... newer stories
Dienstag, 10. Oktober 2006
Zum Abschied winke ich mit einem kleinen Fetzen
bufflon, 13:11h
1
Orangeroter Sonnenuntergang, bellende und jaulende Hunde auf den Straßen, die von Männern in rasenden Pick-Ups gejagt werden, lautes Hupen, vierundzwanzig Stunden lang, warme, weiche Farben und jeden Morgen der Ruf zum Morgengebet, Stille, absolute Stille, unterbrochen vom leisen Säuseln des Windes, Sand, Sand bis hinter den Horizont, ein Strand ohne Meer in sengender Hitze, der letzte Blick aus dem Fenster des startenden Flugzeugs. Abschied.
2
Abschied, immer wieder verabschiedet man sich, merkt nur langsam, wie man sich entfernt, verlässt gewohnte Orte, den Spielplatz vor der Tür, den geheimen Ort, an dem man sich mit dem besten Freund versteckte, abends trafen sie sich immer vor dem Fenster, hörten Musik, rauchten, lachten, tranken, küssten, irgendwann wirst du auch dort stehen, dachte ich. Dann nahm ich Abschied.
3
Wir waren Kinder und wussten nicht, was wir miteinander anfangen sollten, küssten uns unbeholfen, schauten uns verunsichert an, redeten selten, alles war ein Spiel und als sie ging, tat es im ersten Moment nicht einmal weh, später, in der Nacht, in dunkler Einsamkeit, verfluchte ich unsere Dummheit, versank im Selbstmitleid, erahnend, dass dieser Abschied nicht der letzte dieser Art sein und das andere, schmerzvollere folgen sollten.
4
Abschied. Ein ständiges Kommen und Gehen und zum Abschied hier noch ein Bild aus der Gegend, in der nachts alle Hunde orange sind.

Demnächst hier wieder der Cabman.
Orangeroter Sonnenuntergang, bellende und jaulende Hunde auf den Straßen, die von Männern in rasenden Pick-Ups gejagt werden, lautes Hupen, vierundzwanzig Stunden lang, warme, weiche Farben und jeden Morgen der Ruf zum Morgengebet, Stille, absolute Stille, unterbrochen vom leisen Säuseln des Windes, Sand, Sand bis hinter den Horizont, ein Strand ohne Meer in sengender Hitze, der letzte Blick aus dem Fenster des startenden Flugzeugs. Abschied.
2
Abschied, immer wieder verabschiedet man sich, merkt nur langsam, wie man sich entfernt, verlässt gewohnte Orte, den Spielplatz vor der Tür, den geheimen Ort, an dem man sich mit dem besten Freund versteckte, abends trafen sie sich immer vor dem Fenster, hörten Musik, rauchten, lachten, tranken, küssten, irgendwann wirst du auch dort stehen, dachte ich. Dann nahm ich Abschied.
3
Wir waren Kinder und wussten nicht, was wir miteinander anfangen sollten, küssten uns unbeholfen, schauten uns verunsichert an, redeten selten, alles war ein Spiel und als sie ging, tat es im ersten Moment nicht einmal weh, später, in der Nacht, in dunkler Einsamkeit, verfluchte ich unsere Dummheit, versank im Selbstmitleid, erahnend, dass dieser Abschied nicht der letzte dieser Art sein und das andere, schmerzvollere folgen sollten.
4
Abschied. Ein ständiges Kommen und Gehen und zum Abschied hier noch ein Bild aus der Gegend, in der nachts alle Hunde orange sind.

Demnächst hier wieder der Cabman.

... link (3 Kommentare) ... comment
Sonntag, 8. Oktober 2006
Der Elch mit der Kalaschnikow
bufflon, 16:21h
oder
Wie komm ich nur raus, aus der Geschichte.
[Wer den vorherigen Text nicht gelesen hat, dürfte hier etwas verwirrt werden. So wie ich.]
Ich öffnete die Tür und versuchte, in dem dunklen Gang etwas zu erkennen. Dort hinten bewegte sich etwas, doch ich konnte es kaum erkennen. Es musste etwas großes sein, denn man spürte bei jedem Schritt, den dieses Etwas langsam und gemächlich tat, ein leises Zittern auf dem alten Holzboden und es kam näher und näher und näher. Im Schein der Lampe, die in dem Raum, in dem wir Zuflucht gefunden hatten, brannte, erkannte ich etwas zotteliges, pferdeähnliches mit einer Art Geweih auf dem Kopf. War das etwa ein Elch?
Das dunkle, leicht zottelige Etwas blieb vor mir stehen. Na klar, das ist ein Elch, dachte ich mir, und betrachtete ihn ein wenig genauer: Eigentlich war es ein ganz normaler Elch, der den Elchtest sicherlich locker überstehen würde, das Geweih war riesig, das Fell sah gut gepflegt aus und auf dem Rücken, ja, auf dem Rücken trug er eine Kalaschnikow. Was sollte denn das nun wieder? Er schaute mich an, brummte ein wenig und sagte dann:
"Komische Sache, das, oder? Ich meine, du kommst nach Schweden, verläufst dich im Wald, findest diese komische Hütte und am Ende triffst du mich, den Elch mit der Kalaschnikow. Komisch, äußerst komisch."
"Ja, du hast Recht, alles komisch. Vor allen Dingen du, denn welcher normal Mensch würde denn tatsächlich glauben, dass es Elche gibt, die akzentfrei Deutsch sprechen, überhaupt sprechen und dann auch noch diese Bewaffnung. Jeder weiß doch, dass Elche Paarhufer sind und somit gar keine Finger haben,mit denen sie den Abzug bedienen könnten."
"Das ist interessant, über diesen Aspekt habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich dachte, bei euch Menschen genügt es zur Abschreckung, wenn man eine Waffe mit sich herumträgt, auch wenn man sie nie bedienen könnte."
"Du meinst, sie dient lediglich zur Abschreckung? Nein, effektiver wäre wohl derzeit ein Turban und ein Bart und vielleicht ein paar markige Sprüche aus dem Koran, so etwas erschreckt sogar sonst hartgesottene Verteiger der Freiheit, die Kalaschnikow allein tut es da nicht mehr."
"Papperlerpapp. Was soll eigentlich diese Unterhaltung? Willst du hinauszögern, was sowieso unumgänglich ist?"
Worauf wollte er hinaus? Wollte er mit uns kurzen Prozess machen, hier, mitten im düsteren und einsamen Wald, in dem niemand unsere Hilferufe hören könnte, hier, mitten im düsteren und einsamen Wald, in dem man wunderbar unsere Leichen verscharren könnte?
"Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst? Was soll denn unumgänglich sein?"
"Jetzt tu doch nicht so. Ich gebe dir mal ein paar Stichwörter: Cabman, Schweden, Kinder, Navi, See, düsteres Haus in dem zufälligerweise ein Powerbook steht, das auch noch zufälligerweise über einen Highspeedinternetanschluss verfügt und am Ende ein Elch, der sprechen kann und eine Kalaschnikow auf dem Rücken trägt? Na, fällt der Groschen, Herr Literat?"
"Also, ich verbitte mir diese Bezeichnung, klar? Ich bin Blogger, also eher Blogerat. Im Blogbusiness läuft alles ein wenig hecktischer ab, Beiträge erscheinen, Beiträge verschwinden, andere können kommentieren, dass hat mit Literaten, wenn man sie denn so bezeichnen möchte, fast nix zu tun. Das ist anders, experimenteller und unprofessioneller."
"Du lenkst schon wieder ab. Deine Geschichte da, die mit dir, mir und den Kindern, die ist doch so authentisch, wie meine Frau nen rosa Tanga hat."
"Das stell ich mir interessant vor, die Sache mit dem Tanga. Was soll das überhaupt hier? Ich meine, stellst du dein eigenes Sein in Frage?"
"Ja, das tue ich, aber nur aus reinem Gerechtigkeitssinn und Lust an der Ästhetik, denn erstens solltest du doch den armen Lesern vom Cabman nicht so einen Unfug hier auftischen und am Ende vielleicht noch echte Angst einjagen und zweitens gefällt mir die Geschichte nicht, denn sie ist unausgegoren."
"Ich lerne, Herr Elch, ich lerne. Und irgendwann gefallen mir die Geschichten auch selber, aber bis dahin muss ich experimentieren und schauen, wie es sich anfühlt. Und was soll überhaupt die Sache mit dem Unsinn? Ist es nicht so, dass hier gelesen wird, weil es Spaß macht, egal ob es real oder nicht ist? Bloggen ist doch mehr, als nur aufzuschreiben, wie der Tag heute war oder der morgige vielleicht sein wird oder ob Mirco Payment und Manuel Trackback gerade wieder etwas über die schöne Welt ZwoNull erzählen. So sehe ich das, Herr Elch. Leider hast du mir grad die Tour ein wenig vermasselt und eigentlich sollte ich sauer sein, auf dich. Bin ich aber nicht, denn diese kleinen Geschichte, die erst ein wenig "Blairwitch Project" war und nun irgendwie nur noch skuril, könnte ja auch zum Nachdenken anregen, oder? Über Dinge, die wir glauben wollen, die wir glauben können, über Dinge, die wir wissen oder nicht wissen, von uns, von anderen Menschen, über uns. Das ist ja schon fast große Blogosophie und, lieber Herr Elch, da hier Blogger lesen, denen der Verstand zum Glück noch nicht abhanden gekommen ist, könnte ich mir vorstellen, könnte zu einer interessanten Diskussion führen. Mit neuen Erkenntnissen, Meinungen, Ideen. Nur eine Vermutung.
"Ach, das wird nix, der Text ist doch wieder viel zu lang."
Wäre das ein Theaterstück, hätte ich mir an dieser Stelle einen schönen Abgang für den Elch mit der Kalaschnikow ausgedacht. Aber das ist kein Theaterstück, sondern ein Gastbeitrag zu einem der besten Blogs, die ich je gelesen habe (Schleim muss sein), ein Beitrag der sich in eine Richtung entwickelt hat, die ich nicht vorhergesehen oder geplant habe. Ich lehne mich jetzt erst einmal zurück, nehme mir noch einen tiefen Schluck aus der Rotweinpulle aus Cabmans Weinkeller , entwirre meinen Kopf und genieße die Zeit des Mittagsschlafs der Kinder. Jetz sind andere dran.
Wie komm ich nur raus, aus der Geschichte.
[Wer den vorherigen Text nicht gelesen hat, dürfte hier etwas verwirrt werden. So wie ich.]
Ich öffnete die Tür und versuchte, in dem dunklen Gang etwas zu erkennen. Dort hinten bewegte sich etwas, doch ich konnte es kaum erkennen. Es musste etwas großes sein, denn man spürte bei jedem Schritt, den dieses Etwas langsam und gemächlich tat, ein leises Zittern auf dem alten Holzboden und es kam näher und näher und näher. Im Schein der Lampe, die in dem Raum, in dem wir Zuflucht gefunden hatten, brannte, erkannte ich etwas zotteliges, pferdeähnliches mit einer Art Geweih auf dem Kopf. War das etwa ein Elch?
Das dunkle, leicht zottelige Etwas blieb vor mir stehen. Na klar, das ist ein Elch, dachte ich mir, und betrachtete ihn ein wenig genauer: Eigentlich war es ein ganz normaler Elch, der den Elchtest sicherlich locker überstehen würde, das Geweih war riesig, das Fell sah gut gepflegt aus und auf dem Rücken, ja, auf dem Rücken trug er eine Kalaschnikow. Was sollte denn das nun wieder? Er schaute mich an, brummte ein wenig und sagte dann:
"Komische Sache, das, oder? Ich meine, du kommst nach Schweden, verläufst dich im Wald, findest diese komische Hütte und am Ende triffst du mich, den Elch mit der Kalaschnikow. Komisch, äußerst komisch."
"Ja, du hast Recht, alles komisch. Vor allen Dingen du, denn welcher normal Mensch würde denn tatsächlich glauben, dass es Elche gibt, die akzentfrei Deutsch sprechen, überhaupt sprechen und dann auch noch diese Bewaffnung. Jeder weiß doch, dass Elche Paarhufer sind und somit gar keine Finger haben,mit denen sie den Abzug bedienen könnten."
"Das ist interessant, über diesen Aspekt habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich dachte, bei euch Menschen genügt es zur Abschreckung, wenn man eine Waffe mit sich herumträgt, auch wenn man sie nie bedienen könnte."
"Du meinst, sie dient lediglich zur Abschreckung? Nein, effektiver wäre wohl derzeit ein Turban und ein Bart und vielleicht ein paar markige Sprüche aus dem Koran, so etwas erschreckt sogar sonst hartgesottene Verteiger der Freiheit, die Kalaschnikow allein tut es da nicht mehr."
"Papperlerpapp. Was soll eigentlich diese Unterhaltung? Willst du hinauszögern, was sowieso unumgänglich ist?"
Worauf wollte er hinaus? Wollte er mit uns kurzen Prozess machen, hier, mitten im düsteren und einsamen Wald, in dem niemand unsere Hilferufe hören könnte, hier, mitten im düsteren und einsamen Wald, in dem man wunderbar unsere Leichen verscharren könnte?
"Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst? Was soll denn unumgänglich sein?"
"Jetzt tu doch nicht so. Ich gebe dir mal ein paar Stichwörter: Cabman, Schweden, Kinder, Navi, See, düsteres Haus in dem zufälligerweise ein Powerbook steht, das auch noch zufälligerweise über einen Highspeedinternetanschluss verfügt und am Ende ein Elch, der sprechen kann und eine Kalaschnikow auf dem Rücken trägt? Na, fällt der Groschen, Herr Literat?"
"Also, ich verbitte mir diese Bezeichnung, klar? Ich bin Blogger, also eher Blogerat. Im Blogbusiness läuft alles ein wenig hecktischer ab, Beiträge erscheinen, Beiträge verschwinden, andere können kommentieren, dass hat mit Literaten, wenn man sie denn so bezeichnen möchte, fast nix zu tun. Das ist anders, experimenteller und unprofessioneller."
"Du lenkst schon wieder ab. Deine Geschichte da, die mit dir, mir und den Kindern, die ist doch so authentisch, wie meine Frau nen rosa Tanga hat."
"Das stell ich mir interessant vor, die Sache mit dem Tanga. Was soll das überhaupt hier? Ich meine, stellst du dein eigenes Sein in Frage?"
"Ja, das tue ich, aber nur aus reinem Gerechtigkeitssinn und Lust an der Ästhetik, denn erstens solltest du doch den armen Lesern vom Cabman nicht so einen Unfug hier auftischen und am Ende vielleicht noch echte Angst einjagen und zweitens gefällt mir die Geschichte nicht, denn sie ist unausgegoren."
"Ich lerne, Herr Elch, ich lerne. Und irgendwann gefallen mir die Geschichten auch selber, aber bis dahin muss ich experimentieren und schauen, wie es sich anfühlt. Und was soll überhaupt die Sache mit dem Unsinn? Ist es nicht so, dass hier gelesen wird, weil es Spaß macht, egal ob es real oder nicht ist? Bloggen ist doch mehr, als nur aufzuschreiben, wie der Tag heute war oder der morgige vielleicht sein wird oder ob Mirco Payment und Manuel Trackback gerade wieder etwas über die schöne Welt ZwoNull erzählen. So sehe ich das, Herr Elch. Leider hast du mir grad die Tour ein wenig vermasselt und eigentlich sollte ich sauer sein, auf dich. Bin ich aber nicht, denn diese kleinen Geschichte, die erst ein wenig "Blairwitch Project" war und nun irgendwie nur noch skuril, könnte ja auch zum Nachdenken anregen, oder? Über Dinge, die wir glauben wollen, die wir glauben können, über Dinge, die wir wissen oder nicht wissen, von uns, von anderen Menschen, über uns. Das ist ja schon fast große Blogosophie und, lieber Herr Elch, da hier Blogger lesen, denen der Verstand zum Glück noch nicht abhanden gekommen ist, könnte ich mir vorstellen, könnte zu einer interessanten Diskussion führen. Mit neuen Erkenntnissen, Meinungen, Ideen. Nur eine Vermutung.
"Ach, das wird nix, der Text ist doch wieder viel zu lang."
Wäre das ein Theaterstück, hätte ich mir an dieser Stelle einen schönen Abgang für den Elch mit der Kalaschnikow ausgedacht. Aber das ist kein Theaterstück, sondern ein Gastbeitrag zu einem der besten Blogs, die ich je gelesen habe (Schleim muss sein), ein Beitrag der sich in eine Richtung entwickelt hat, die ich nicht vorhergesehen oder geplant habe. Ich lehne mich jetzt erst einmal zurück, nehme mir noch einen tiefen Schluck aus der Rotweinpulle aus Cabmans Weinkeller , entwirre meinen Kopf und genieße die Zeit des Mittagsschlafs der Kinder. Jetz sind andere dran.

... link (7 Kommentare) ... comment
Sonntag, 8. Oktober 2006
Pssst,
bufflon, 01:45h
jemand hier? Es könnte ja sein und dann müsste ich dringend im ruhigste Ruhe bitten, denn schon jeder Klick mit der Maus oder jeder Tastendruck könnte schon zulaut sein. Warum? Ja,das ist insgesamt eine skurile Geschichte und ich weiß nicht recht, ob ich das hier in die Cove tippen soll.
Also gut: Gestern war alles toll. Die Angelsache haben wir verschoben, von Freitag auf Samstag, von gestern auf heute, kann man ja noch so sagen. Von der Cove zum Spielplatz, vom Spielplatz müde in die Cove, alles bestens und irgendwann hatte ich meine Ruhe und ne Flasche Wein aus des Cabmans Weinkeller in der Hand und das dicke Buch, von dem ich letztens noch nicht so überzeugt war, jetzt aber schon.
[Heute alles häppchenweise, auch mal was anderes.]
Samstag früh ein kurzer Schlachtplan, der See da solls sein, stimmts Jungs? Ja, klar, alles im Navi gespeichert, die Sachen gepackt und los. War auch ne ordentliche Strecke und in Schweden kenn ich mich nicht aus, allerdings gibts hier noch Rechtsverkehr, nicht so wie da, wo der Cabman sich grad rumtreibt. Der richtige Parkplatz war bald gefunden, das Auto schnell abgestellt, die Kinder und die Sachen gepackt (Wie, bitte, konnte ich auf diese blöde Angelidee kommen?). Schnell noch einmal das Navi checken, die Verbindung zum GPS stand, alles bestens. Vergesst die Zeiten, in denen es noch Karten und Kompass gab, brauch man alles nicht mehr.
Der Kleine wollte schnell geschultert werden und sang dementsprechend gutgelaunt "Auf den Schultern von meinem Dad, ist es ganz nett...", während der Große sich über den Fußmarsch beschwerte, ich sagte besser nichts. Stattdessen dachten wir uns Geschichten über Ritter, Piraten und Indianer aus und entdeckten einen bei uns zu Haus selten zu erblickenden Quittenbaum, aus den Früchten kann man lecker Gelee machen, übrigens.

Die Beine wurden trotzdem schwer und nur der Blick aufs Navi beruhigte, der See kam näher und näher. Kam er wirklich näher? Nur noch 300 Meter waren beim letzten zuversichtlichen Blick angezeigt, der Blick nach vorhin riet allerdings langsam zu Skepsis, denn da war nur Wald, Wald und auch noch Wald. Wir waren am Ziel, sagte das Navi, nur war da kein See, auch nicht dort oder dort hinten und auch nicht links oder rechts. Mist. Dachte ich es mir doch, die Kinder hätten nicht dran rumspielen sollen, an dem Ding. Nochmal Mist. Und nun? Ich tastete ein wenig rum und rum und irgendwann ging es unwiederbringlich aus. Danke schön, schrie ich laut in den Wald, wohl wissend, dass mich erstens niemand hörte und dieser Schrei zweitens nichts an der Tatsache, dass wir wahrscheinlich in der Wallachei verschollen gegangen sind. Irgendwie lief mir ein leiser Schauer über den Rücken und ich dachte ganz kurz an diesen Film, "Blairwitch Project", doch diesen Gedanken wischte ich ganz schnell weg.

Mit Kindern am Arm konnte ich mir Angstschweiß nicht leisten und darum ging ich mit den beiden forsch in die Richtung, aus der wir höchstwahrscheinlich gekommen waren. Wir liefen und liefen und liefen, allerdings erreichten wir den Parkplatz nicht, wir erreichten nicht einmal ein paar Häuser, nicht mal ein einziges Haus, um uns herum war nur Wald, Wald und immer noch Wald. Die Kinder wurden nicht nur hungrig, sondern auch unruhig und es beruhigte sie wenig, schweigend im Moos mit den liebevoll geschmierten Stullen zu sitzen. Trotzdem liefen wir weiter, denn irgendwo mussten wir hin, bevor die Dunkelheit anbricht und wir einsam in diesem unendlichen Wald übernachten müssten.
Irgendwann schimmerte doch eine Tür zwischen den Bäumen und ich atmete erleichtert auf. Ich klopfte erst leise an der Tür, dann ein wenig beherzter und als nach ein paar Minuten immer noch nichts passierte, drückte ich einfach die Klinke herunter und wir gingen hinein. Und jetzt sitzen wir hier, es gibt eine Küche, einen Raum mit ein paar Betten, auf denen alte Decken, die ein wenig muffig riechen, liegen, es gibt auch Strom und dieses Powerbook hier, auf dem ich diese viel zu lange skurile Geschichte tippen muss, die mir sowieso keiner glauben wird.

Zum Glück schlafen die Kinder, dann kann ich mich noch ein wenig umschauen, vielleicht findet sich ja noch jemand an diesem gottverlassenen Ort. Ich glaube, das schlimmste ist nicht einmal das Gefühl, im nirgendwo verschollen zu sein, viel schlimmer ist diese absolute Dunkelheit da draußen und diese dunkle Stille um das Haus herum. Obwohl, ich glaube, ich höre Schritte, schlurfende Schritte, und ein komisches Schnaufen, mich fröstelt es gerade etwas, ich glaube, ich schau mal besser mal nach.
Also gut: Gestern war alles toll. Die Angelsache haben wir verschoben, von Freitag auf Samstag, von gestern auf heute, kann man ja noch so sagen. Von der Cove zum Spielplatz, vom Spielplatz müde in die Cove, alles bestens und irgendwann hatte ich meine Ruhe und ne Flasche Wein aus des Cabmans Weinkeller in der Hand und das dicke Buch, von dem ich letztens noch nicht so überzeugt war, jetzt aber schon.
[Heute alles häppchenweise, auch mal was anderes.]
Samstag früh ein kurzer Schlachtplan, der See da solls sein, stimmts Jungs? Ja, klar, alles im Navi gespeichert, die Sachen gepackt und los. War auch ne ordentliche Strecke und in Schweden kenn ich mich nicht aus, allerdings gibts hier noch Rechtsverkehr, nicht so wie da, wo der Cabman sich grad rumtreibt. Der richtige Parkplatz war bald gefunden, das Auto schnell abgestellt, die Kinder und die Sachen gepackt (Wie, bitte, konnte ich auf diese blöde Angelidee kommen?). Schnell noch einmal das Navi checken, die Verbindung zum GPS stand, alles bestens. Vergesst die Zeiten, in denen es noch Karten und Kompass gab, brauch man alles nicht mehr.
Der Kleine wollte schnell geschultert werden und sang dementsprechend gutgelaunt "Auf den Schultern von meinem Dad, ist es ganz nett...", während der Große sich über den Fußmarsch beschwerte, ich sagte besser nichts. Stattdessen dachten wir uns Geschichten über Ritter, Piraten und Indianer aus und entdeckten einen bei uns zu Haus selten zu erblickenden Quittenbaum, aus den Früchten kann man lecker Gelee machen, übrigens.

Die Beine wurden trotzdem schwer und nur der Blick aufs Navi beruhigte, der See kam näher und näher. Kam er wirklich näher? Nur noch 300 Meter waren beim letzten zuversichtlichen Blick angezeigt, der Blick nach vorhin riet allerdings langsam zu Skepsis, denn da war nur Wald, Wald und auch noch Wald. Wir waren am Ziel, sagte das Navi, nur war da kein See, auch nicht dort oder dort hinten und auch nicht links oder rechts. Mist. Dachte ich es mir doch, die Kinder hätten nicht dran rumspielen sollen, an dem Ding. Nochmal Mist. Und nun? Ich tastete ein wenig rum und rum und irgendwann ging es unwiederbringlich aus. Danke schön, schrie ich laut in den Wald, wohl wissend, dass mich erstens niemand hörte und dieser Schrei zweitens nichts an der Tatsache, dass wir wahrscheinlich in der Wallachei verschollen gegangen sind. Irgendwie lief mir ein leiser Schauer über den Rücken und ich dachte ganz kurz an diesen Film, "Blairwitch Project", doch diesen Gedanken wischte ich ganz schnell weg.

Mit Kindern am Arm konnte ich mir Angstschweiß nicht leisten und darum ging ich mit den beiden forsch in die Richtung, aus der wir höchstwahrscheinlich gekommen waren. Wir liefen und liefen und liefen, allerdings erreichten wir den Parkplatz nicht, wir erreichten nicht einmal ein paar Häuser, nicht mal ein einziges Haus, um uns herum war nur Wald, Wald und immer noch Wald. Die Kinder wurden nicht nur hungrig, sondern auch unruhig und es beruhigte sie wenig, schweigend im Moos mit den liebevoll geschmierten Stullen zu sitzen. Trotzdem liefen wir weiter, denn irgendwo mussten wir hin, bevor die Dunkelheit anbricht und wir einsam in diesem unendlichen Wald übernachten müssten.
Irgendwann schimmerte doch eine Tür zwischen den Bäumen und ich atmete erleichtert auf. Ich klopfte erst leise an der Tür, dann ein wenig beherzter und als nach ein paar Minuten immer noch nichts passierte, drückte ich einfach die Klinke herunter und wir gingen hinein. Und jetzt sitzen wir hier, es gibt eine Küche, einen Raum mit ein paar Betten, auf denen alte Decken, die ein wenig muffig riechen, liegen, es gibt auch Strom und dieses Powerbook hier, auf dem ich diese viel zu lange skurile Geschichte tippen muss, die mir sowieso keiner glauben wird.

Zum Glück schlafen die Kinder, dann kann ich mich noch ein wenig umschauen, vielleicht findet sich ja noch jemand an diesem gottverlassenen Ort. Ich glaube, das schlimmste ist nicht einmal das Gefühl, im nirgendwo verschollen zu sein, viel schlimmer ist diese absolute Dunkelheit da draußen und diese dunkle Stille um das Haus herum. Obwohl, ich glaube, ich höre Schritte, schlurfende Schritte, und ein komisches Schnaufen, mich fröstelt es gerade etwas, ich glaube, ich schau mal besser mal nach.

... link (12 Kommentare) ... comment
... older stories



