich war es, dass dieses Mädchen sich in einer Beziehungskrise befand? Wie wahrscheinlich war es, dass ich ihr den Anstoß gab, ohne das ich mir dessen bewusst war, sich endgültig zu trennen? Wie wahrscheinlich war es, dass wir einander verfielen?
Vorletztes Wochenende war ich allein zuhause und im Stress. Ich kam Freitagnacht aus Deutschland wieder, kümmerte mich um die Wäsche am Samstag und Sonntag flog ich wieder nach Wien, denn die junge Frau, die ich ab sofort die DieP nenne, hatte es sich gewünscht, genauso wie ich, denn ich mag sie unheimlich. So holte sie mich am Flughafen ab. Ich hatte Verspätung und landete gegen 22.50 Uhr. Eigentlich war es auch Idiotie so zu agieren, aber kann es Idiotie geben, wenn das Herz regiert?

Wir tuckerten in ihrem Smart Cabrio durch Wien hin zum Hotel, welches ich gebucht hatte. Wir unterhielten uns und sie ist einer dieser Menschen, die man eben erst kennen lernte, sich aber sofort mit ihm vertraut fühlt. Das Hotel begeisterte sie und auch wenn sie beruflich viel unterwegs ist, so hat sie doch noch nie in einem solchen Hotel genächtigt und sie sagte, sie könne sich für so alte Gebäude begeistern. Ich schmunzelte innerlich und dachte mir, genau wie ich.
Wir saßen unten in der Lobby und tranken ein Zwickel, denn die Bar hatte geschlossen wegen einer solchen Gesellschaft. Das machte uns aber nichts, wir hatten eh nur Augen und Ohren für uns.
Dann war es 00.30 Uhr und ich stand unter der Dusche, es wurde 00.45 Uhr und wir versanken in einem Rausch, den ich so noch nie erlebt habe. Es wurde 04.00 Uhr und wir fielen in schwitzig erschöpften Schlaf. Es klingelte 05.30 ihr Handy, uns zu wecken und sie fragte, „Auf wann hast du dein Handy gestellt?“
„Zu um Sechs.“ Sie schaute mich mit diesem Glitzern in den Augen an und es flammte nochmal die Leidenschaft auf, einfach so.
06.00 Uhr DieP steht unter der Dusche und ich am Fenster. Ich schaue auf Wien, es schläft noch und im Osten geht die Sonne auf. Ich konnte das hier alles gar nicht glauben.
06.30 Uhr ich spürte das heiße Wasser auf meinen Schultern, es entspannte nicht.
06.45 Uhr ich rasiere mich. Die Tür geht auf. DieP steht in ihrem Kostüm vor mir und fragt, ob sie mir zuschauen dürfe.
„Warum nicht?“ entgegne ich.
„Mein Freund mag es nicht.“ Sagte sie und
„Du rasierst dich nass? Das finde ich gut.“
„Nassrasur, Automatikuhr und Hosen mit Knöpfen. Es gibt so Dinge, die nur richtige Kerle tun,“ grins ich sie an und sie löste dabei das Handtuch, das ich mir um die Hüfte geschlungen hatte.
„Schockiert dich das gar nicht?“ Fragte sie verschmitzt.
„Nö. Sollte es?“
„Nee. Ich schaue dich gerne an. Du hast einen schönen Körper.“
„Du aber auch.“
„Erzähl nicht. Ich habe erst wieder mit Sport angefangen.“
„Sieht man.“
„Charmeur. Was machst du für Sport?“
„Gar keinen.“
„Das glaub ich dir nicht. Bei dem Körper.“
„Na ab und an mal ein Situp, 2 Liegestütze und ein Klimmzug.“
„Du spinnst.“
„Nee ist wahr. Ich gehe in kein Fitnessstudio. Habe ich gar keine Zeit für.“
Und dann zog ich mich an, einmal die Businessuniform. DieP ist beeindruckt, wie schnell ich den Schlips binde und wie gut mir das alles stehen würde. Mir war es peinlich und ich entschuldigte mich fast. Ich sagte: „ Es ist nur ein Frage des Trainings, es ist nur Anzug.“
„Stimmt, “ sagte sie, „aber es gibt Leute, denen steht es und dann gibt es Leute, die sehen albern aus. Dir steht es definitiv!“ Und sie kommt auf mich zu und gibt mir einen Kuss.
„Du bist wundervoll.“
„Und du bist dabei, mein Herz zu rauben.“ Sie legte mir den Finger auf den Mund und sagte ich solle nicht so etwas sagen.
07.00 Uhr Frühstück. Sie schaute mich über den Rand ihrer Tasse an. Sie hat so wunderschöne blaue Augen, groß und so blau. Ich strich ihr die Strähne aus der Stirn.
„Ich werde dich vermissen.“
„Ich tue es jetzt schon. Bringst du mich noch zum Auto?“
„Na klar.“ Und dann ging es sehr schnell. Ich beleitete sie, es gab eine kurze aber schmerzvolle Verabschiedung und dann war sie weg. Mir kam es so unreal vor, so geträumt, so wunderschön.
07.45 HG steht pünktlich auf die Minute an der Rezeption. Er grinste und meinte in Wien gäbe es nun mal doch die schönsten Mädchen. „Diese hier ist besonders.“ Antwortete ich ihm und dann fädelten wir uns in den Berufsverkehr ein und fuhren zum Flughafen.
Unterwegs erzählte ich ihm von den Möglichkeiten, die sich mir böten und er wurde traurig. Er sagte, er könne es verstehen, er sagte er könne es aber nur schwer akzeptieren, zu gut würde es zwischen uns funktionieren, ja es hätte noch nie vorher so gut funktioniert. Wir würden doch wachsen, die Zahlen würden passen, alles läuft wie wir es wollen und dann bügelte ich ihn über und sagte ihm, ich müsse zuerst an mich denken. Das konnte er auch verstehen.
10.45 Uhr der Flieger hebt ab. 36 Sekunden und ich bin knappe 12 Stunden in Wien gewesen. Anderthalb Stunden davon hatte ich verschlafen, den Rest genutzt, so gut wie ich ihn nutzen konnte. Jede Minute war es wert. Ich falle in Schlaf und werde erst in Athen geweckt.
Dort trifft mich der Hitzehammer, nicht unvermittelt, aber schwer. 36 Grad. Es brauchte eine Stunde bis ich da bin, wo ich hin wollte. Glaspaläste und Fahnen, es riecht nach Geld.
Das Meeting dauert 3 Stunden, die Ministeriumsheinis können mir nicht wirklich was Neues bieten. Wenigstens wissen sie, wo sie die Fördergelder ausgraben können. Ich spule meine Präsentation runter. Es ist keine Herausforderung, ich habe die schon ein paar Mal gehalten. Wir arrangieren ein neues Meeting für ein follow up am Freitag. Nach einer weiteren Taxifahrt bin ich im Hotel. Luxuriöse Insel fetter amerikanischer Touristen und so Geschäftsleuten wie mir. Ich kann die Akropolis von meinem Zimmer aus sehen. Sie interessiert mich aber nicht. Nicht heute. Ich rufe DieP an und dann falle ich todmüde ins Bett.
Dienstag traf ich die Leute der Firma, die ich selber als Kooperationspartner vorschlug. Wir reisten quer durch Attika. Ich nehme die ganz Firma unter die Lupe, Lagerhaus, Büros, rede mit den Leuten und wir gehen zum Lunch. Danach beginnt das Shootout. Es wird das längste, das ich bis dahin hatte. Siebeneinhalb Stunden. Es geht aber auch um viel. Es werden die Eckdaten für eine Marktöffnung festgelegt. Am Ende haben wir einen Rahmenvertrag, der in sich noch so schwammig ist, dass es mindestens 1 Woche arbeit braucht, bevor alles fixiert ist. Es fühlt sich aber gut an. Alle wichtigen Punkte für uns sind drin. Ich war noch so vom Adrenalin oben, dass ich Maria anrufen musste. Sie freute sich mit mir. Es ist dein Erfolg, sagte sie. Dann ging nichts mehr. Todmüde. Traumloser Schlaf.
Mittwoch besuchte ich hochwichtige Leute außerhalb Athens. Wasserspiele vor der Tür und ich dachte mir, gibt es doch gar nicht: In Athen müssen sie Wasser sparen und hier umspielt es blasierte Eitelkeit. Der Herr Geschäftsführer ist gut drauf, seine Präsentation gut, sehr hilfreich und es entwickelte sich eine nette Diskussion, als mein Telefon vor sich lang hin vibriert. Es war DieP. Ich entschuldigte mich und sagte dies sei ein hochwichtiger Anruf, auf den ich den ganzen Tag wartete und schon war ich aus dem Konferenzraum.
„Hi.“
„Hi, wie geht’s dir?“
„Gut. Was machst Du?“
„Ich habe mich gelangweilt und an auf deinen Anruf gewartet.“
„Erzähl nicht. Du hattest doch heute dieses Meeting.“
„Hab ich auch immer noch.“
„Hast Du eine Pause?“
„Hab ich mir genommen.“
„Wegen mir? Soll ich auflegen?“
„Nee, lass mal. Die wollen ja was von uns.“
„Du bist so lieb. Ich vermisse Dich und ich mach mir Sorgen, was du von mir denken könntest.“
„Wieso?“
„Na weil ich doch einen Freund habe.“
„Es ist mir egal. Ich finde gut, wenn du deiner inneren Stimme folgst. Wie schon gesagt, du musst tun was du für richtig hältst, nur so wirst du glücklich. Tue nichts für mich, tue nichts für deinen Freund; in diesem Zusammenhang solltest du etwas für dich tun.“
„Kannst Du nicht sagen, ich solle mit ihm Schluss machen?“
„Nee. Ich kenn ihn ja gar nicht; ich weiß nicht, was ihr für eine Beziehung habt.“
„Nicht die beste.“
„Dann ziehe Deine Konsequenzen.“
„Ich werde ihn damit verletzen.“
„Kann sein. Kann nicht sein, vielleicht wartet er nur darauf, dass du den ersten Schritt tust.“
„Du bist mir keine Hilfe.“
„Ich kann nicht. Ich werde aber für Dich da sein. Ob du nun nen Freund hast, oder nicht. Ich verurteile dich für gar nichts, aber ich werde dich auch nicht bequatschen.“
„Eigentlich finde ich das richtig toll. Genauso, wie du mich ins Taxi gesetzt hast. Ich meine, all die Männer, die ich kenne, hätten versucht die Situation auszunutzen. Du aber nicht. Darum gingst du mir auch nicht aus dem Kopf.“
„So wird es immer sein. Das hat was mit Respekt zu tun und damit, dass du es auch willst. Wenn du nicht wirklich dabei bist, macht es mir keinen Spaß. Insofern handle ich egoistisch.“

Sie lachte und sagte, so gefalle ihr Egoismus und dann verabschiedeten wir uns und ich ging zurück ins Meeting. Das haben wir auch farblos zu Ende gebracht, dann gab es das übliche und abends bin ich doch noch rüber zur Akropolis. Man ist ja auch Bildungsbürger.
Donnerstag war Donnerstag. Viele Besuche, noch mehr Diskussionen und abends bin ich mit dem potentiell neuen Partner in einer Strandbar versackt. Diese ist ein richtiger Geheimtipp. War gut, war interessant und ich will, das diese Firma den Zuschlag erhält. Ich werde für sie kämpfen. Im Hotel rief ich die DieP an:
„Hi. Wie gehst es Dir?“
„Nicht gut. Ich habe heute mit ihm Schluss gemacht. Das komische ist, als es raus war, fühlte ich mich gut. Für ihn fühlte ich gar nichts, doch für mich war es eine Befreiung.“
„Dann war es die richtige Entscheidung! Und das Beste ist, du hast es ganz allein gemacht. Warum fühlst du dich nicht gut?“
„Weil ich ihm ein Schritt voraus bin und außerdem habe ich dich.“
„Aber noch nicht ganz. Das muss wachsen.“
„Können wir uns nicht sehen? Wann kommst aus Griechenland zurück?“
„Ich fliege am Freitag. Ich habe sogar einen Stopp in Wien, ca. ne Stunde.“
„Wann?“
„Ich lande in Wien um 16.30 Uhr und es geht um 17.20 weiter. Das ist viel zu kurz.“
„Ja, aber ich würde dich auch für eine Stunde treffen wollen, aber es ist auch zu früh. Ich bin dann noch im Büro.“
„Weißt du was, ich werde morgen versuchen, den Flug umzubuchen. Hat am Sonntag ja auch geklappt.“
„Siehst du, das ist was ich meine. Du machst das einfach so. Keine Diskussionen. Du beschließt und tust und vor allem, ich habe das Gefühl, du tust es nur für mich.“
„Ich tue es für uns. Weil du es möchtest, weil ich es möchte.“
„Du hast in den paar Stunden schon mehr für mich getan, als mein Ex-Freund in den letzten 3 Jahren.“
„Wir haben doch noch gar nicht angefangen.“
„Dann lass ich mich überraschen, was da noch alles wartet.“
„Vielleicht kann ich dir das schon morgen Abend zeigen.“
„Es würde mich freuen.“
„Mich erst.“
Und dann war Freitag und es war nicht leicht, aber ich habe den Flug umbuchen können. Ich landete immer noch um 16.30 Uhr, aber der Weiterflug war erst Samstag um 07.00 Uhr. Soviel Zeit hatten wir noch nie gemeinsam. Wir nutzten sie. Schlaf gab es dabei nicht soviel, aber das war egal. Wir hatten viel Spaß, gutes Essen, gute Drinks, ich war das erste Mal in meinem Leben in einer Daddelhalle, wir tanzten, wir redeten und alles alles fühlte sich einfach gut an, so lebendig. Der Abschied war schlimmer als der letzte, sie sagte, es würde noch schlimmer werden mit der Zeit und ich antwortete, nicht wenn wir es ändern. Sie machte grosse Augen:
„Was meinst du?“
„Ein Job ist ein Job. Ob nun Österreich, Deutschland oder Schweden.“
„Du bist ja verrückt. Geh jetzt!“ und dabei lachte sie und gab mir einen Klapps.
Tja. Dann saß ich wieder im Flieger, 32 Sekunden. Gegen 10.00 Uhr landete ich in Stockholm, war hundemüde und hatte noch ein Mittagessen mit Maria. Das werde ich aber nachbloggen, war nämlich auch gut.


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Montag, 4. September 2006
Knüppelchen
Ein Stöckchen, nach langer und beschwerlicher Reise, von de Frau Lunally dennoch freut es mich, es gefunden zu haben, daher heute hier und im Vertrauen, die wahre Geschichte behind the scene:

Das Weblog hier hiess in seinem Ursprung ja mal Taxistand. Die Idee dahinter war ganz banal und einfach. Es sollte nie ein spezialisierter Blog um Kunst und Trallalla sein, sondern von mir und den Menschen, die ich treffe, handeln. Müll abladen, lustig sein, traurig sein, Kluges von sich geben, Dummes und Provokantes. Das Leben als solches ist doch nichts anderes, als eine lange Reise. Wenn man falsche Abbiegungen nimmt, dann kehrt man vielleicht an seinen Ausgangspunkt bisweilen zurück, es steigen Leute zu, es steigen Leute aus, jeder hat was zu erzählen, oder auch nicht, aber auch das wäre erzählenswert. Die Reise selbst ist auch berichtenswert, all die Unfälle, die Toten und die Verletzten, die Hilfsbereitschaft, nicht zuletzt hier bei de Blogger, die Netten und die Hampelmänner, die Irrungen und Wirrungen, die schlechte Beschilderung und die Möglichkeiten topspeed zu fahren. Alles wichtig, alles interessant für mich. Ich wollte es berichten und ich will es auch von euch wissen.
Und weil es so meine Art ist, ich gern lenke und vor allem Gas gebe, ist doch klar, dass ich der Taxifahrer bin. Und weil Taxifahrer ziemlich uncool klingt, oder glaubt jemand ernsthaft, der Film mit Robert wäre so lässig, wenn er im deutschen Verleih: Taxifahrer! Hieße? Siehste. Cabman ist cool. Klingt lässig, ist männlich und passt. Ich hätte ja auch Taxidriver heißen können, aber dann wäre die Gefahr gegeben gewesen, die Leute würden glauben, ich wäre ein Psycho. Wobei, wenn ich mich an die Abstimmung bei der Frau Bona erinnere….


Ich werfe den Knüppel rüber zum Büffel, der Frau Blüte und zum Mr. Zig, wobei ich von dem schon weiß, wie er zu dem Namen kam. Soll er selbst erzählen….


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Sonntag, 27. August 2006
Wie ich ein Mädchen in Wien traf
Am Freitag letzter Woche fuhr ich mit dem Taxi zum Flughafen. Während dieser ganzen Zeit sprach ich mit Maria. Wir schmiedeten Pläne, sie fragte mich nach meiner Meinung; sie bekam sie zu hören, laut und ungeschminkt.
„Wir sollten darüber reden wenn du wieder hier bist.“ Sagte sie. „Machen wir, ich muss jetzt eh einchecken.“
Und dann rief DieDu an:
„Hi.“
„Hi, ich freu mich, dass du anrufst.“
„Wo bist du?“
„Auf dem Weg nach Wien. Ich lande gegen halb Elf.“
„Ich werde nicht da sein. Ich bin in Karlsruhe.“
„Was? Aber ich dachte wir würden uns treffen.“
„Ich kann dich nicht sehen.“
„Was ist los? Hab ich was verkehrt gemacht?“
„Nee, es bist nicht du. Ich müsste mir dir reden, ich trau mich aber nicht.“
„Na, da gibt es nur drei Möglichkeiten. Erstens du findest mich richtig Scheisse, Zweitens du hast einen anderen, oder Drittens, du bist lesbisch.“
„Eins und Drei definitiv nicht, aber ich habe jemand anderes kennen gelernt. Hör zu, es passierte nach unserem Treffen. Es tut mir leid. Du bist lieb, du siehst gut, du bist witzig und grosszügig. Das hat der andere auch alles, aber er reizt mich etwas mehr.“
„Oh. Na. Da kann mal wohl nichts machen. Man kann ja nicht immer gewinnen, Herzen schon gar nicht.“
„Wie du so etwas immer sagst. Es tut mir wirklich leid. Bist du böse mit mir?“
„Nee, wie könnte ich. Wie gesagt, da kann man nichts machen. Du musst tun was dir am Besten erscheint. Mach Dir keine Sorgen. Es wird keine Auswirkungen haben. Ich kann dir immer noch gerade in die Augen schauen und ich möchte immer noch mit dir reden. Also, ich muss jetzt. Lass es dir gut gehen und wenn du Lust hast, rufst mich einfach an. Ok?“
„Ja ja, ich fühl mich schlecht. Bist Du wirklich nicht böse? Bitte glaub mir, ich mag dich total gerne.“
„Schön zu wissen, aber es reicht ja leider nicht für mehr. Also, ich muss. Mach dir keine Sorgen, alles wird sich lösen.“
Eigentlich musste ich noch gar nicht los, aber ich hatte einfach keine Lust mit ihr zu reden. Ich brauchte Zwei Minuten für mich, dass alles in den Kopf zu schichten. Hab ich auch gemacht und bin apathisch in den Flieger gestiegen, habe aber vorher noch HG angerufen, er solle bitte das Hotel umbuchen. Wofür eine romantische Umgebung, wenn nichts romantisch ist? 28 Sekunden brauchte der Flieger, um abzuheben und Hux Flux war ich in Wien. HG hatte mir gleich neben dem Schwedenplatz ein Hotel besorgt. 2 Minuten Fußweg und man stand mitten drin im Bermudadreieck. Die Nacht war wunderschön, Wien zeigte sich von seiner besten Seite. So viele Menschen, so viele Sprachen, die umher surrten. Ich wollte mich nicht lange aufhalten. Ich wollte unter ihnen sein, wollte die Nacht. Ich checkte ein, lud die Klamotten ab, die Tätzchen waren doch schon längst geschleckt, allerfeinstes Beinkleid, Sakko, das volle Programm eben, um der DieDu zu gefallen. Nun gefiel ich nur mir selbst. Ich packte mir dir Taschen voll Kohle und dann ging ich zu der Bar, in der ich mit DieDu feierte. Keine Ahnung warum. Das erste Corona stürzte ich weg wie nichts, das zweite auch und begann mich zu wundern, warum ich so schnell bedröhnt war. Kurz darüber nachgedacht viel mir auf, ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Gar nichts. Beschleunigt die Sache, dachte ich mir. Nach dem dritten Bier ging es mir gut. Ich wollte nun action. Also mit dem Taxi in den Club. Der war gerammelt voll, die Stimmung war wild, ausgelassen und alle tanzten. Ich tanzte mit und befüllte mich nebenbei. Als ich meine Augen öffnete, denn es ist so meine Art, mit geschlossenen Augen zu tanzen, nur der Bass und ich, da stand ein Mädchen neben mir. Sie grinste mich an und ich proste ihr zu. Wir kommen ins Gespräch und ich finde sie sehr nett. Sie erzählte mir, sie wäre mit ein paar Freundinnen da, die ein wenig Abwechslung brauchten. Ich fragte sie ob sie etwas trinken wolle, sie sagte Wodka und so kam alles ins Rollen. Wir trinken und reden, ich finde sie immer süßer, wir tanzen und es wird immer leidenschaftlicher und dann hält sie plötzlich inne und meinte, ich hörte mich wie ein Piefke an. Sie würde mir nicht glauben, dass ich Schwedisch könne, ich sollte ihr etwas sagen, auf Schwedisch, irgendwas. Ich ratterte die Strophe eines Liebesliedes runter, ihre Augen wurden immer grösser, ihr Grinsen immer breiter, sie kommt mir immer näher, näher und dann nimmt sie sich was sie will und küsst mich. Einfach so. Sie kann das gut, ich fühle mich gut, ich umarme sie, es fühlt sich so gut an. Einfach nur gut. Ich nehme sie an die Hand, sie lässt es sich gefallen, ein gutes Zeichen und wir ziehen uns in den Chill-Out Bereich zurück. Dort gibt es viel zu reden, viel zu lachen, noch mehr zu Knutschen und die Dinge, die sie mit ihren Fingern unter meinem Hemd auf meinem Rücken macht, von denen wusste ich nicht, dass ich sie so vermisst habe. Ich mag sie dafür und sage es ihr, was sie freut.
Irgendwann meinte sie, sie müsse nun gehen. Ich frage, ob ich sie begleiten solle. Ein Stück vielleicht? So gehen wir, sie ist dabei distanziert, abweisend.
„Was ist denn nun los mit dir?“ Will ich wissen.
„Du solltest zurückgehen Ich weiss sowieso nicht, was du an mir findest.“
„Häh? Was soll das denn?“
„Pass auf. Du bist für mich gefährlich. Schau dich an, Du riechst so gut, Du tanzt gut und bist witzig. Ich mag dich, aber ich habe einen Freund. Verstehst Du? Also geh zurück. Du kannst da jedes Mädchen haben und ich bekomme keine Probleme.“
„Oh. Das fällt dir aber ein bisschen früh ein. Na, wenn schon. Wir hatten eine gute Zeit, oder? So soll es bleiben und ich werde dich jetzt auch nicht bequatschen. Du musst wissen was du willst.“
„Ich will nach Hause.“
„Ok,. Ich ruf dir ein Taxi. Wo wohnst Du?“
„Im Siebten.“
So torkelte ich auf die Strasse und hielt ein Taxi an. Ich rief nach ihr, aber sie kam nicht. Der Taxifahrer grummelt etwas und ich rufe noch mal, aber sie kommt noch immer nicht. Und dann fährt das Taxi weg.
„Was machst du da?“
„Ich will nicht von Dir weg.“
„Also du solltest dich schon entscheiden.“
„Ich weiss, aber ich kann nicht.“
Tja. Da nahm ich ihrer Hand, ging mit ihr zur Strasse und hielt ein anderes Taxi an. In das hab ich sie reingestopft, fragte den Fahrer wieviel es kosten würde, er sagt so 15 Euro, ich gebe sie ihm und höre das Mädel hinten sagen, dass ich spinne und sie kann das Taxi selbst zahlen und dann war ich auch schon allein. Der Rest des Abends ist wie weggeblasen und am Samstag bin ich dann so gegen 18 Uhr aufgestanden. Ich war wohl sehr müde.


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Noch en Sonntach
Mein Kopf ist mülliger Brei. Gedankenmaden durchwühlen ihn. Tausend Sachen fliegen umher, keine kann ich festhalten.
Nachher fliege ich nach Wien. Eine junge Frau hat es sich gewünscht, mich zu sehen, mit mir die Nacht zu verbringen. Was soll ich tun, ich bin ein Kater, ich will es auch, ich mag diese Frau sehr. Sie nimmt sich was sie will, so etwas gefällt mir und dann gebe ich auch gern. Da fiel es mir leicht, die Stunden auszurechnen, die wir haben würden, da fiel es noch leichter, Inger zu beten, den Flug umzubuchen. Ich habe ihr dafür eine Schachtel Pralinen mitgebracht, denn kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Morgen dann werde ich in Athen hochwichtige Leute aus dem Außenhandelsministerium treffen. Ich bin gut vorbereitet, saß gestern lange im Büro. Anspannung gibt es keine, es ist kein Shootout, na ja, vielleicht ein kleines. Den Rest der Woche werde ich dann in Griechenland verbringen. Der Brei wird mit mir sein und wahrscheinlich solange, bis alles sein Ende gefunden hat. Ich mach mir nichts vor. Alles hat ein Ende, Liebe, Schmerz, das Leben. Bis dahin machen wir aber unverdrossen weiter, denn wie Clueso so richtig sang:

Trotz all der Hektik und dem Stress, es wird nicht besser wenn man’s lässt.


Die junge Frau aus Wien fragte mich, ob das was geschähe, vielleicht Schicksal sei. Ich antwortete ihr, Schicksal gäbe es nicht. Es wird Schicksal, wenn man sich damit abfindet, ansonsten liegt es uns, die Dinge zu bewegen. Sie gibt mir Recht und einen Kuss. Ich versinke in ihm, in der Situation und fühle mich frei. Sie ist leidenschaftlich, fraulich, fordert alles, ich gebe es und stelle damit die Weichen in eine andere Richtung. Schicksal gibt es nicht. Entscheidungen, die wir treffen, sind, wenn man so will, unser Schicksal und somit bestimmen wir selbst. Wir sind was wir aus uns machen. Machen wir nichts, ist es vielleicht risikofrei, aber auch langweilig. Die junge Frau fährt offlimit und ich steige gerne bei ihr ein. Steuer Du für eine Weile, ich bleib hier und schau dir zu. Mach was dir gefällt, ich mach mit. Diese eine Nacht bin ich dein Passagier, was morgen ist kümmert mich heute wenig, denn ich brauch dich heute als Pilot, heute will ich nichts bestimmen, heute will ich nur aus dem Fenster das Leben beschauen. Sie tut was sie tut und wir rasen durch die Nacht, sie hat einen Freund, eigentlich, er ist ihr nicht genug, genügt nicht ihren Ansprüchen. Sie entschuldigt sich bei mir dafür. Hör auf deine innere Stimme, sag ich. Du machst es mir zu leicht, sagt sie. Nein, sag ich, du machst es dir zu schwer. Triff deine Entscheidung, schmiede dein Schicksal, ich werfe dir nichts vor, wie könnte ich. Und dann wird es einer dieser Nächte, die viel zu schnell zu Ende gehen. Und deswegen, weil sie Pilot sein kann, weil sie nimmt, weil sie gibt und weil sie so unheimlich süß ist, will ich heute mit ihr sein. Wie ich sie kennen lernte, schreib ich nachher.


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