Donnerstag, 30. August 2007
head in dust



Dann fährt sie da weg, die Püppie. Ihr Lachen hängt noch nach, die Worte wie Fetzen im Ohr, ihr Duft im Kragen und der Wunsch, dass dies mal endet, steter Abschied, an diesem Bahnhof, der uns so vertraut ist, windet sich durch die Eingeweide.
Mit ihr fahren die eben gesprochenen Träume, machen Platz für die andere Welt und einen Schluck Melancholie, der sich dort drüben in die Wandelhalle ergießt.
Menschen kommen und gehen, am Gleis 11 fährt ein der ICE aus Kopenhagen und das Handy bimmelt sich zu Tode während ich warte, in dieser Welt, die eine andere ist, auf die Frau, die sich Business Analyst nennt. Ich denke an eine toughe, eine straighte Person, vielleicht mit den Insignien der Business People ausgestattet, kostümiert. Doch wer kommt?
Ein kleines Persönchen mit Ballerinas, Jeans und Stoffbeutel. Sie ist viel zu aufgeregt, jung ist sie und frisch von der Uni. Ich bin erschrocken, kann im ersten Moment gar nichts sagen, bin ich schon so alt, oder ist sie so gut?
Wie gehen zu ihrem Hotel und dabei erzählt sie mir, dass dieses ihr erstes großes Projekt ist. Sie will alles gut machen, versteh ich, würde ich auch wollen, denn all the high potentials finden sich nächste Woche in Hamburg ein und ich soll dabei sein. Ich habe keine Ahnung warum, es ist nicht mein Kunde, nicht mein Land und dennoch.
Ich habe ihr etwas vorbereitet, sie freut sich darüber, denn so hat sie keine Arbeit mehr, ist ja schon alles fertig, sagte sie erstaunt.
Hm, denk ich mir, bin gedanklich ganz woanders, bei dieser Idee, die mich gefangen hält, eigentlich sind es zwei Ideen, nein drei und ich sehe die Gefahr, die Opi immer beschrieb: Wer zu viele Eisen im Feuer hat, dem verglühen welche. Right, grandpa.
Die kleine Person in diesem komischen Mädchenlook gewinnt meinen Respekt und ich beschließe, ihr noch mehr zu helfen. Sie ist so völlig Feuer und Flamme, macht sich Gedanken, ist engagiert und so dankbar für jede Hilfe, dass ich gar nicht anders kann. Könnten Sie?
Ich sehe in ihr diese Begeisterung, Enthusiasmus, die wohl jeden Rookie erfasst, wenn er sein erstes Projekt eigenverantwortlich durchführt. Ich werde sie unterstützen.
Meine Begeisterung ist irgendwo seit dem Kick off im Juli und der ersten Woche nach meinem Urlaub abhanden gekommen. Zu groß die internen Widerstände, zu hoch die Forderungen bei jetzigen Voraussetzungen, zu wenig die Bereitschaft im nachgeordneten Bereich mitzuziehen. Wie laufen uns tot, spielen mit unserem Namen, persönlich auch, und mit dem Vertrauen unserer Kunden. Die Wenigsten denken die Situation konsequent und bis zum bitteren Ende durch. Ich tue es und zwei andere auch, wir wissen, dass es nicht rosig aussieht, jetzt und in naher Zukunft auch nicht. Dies ist freilich nicht naturgegeben, wir könnten gegensteuern, es gelänge uns, davon bin ich überzeugt, aber nur mit vereinten Kräften. Manche wissen dies nicht. Und dann regnet es eben im Kopf.
Andere Gedanken gewinnen Oberhand, Wünsche brechen wie Sonnenlicht durch die Wolkendecke und die Gedanken driften ab, Konzentration ade, ich weiß was ich kann und habe Vertrauen in Püppie und Mr. Zig. Wir könnten was bewegen, aber trauen wir uns? Ich würde, Leben heißt springen, am besten für dich selber!
Die kleine Dänin schleppt mich in ein Lokal in Hamburg, dass ich bisher nicht kannte. Ein Blick in die Karte verriet mir auch warum. Dort kann man ein zerknirschtes Vermögen loswerden, die Preise sind fast obszön und dennoch, selbst an einem Nachmittag wie heute, ist der Laden gut besucht. Sie fragt mich was ich davon halte. Hübsch, sag ich, sehr stylish, fancy, but very expensive. Und was sagte sie da? Geld wäre hier kein Problem, nicht in diesem Fall, das läuft außerhalb des Budgets. Aha, denke ich mir. Die Welt ist grausam und ungerecht. Wir werden hier also nächste Woche den Monatslohn eines Arbeiters am Band verfressen, was soll ich dazu sagen? Manchmal kann man dazu nichts sagen, schämen bliebe noch, aber wofür? Weil ich mich weigerte alles als gegeben hinzunehmen und lieber in dieser Liga spielen will? Im Leben nicht und dennoch stellt sich mir die Frage nach Gerechtigkeit. Oft. Auch hier. Ich kann mich über solche Dinge zuweilen ärgern.
Matze ärgert sich auch. Er ist einer von den beiden, die denken können. Bei ihm kommt erschwerend hinzu, dass seine Beziehung leidet. All das hat ihn bewogen, einen Strich zu ziehen. Wahrscheinlich ist er ab Januar nicht mehr da. Ich riet ihm dazu, er ist nicht nur mein Chef, sondern eben auch ein langjähriger Freund und dem wünscht man nur das Beste. Seiner hübschen und netten Frau, die sich so gut mit Püppie versteht, auch. Matze + Frau haben es nicht verdient, sich aufzureiben.
Vorhin rief der Headhunter an. Nicht unerwartet, meldete er sich doch schon am Montag und fragte nach einem „ruhigen Moment“. Der war heute. Ehrlich gesagt war ich etwas verwundert ob der Schnelligkeit. Ich bin erst seit März wieder da und weiter verwunderte mich, dass die alles, aber auch wirklich alles über meinen Werdegang wussten.
„Wir haben unsere Möglichkeiten“, sagte die Stimme am Telefon und „Sie sind kein unbeschriebenes Blatt…“ Ich dachte zuerst an Matze, aber der versicherte mir, dass es nicht war.
Denke ich darüber nach, ist es wohl so, dass man heute alle Informationen bekommen kann. Wirtschaft heißt Krieg, Generäle leben im geheizten Bunker, und verheizen dabei ihre Soldaten. Ergo muss es auch Spione geben. Wir haben auch ne Abteilung, die sich nur mit dem Beschaffen von Infos beschäftigen. Ein Anruf und man bekommt ein komplettes Dossier über die Mitbewerber, sogar mit Ansprechpartner.
„Wie sieht es aus Herr Cabman, wir suchen einen erfahrenen Spezialisten für schwierige Fälle, haben Sie Interesse?“
„Eventuell, es gäbe noch ein paar Parameter abzuklopfen…“
„Wollen wir uns mal treffen?“
„Sollten wir sogar.“
„Ach so, eines wäre noch, Sie sprechen doch Englisch?“
„Nö.“
„Oh, das ist aber wichtig für den Job.“
„Lesen Sie ihre Unterlagen noch mal, dann erübrigt sich diese Frage, eigentlich.“
„Oh, mein Fehler.“
Mhm, denk ich mir, wie schön wäre es wohl, die eine oder andere Idee umzusetzen? Weit weg von all dem hier? Es fängt immer im Kopf an, vorstellen, durchdenken, machen. Vorstellen habe ich abgehakt, fang ich jetzt mal mit dem Durchdenken an…




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Dienstag, 28. August 2007
Immer dasselbe,...
ich will Bassmann sein:



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Samstag, 25. August 2007
Diese Hamburger Nächte
So, habe ich mir gestern einen Gig dieser netten Jungs angeschaut:




Die sind tatsächlich nett, rocken dir richtig in die Fresse. Von zerrendem Bass und einer unerbittlichen Bassdrum getrieben, faucht die Leadgitarre und alles zusammen knallt erst in den Kopf und dann in die Füße. Kein Wunder also, dass die Stimmung ausgelassen war, die Leute auf ihre Kosten kamen und das alles für 3Euro, auch das Bier.

Shabbybeauté - mein Morgen

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Obiges Lied spielten sie auch, doch ich fand die englischen Stücke ansprechender, schauen Sie hier, klicken auf „What we got“, stellen Sie sich das ganze 40-50 bpm schneller vor und glauben Sie mir: Live ist das überhaupt was ganz anderes.
Und wenn Sie wissen wollen, wie eine Hamburger Nacht sein kann, besonders wenn Ihre Püppie weit weg ist -> unbedingt Hamburger Nächte klicken - traf gestern mitten ins Herz und ist für mich jetzt schon ein Knaller, nur für mich….und die Jungs sind tatsächlich nett.

Nett ist auch Petra, oder sollte ich besser schreiben Schwester Petra, denn das ist ihr Beruf. Petra ist sogar ausgesprochen nett, lustig und von einem überwältigenden offenen Wesen. Ich bedanke mich bei ihr und ihrem Freund Frank für die gestrige Adoption aufgrund meiner Einsamkeit und für diesen wirklich gelungenen Abend, des weiteren möchte noch kurz verkünden, dass du, liebe Petra, die einzige Person bist, die jemals die Adresse des Cove erhielt und das nächste Mal, wirst du mich nicht zu einem solchen Absturz verleiten, denn dann ist die Püppie dabei.
Generell kann ich wohl sagen, dass ich einen Heidenspaß an solchen Wochenendaktivitäten habe und sie auch suche. Kein Wunder, hängt man in der Woche doch meist in der anderen Realität fest, der auch spannenden, aber irgendwie nicht ganz so lustreichen, wenn Sie verstehen was ich meine. Letzte Woche war ich u.a. in der Schweiz und möchte dazu folgendes Bild zeigen:


Was fällt darauf auf? Jut, ich hätte es fotografieren können bevor ich alles leergefressen hatte, aber glauben Sie mir, wenn Ihr Tag um 05.30 anfängt, dann haben Sie auch um 08.00 Uhr Hunger. Deswegen….
Mir fällt darauf auf, neulich auch schon, habe ich dann aber vergessen, dass dort Messer und Gabel liegen. Nun, ich will hier keine Terrortipps geben, folglich tue ich es auch nicht, aber sind das nicht diese Gegenstände, die wir auf gar keinen Fall im Handgepäck haben dürfen? Ist es nicht diese Art von Gegenständen, die, so auch am Dienstag, zu herzzerreißenden Szenen führen, wenn die Oma ihre Nagelfeile nicht mitnehmen darf? Oh doch, sagt der erfahrene Flugzeugnutzer in mir, nein, schreit er, wie aufgeregtes Kind in der Grundschule: Ich weiß es, Ich weiß es: Diese Gegenstände sind pfui, achten Sie auf ihr Handgepäck und lassen Sie es nicht unbeaufsichtigt stehen und – mind the gap!
Mit diesen Dingen ließen sich nämlich aufs Prächtigste Augäpfel tranchieren, oder Leberperforationen durchführen, jut, dauert wahrscheinlich ein bisschen und macht ne Riesensauerei, was schade wäre, gerade bei den schönen Polstersitzen, aber wir hätten Zeit, dauert ja ewig, diese Fliegerei. Hab ich nun was missverstanden? Erst so ein Riesenbrimborium beim Einchecken und dann das?
Definitiv missverständlich und verwirrt war ich, als ich in Basel einen Kaffee bestellte. Generell gilt: Kaffee in der Schweiz zu bestellen ist einfacher als in Österreich. Dort kann man eben nicht mal nen hanseatischen Pott Kaffee ordern, sondern sieht sich genötigt, einen “verlängerten Braunen“ nachzufragen. Da haben Sie auch schon mein Problem, denn bei diesen Worten bricht ein Assoziationssturm ungekannten Ausmaßes los. Ich warte meist darauf, dass der Kellner nachfragt und ich gequält zustimmend mit dem Kopf nicken kann.
In Basel war ich nur verwirrt, weil ich glaubte, das nette blonde Mädchen hieße tatsächlich “Schnucki“.


Welch schöner Name, dachte ich mir und wie enttäuscht war ich, zu sehen, dass sie „nur“ Schmucki hieß. Trotzdem, ne nette Person, oderrr. Dies ist übrigens keine rhetorische Frage, sondern mein Geschenk an die Blogger. Ein astreines, selbstgepflücktes schweizerisches oderr mit ganzen 3R. Selten das, in unseren Breiten, oder? Das war jetzt rhetorisch.
Sollte mich irgendwer mal aufklären können, wann dieses oderr zum Einsatz kommt, welche grammatikalische Regel dahinter steht – ich wäre sehr dankbar, dies zu erfahren, oderrr.
Im Grunde könnte ich noch tausend andere Sachen hier reinschreiben, denn ohne Fernseher und mit zwei Augen lebt es sich sehr beobachtend, aber ich lasse schnell ein Bild sprechen:

Aufgenommen bei Österreichs Number 1. Wir sehen, gewisse Dinge im Rahmen der Verhandlungsstrategie haben Gültigkeit, denn wir sitzen nicht nur am Verhandlungstisch, sondern wie und wo wir sitzen, signalisiert und manipuliert unsere Machtposition. Das ist reinste Psychologie, wer es nicht glaubt, hat es noch nicht erlebt. Ansonsten bietet es viel Trost, zu wissen, dass 95% der so genannten Managementliteratur zu Pappmachéfiguren verarbeitet werden können, dies auch gern ruhigen Gewissens und mit dem schönen Gefühl, dass ausgebrannte Manager dann im Rahmen ihrer Rekonvalsenz vom Burnout etwas zum Bemalen haben.
In diesem Sinne, habts euch gewohl, ich hole jetze Püppie und dann machen wir Burnout-Verhütung


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