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Montag, 19. Februar 2007
Der Virus Mensch
cabman, 10:51h
Die regelhafte Wiederkehr gefühlte Monotonie ist das, was derzeit mein Lebensrhytmus ist. Im Stakkato der tropfenden Minuten fühlt sie sich zäh an, die Zeit.
Zeit. Zeit ist immer ein Problem. Entweder haben wir ihrer zu viel, oder zu wenig. Man könnte sogar behaupten, Zeit ist die alles beherrschende Macht. Zeit ist es, die uns Glücklichsein lässt, die uns verzweifeln lässt und die uns am Ende umbringt. Glauben Sie nicht? Fragen Sie einen, dessen Krankheitsdiagnose eher betrüblich aussieht. Es spielt keine Rolle, wie alt, wie jung, welche Ursache, feststeht, irgendwann ist die Zeit eines jeden abgelaufen, denn Zeit ist in ihrem Fortgang unerbittlich. Nichts und niemand kann ihr Einhalt gebieten. Wir Menschen wissen das, ist die Zeit doch unserer Erfindung, geprägt durch unser Bewusstsein; wir sind uns unserer Existenz bewusst. Jeder Mensch hat ein Ich. Dieses Ich ist mehr als unsere Körper, denn auch ein Amputierter hat immer noch ein vollständiges Ich-Bewusstsein. Das Ich kann also losgelöst vom Körper betrachtet werden. Es gibt schöne Menschen in hässlichen Körpern und in einem kranken Körper kann eben doch ein sehr gesunder Geist stecken, siehe Stephen Hawking und umgekehrt funktioniert es auch. Ich denke, also bin ich, beinhaltet allerdings nicht diesen Umkehrschluss.
Wenn man diese 2 Faktoren kombiniert, die Gewissheit einer begrenzten körperlichen Existenz und das Wissen, dass unser Geist, dass was uns ausmacht, unabhängig von eben diesen Körper existiert, dann wird auch klar, warum manche Menschen sich schwer tun es zu akzeptieren, dass nach dem Ableben des Körpers der Geist nicht mehr existent sein soll. So etwas Wunderbares wie unser Ich kann nicht einfach verschwinden, kann nicht weg sein, nur weil es den Körper nicht mehr gibt. Und wie immer wenn Menschen ein Bedürfnis haben, kommen findige Marketingstrategen, denn nie ist verkaufen einfacher und leichter, wenn das Produkt gewollt ist. Sie versprechen dieses und jenes, aber auf jeden Fall einen Platz an anderer, um vieles besserer Stelle für das Ich. Es ist eine clevere Idee, denn in mehrer hundert Jahre alter Firmengeschichte gab es nie eine Reklamation, nie eine Auseinandersetzung mit dem Produkthaftungsgesetz; nie musste und wurde der Beweis der Richtigkeit aller Versprechen erbracht. Und weil ihnen die Vorstellung gefällt, dieses wunderbarer Ich zu konservieren, von jetzt bis in alle Ewigkeit, akzeptieren die Menschen die damit verbundene Erpressung, denn eines ist klar, nur wer sich an die Regeln der Firma hält, zu deren AGB einsteigt, bekommt einen Mietvertrag für sein Ich. Jede Religion hat ihren Preis. Man kann sich an dieser Stelle fragen, ob Göttin nicht jedes ihrer Kinder lieben sollte, ihm einen Platz in ihrem Herzen freihalten muss, auch wenn dieses nicht der Wunschvorstellung seiner Schöpferin entspricht? Ich denke schon, denn alles andere wäre emotionale Erpressung. „Lukas, wenn Du nicht sofort ruhig bist, bekommst Du kein Eis.“ Höre ich es im Supermarkt brüllen und auf Erden ebenso. Wollte Lukas überhaupt Eis?
Wenn man es aber ganz genau betrachtet, durchdenkt, dann ist die Menschheit eben nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr Untergang, eine Anomalie im Ökosystem. Killerzelle oder Virus, ein Zufallsprodukt, das den Wirt, die Erde, den es zum Überleben braucht, auf Sicht tötet. Wieder eine Frage der Zeit. Wir sind es, die das System aus dem Takt bringen mit unserem Bewusstsein, mit unserem ICH und der Neigung persönlichen Besitz zu schaffen. Wenn man so will, ist dieses wohl die menschlichste aller Eigenschaften. Die härteste Form ihrer Durchsetzung ist Krieg. Im Krieg geht es doch immer nur um Besitz oder Macht und selbst Macht ist nur eine andere Form von Besitz. Insofern rufe ich den Wollpulliträgern zu: Krieg kann nie unmenschlich sein, es ist die menschlichster aller Tätigkeiten. Selten hat man davon gehört, dass Antilopen und Zebras sich verbündeten, um eine Wasserstelle gegen Löwen zu verteidigen.
Und was mache ich jetzt mit diesen verqueren Gedanken, die sich an einem lausig beleuchteten Sonntagnachmittag durchs Gehirn fressen? Nun, ich könnte mir bewusstwerden, dass meine Zeit begrenzt ist, das es danach nichts geben wird und Höheres schon jetzt und nur von mir erreicht werden kann. Ich befreie mich von der Vorstellung, dass es etwas Besseres nach dem Ableben gibt und sorge dafür, dass wir es jetzt schön haben, ich lebe jetzt und male der Morphine ein Bild, denn das ist die von ihr verordnete Therapie gegen Zu-Viel-Zeit-Winterdepression.:
Zeit. Zeit ist immer ein Problem. Entweder haben wir ihrer zu viel, oder zu wenig. Man könnte sogar behaupten, Zeit ist die alles beherrschende Macht. Zeit ist es, die uns Glücklichsein lässt, die uns verzweifeln lässt und die uns am Ende umbringt. Glauben Sie nicht? Fragen Sie einen, dessen Krankheitsdiagnose eher betrüblich aussieht. Es spielt keine Rolle, wie alt, wie jung, welche Ursache, feststeht, irgendwann ist die Zeit eines jeden abgelaufen, denn Zeit ist in ihrem Fortgang unerbittlich. Nichts und niemand kann ihr Einhalt gebieten. Wir Menschen wissen das, ist die Zeit doch unserer Erfindung, geprägt durch unser Bewusstsein; wir sind uns unserer Existenz bewusst. Jeder Mensch hat ein Ich. Dieses Ich ist mehr als unsere Körper, denn auch ein Amputierter hat immer noch ein vollständiges Ich-Bewusstsein. Das Ich kann also losgelöst vom Körper betrachtet werden. Es gibt schöne Menschen in hässlichen Körpern und in einem kranken Körper kann eben doch ein sehr gesunder Geist stecken, siehe Stephen Hawking und umgekehrt funktioniert es auch. Ich denke, also bin ich, beinhaltet allerdings nicht diesen Umkehrschluss.
Wenn man diese 2 Faktoren kombiniert, die Gewissheit einer begrenzten körperlichen Existenz und das Wissen, dass unser Geist, dass was uns ausmacht, unabhängig von eben diesen Körper existiert, dann wird auch klar, warum manche Menschen sich schwer tun es zu akzeptieren, dass nach dem Ableben des Körpers der Geist nicht mehr existent sein soll. So etwas Wunderbares wie unser Ich kann nicht einfach verschwinden, kann nicht weg sein, nur weil es den Körper nicht mehr gibt. Und wie immer wenn Menschen ein Bedürfnis haben, kommen findige Marketingstrategen, denn nie ist verkaufen einfacher und leichter, wenn das Produkt gewollt ist. Sie versprechen dieses und jenes, aber auf jeden Fall einen Platz an anderer, um vieles besserer Stelle für das Ich. Es ist eine clevere Idee, denn in mehrer hundert Jahre alter Firmengeschichte gab es nie eine Reklamation, nie eine Auseinandersetzung mit dem Produkthaftungsgesetz; nie musste und wurde der Beweis der Richtigkeit aller Versprechen erbracht. Und weil ihnen die Vorstellung gefällt, dieses wunderbarer Ich zu konservieren, von jetzt bis in alle Ewigkeit, akzeptieren die Menschen die damit verbundene Erpressung, denn eines ist klar, nur wer sich an die Regeln der Firma hält, zu deren AGB einsteigt, bekommt einen Mietvertrag für sein Ich. Jede Religion hat ihren Preis. Man kann sich an dieser Stelle fragen, ob Göttin nicht jedes ihrer Kinder lieben sollte, ihm einen Platz in ihrem Herzen freihalten muss, auch wenn dieses nicht der Wunschvorstellung seiner Schöpferin entspricht? Ich denke schon, denn alles andere wäre emotionale Erpressung. „Lukas, wenn Du nicht sofort ruhig bist, bekommst Du kein Eis.“ Höre ich es im Supermarkt brüllen und auf Erden ebenso. Wollte Lukas überhaupt Eis?
Wenn man es aber ganz genau betrachtet, durchdenkt, dann ist die Menschheit eben nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr Untergang, eine Anomalie im Ökosystem. Killerzelle oder Virus, ein Zufallsprodukt, das den Wirt, die Erde, den es zum Überleben braucht, auf Sicht tötet. Wieder eine Frage der Zeit. Wir sind es, die das System aus dem Takt bringen mit unserem Bewusstsein, mit unserem ICH und der Neigung persönlichen Besitz zu schaffen. Wenn man so will, ist dieses wohl die menschlichste aller Eigenschaften. Die härteste Form ihrer Durchsetzung ist Krieg. Im Krieg geht es doch immer nur um Besitz oder Macht und selbst Macht ist nur eine andere Form von Besitz. Insofern rufe ich den Wollpulliträgern zu: Krieg kann nie unmenschlich sein, es ist die menschlichster aller Tätigkeiten. Selten hat man davon gehört, dass Antilopen und Zebras sich verbündeten, um eine Wasserstelle gegen Löwen zu verteidigen.Und was mache ich jetzt mit diesen verqueren Gedanken, die sich an einem lausig beleuchteten Sonntagnachmittag durchs Gehirn fressen? Nun, ich könnte mir bewusstwerden, dass meine Zeit begrenzt ist, das es danach nichts geben wird und Höheres schon jetzt und nur von mir erreicht werden kann. Ich befreie mich von der Vorstellung, dass es etwas Besseres nach dem Ableben gibt und sorge dafür, dass wir es jetzt schön haben, ich lebe jetzt und male der Morphine ein Bild, denn das ist die von ihr verordnete Therapie gegen Zu-Viel-Zeit-Winterdepression.:


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Samstag, 17. Februar 2007
Ich werde mich nicht beklagen,
cabman, 16:11h
aber manchmal ist alles mother fucking bullshit. Go to hell, dirtbag.
Lass es pingen, lass es klingeln
Lass es pingen, lass es klingeln

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Donnerstag, 15. Februar 2007
cabman, 11:09h

Ich lese dieses und es fühlt sich nach einer Versuchung an. Ich denke darüber nach und schau dabei aus meinem Bürofenster, die Versuchung wird ein Versprechen und ich wünsche mir, das mein Haus dann sturmumtobt ist, das Meer aufgepeitscht, mit weißen Gischtkrönchen, ich wünsche mir, das der Sturm am Haus zerrt und mit Pfeifen und Jaulen jede Ritze und Spalte in alten Fenstern und Türen findet. Ich wünsche das dieser Sturm, mein Sturm, alles wegbläst, alles woran es sich nicht zu denken lohnt, Staub aus alten Tagen. Und dann, wenn die Naturgewalt sich vollends erschöpft, mich befreit hat und das Knarren im Gebälk nachlässt, will ich ans Fenster treten und den Mond begrüßen, der sich dort langsam und angestrengt durch aufbrechende Wolkendecke zwängt, Bote einer neuen Zeit. Ich will seinen Widerschein auf beruhigt glatter Meeresoberfläche sehen und mir vorstellen dürfen, dass es das nun war, dass es lange dauern wird, bis ein neuer Sturm am Horizont aufzieht, denn Reinigung ist immer ermüdend, wenn auch wohlduftend.

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