Mittwoch, 14. Februar 2007
Sieben Rosen und zwei Disteln
Das Magazin ist ein recht eigenwilliges Format, hat es auch und schon immer gehabt. Diese Publikation war im Osten so sehr populär wie vergriffen, was nicht nur daran lag, dass es ihn ihr immer ne „Nackte“ gab. Nee, das kann man nicht behaupten, sondern der Inhalt war meinem Vater wichtig, mir natürlich nur das Pin Up.
Ich freue mich darüber, dass es nun so unbeschwerlich erhältlich ist und wann immer ich in Deutschland bin, kauf ich es natürlich, denn es ist, wie geschrieben, sehr handlich und informativ. Und die Nackte gibt es auch noch!
Letzte Woche habe ich die neueste Ausgabe auf dem Flughafen in HH gekauft, ohne den Inhalt zu prüfen, mach ich hier nie und bei dem Titel: “Namen=Schicksal?“, bleibt gar nichts anderes übrig, als es zu kaufen. Ganz durchgelesen habe ich es noch nicht, aber wer schon immer mal wissen wollte, wie gut er namentlich zu seinem Partner passt, der möge hier klicken. Ich habe das für das Fräulein Papaver somniferum und mich gemacht und siehe da, es werden sieben Rosen und zwei Disteln und ich sage ja, genau so!
Happy Valentines Day, Micky Mouse!



Was für ein schönes Paar! Sie sind wirklich wie füreinander geschaffen! Selbst kleine Missstimmungen bringen Sie noch näher. Ihre Interessen harmonieren miteinander und Sie haben meist Lust auf die selben Dinge. Diese ausgeglichene Beziehung sollten Sie gut pflegen!
Versprochen!


... link (8 Kommentare)   ... comment


Wer sorgt hier für Spass?


A.Du
B.Dirk Olbertz
C.andere Blogger


... link (0 Kommentare)   ... comment


Wo sind all die Indianer hin?
Na nun aber. Was steht vor der Tür? Ganz richtig, die GEZ und gleich dahinter der Karneval. Zumindest der in Köln. Gemerkt habe ich diesen, gar wunderlichen, Umstand letzte Woche, als ich in einer Kölner Kneipe war. Dort war alles schön, geschmückt auch, mit Girlanden und so und eine höfliche Nachfrage, ob vielleicht jemand gestorben sei, denn die An- hatten auch etwas Verwesendes an sich, wurde von der hübschen Servierdame verneint.
„Was wollen Sie denn essen?“ fragte sie mich mit kokettem Augenaufschlag.
„Na dieses Gericht hier, welches den Namen ihres Restaurants trägt.“ gab ich sabbernd zurück.
„Das dachte ich mir, sie sehen auch so aus.“
„Wie?“
„Ausgehungert.“
„Wonach?“ grinste ich.
„Essen, natürlich. Wobei…“ und dann machte sie auf dem Absatz kehrt und verschwand.
Das Essen kam, brutzelte vor sich lang hin in einer Pfanne, diese war gusseisern, auch schön, heiß sowieso und die darin befindlichen Medaillons schienen so alt wie die um die Hälse des einen oder anderen Gastes.
„Na, hat’s geschmeckt?“ wuselte die schöne Frau auf mich zu, gerade als ich den letzten Happen in meinen Mund schob.
„Klar, exzellent.“
„Gut. Möchten Sie noch ein Kölsch?“
„Nee. Aber vielleicht einen Kaffee, einen Großen bitte.“
„Wir haben nur Tässchen.“ sagte sie und ich fühlte mich ans FDGB Erholungsheim erinnert, wo immer gerufen wurde: DRAUSSEN NUR KÄNNCHEN! Wer sagt schon Tässchen? Wohl Leute mit einem Horizöntchen, vielleicht…
„Sie haben keine Becherchen?“ wollte ich wissen.
„Leider nein.“ lachte sie.
„Warum nicht?“
„Weil wir nicht bei mir daheim sind.“
„Das ließe sich ändern.“
Und dann grinst se, war wieder weg und der Kaffee kurz darauf da.
Danach saßen ich und meine Bäuerchen im Hotelchen, auf dem Bettchen, unter dem Deckchen, unter dem anderen auch, vor dem Fernseherchen, neben dem Nachtschränkchen, über dem Bödchen, hinter dem Fußendchen und wir alle schauten so ne Karnevalssendung. Ja, ich sach mal so, da wird die Leitkultur schnell zur Leidkultur und ob das nun alles besser ist, als ein Schäfchen über den mit Drogengeldern finanzierten 600 SL zu schächten, lassen wir mal dahingestellt. Sauberer isses aber bestimmt.
Während ich so schaue, achte ich ja viel lieber auf das Publikum, normale Menschen halt, statt mir den Hans und seine Wurst auf der Bühne anzuschauen. Zu schauen gibt es da eh nichts, man muss nur zuhören und das dachte sich die Regie wohl auch, denn immer wieder gab es Einblendungen des amüsierten Publikums - hach Karneval, Heiterkeit durch puren Beschluss - und was viel mir da auf? Es gibt keine Indianer mehr! Alle waren kostümiert und dann gibt es keine Indianer?
Als ich acht Jahr alt war, war es das Größte, zum Kinderfasching zu gehen, zumindest für uns Kinderchen. Mit meinen Freunden habe ich mir stundenlang ausgemalt, wie wir uns als Cowboys verkleiden würden. Ich wollte nur Cowboy sein. Geprägt von John Wayne, Garry Cooper und Western von Gestern ist dieser Wunsch so überraschend nicht, denn richtige Kerlchen, dachte ich, die die gewinnen und den Peacemaker im Holster haben, tragen Hut und keine Federchen. Wie groß war dann die Enttäuschung, als ich als Indianer gehen musste, weil mein Vater meinte, es gehen doch alle als Cowboy. „Sei anders“, sagte er und schwupp hatte ich die Indianerfedern auf em Kopp und das Tomahawk in an der Hose. Ich habe geheult, dass die Schminke verlief und ich wollte nicht zum Fasching, partout nicht. Alle waren viel cooler als ich und ich hatte auch keine Pistole, ich fühlte mich unterlegen mit meinem Plastikhackebeilchen und aus dem Vorabendprogramm wusste ich, dass ich im gespielten Gefecht unterliegen werden würde. Das war schlimm. Schlimmer war aber das Folgejahr, als mein Vater meinte, ich müsse als Hexe gehen. Indianer war schon daneben, aber Hexe?! Ging gar nicht, das Bild dazu habe ich verkehrtherum ins Photoalbumchen geklebt. Seitdem bin ich nur noch ungern zum Fasching gegangen, aber wenn, dann nie als Indianer und schon gar nicht als Hexe!
Ich glaube diese 2 Erlebnisse haben mich traumatisiert und sie zeigen, Eltern haben eine große Verantwortung, auch bei der Wahl der Charaktere ihre Sprösslinge zur Faschingszeit. Es muss wohl vielen in ihrer Kindheit so ergangen sein wie mir, denn das Fehlen von Indianern im Publikum war auffallend und das, wo diese doch die besseren Nordamerikaner sind, könnten die Iraker denken….
Wenn ich dereinst Kinder habe, und das werde ich, dürfen diese es sich aussuchen, was sie darstellen wollen. Und wenn mein Schicksal mir gnädig ist, ich eine Tochter bekommen sollte und diese gern als Pirat oder Prinz gehen will, so soll sie, denn ich bin ja auch emanzipiert.


... link (6 Kommentare)   ... comment


Montag, 12. Februar 2007
Kiss me goodby
Die letzten Tage, ja Wochen, fühlte ich mich schlapp, orientierungslos und daraus resultierend regungslos. Mechanisch-automatisch spulte sich das gleiche Schema ab. Kreativität, Lebenswitz und alles andere hatten sich versteckt und ich hatte keine Kraft danach zu suchen. Wir kennen es wohl alle, das Gefühl, wenn so Unebenheiten einen aus der Kurve tragen, wenn gerade keine geistige Leitplanke da ist, dich auf der Bahn zu halten. Der Bueffel schrieb mir in einer mail: „Höre auf dein Bauchgefühl.“ Doch auch das war weg. Gedanken trieben überall hin, ziellos. Springen oder nicht war die große Frage und nachdem ich es mir wirklich nicht einfach gemacht habe, steht mein Entschluss fest. Ein business case, etwas das rechenbar ist, etwas, dessen Risiken sich minimieren lassen, so etwas kann ich relativ schnell entscheiden. Aber das hier ist kein business, das hier berührt mein Leben und genau da musste ich auch ansetzen: Mein Leben. Ich würde es mit niemand tauschen wollen, es ist meins, selbst erarbeitet und eigentlich ist es genau das, was ich immer wollte, es ist das, was ich kann. Dennoch, oder gerade deshalb, stellt sich aber die Frage, nach dem Mehr, nach etwas Anderem. Diese Frage gab es schon immer, ich kann sogar sagen, sie ist schon immer Antrieb gewesen: Meine erste Freundin hieß Maria. Ein bildhübsches Mädchen, klug, witzig und wohnte leider für einen 15jährigen viel zu weit weg. Halle an der Saale war damals so weit, dass uns niemand eine Chance gab. Aber was man will, muss man sich holen, so war es und so wird es immer sein. Niemand kommt und schenkt dir was und wenn doch, dann freu dich über dieses Geschenk, aber erwarte es nicht. Auf diesem Wege wird man nicht enttäuscht.
Maria und ich schrieben Briefe. Damals ging das noch mit der Post und jedes Mal, wenn so ein zerknittertes Ding ankam, freute ich mich diebisch, war aufgeregt und schloss mich auf dem Klo ein. Irgendwann fuhr ich sie besuchen. Gemeinsam gingen wir in einen Jugendclub, in dem ich mich nicht sehr wohlfühlte, denn meine Tasche war über und über mit Cure-Buttons gespickt, eine Band, die die dort verkehrenden Glatzen nicht mochten. Die Stimmung wurde dann auch etwas aggressiv, so dass Maria mich wegzog und wir gemeinsam zum Hufeisensee gingen. Dort lagen wir am Ufer im Gras, schauten in den sternenklaren Himmel und ich fragte sie, ob sie auch gern wissen wolle, was dahinter liegt, ob sie sich vorstellen könnte, das es ein Paralleluniversum gibt, ob sie mit mir dahin reisen würde. Sie sagte zu allem nein. Sie sagte, diese Vorstellung mache ihr Angst und weil es keine Antwort gibt, macht es sie auch verrückt. Sie wollte nicht darüber nachdenken, lieber knutschen und das haben wir dann auch gemacht. Mich beschäftigen diese Fragen aber noch bis heute. Es muss doch noch was Anderes geben und bist du bereit, danach zu forschen? Ja und immer wieder ja lautet meine Antwort, denn nur wer losgeht, kommt irgendwo an.
Im Augenblick sitze ich hier warm und trocken. Seid letzter Woche ist es hochoffiziell, die Gesamtverantwortung Europa liegt bei mir und außer mehr Arbeit und weniger Zeit, hat sich eigentlich nichts geändert. Ich bin stolz auf mich, ich habe erreicht worauf ich hingearbeitet habe und es stellt sich wie immer die Frage: Und nun? Und nun? Gab es schon, als ich in Schweden ankam, Und nun? Gab es, als die Antike und ich das Haus fertig renoviert hatten, Und nun? Gab es, als das Haus in Stockholm einigermaßen fertig war. Und nun? Wird es wohl immer geben. Und nun? Ich könnte diese Position ausfüllen, sie mit meiner Handschrift versehen und darauf hinarbeiten, dass alles alles gut wird. Was anderes bleibt auch nicht, denn viel höher geht es in dieser Firma nicht. Und nun? Und nun schaue ich auf mein kleines, persönliches Universum und versuche mir vorzustellen, was dahinter liegt. Es muss doch noch was anderes geben?
Letzte Woche wartete ich in München auf den ICE. Es war dieser Tag, der sich so richtig anfühlte. Ich fuhr zum Termin und hatte die Gewissheit, sie abends wieder zu sehen. Ein tolles Gefühl! Wie immer, wenn Zeit übrig ist, ging ich in den Zeitschrifthandel, um mir den neuesten Auswurf journalistischer Einbildung anzusehen und entdeckte dabei ein Magazin, nein, es war nicht nur ein Magazin, es war sogar Magazin des Monats. „Player“ heisst es und es fand sich darin eine Reportage über junge Männer, alle so in meinem Alter, die ihre Jobs weggeworfen hatten, um etwas ganz anderes zu tun. Da ist dieser 33jährige Bahnmanager, der auf die Schauspielschule wechselte, der Tchibo-Produktmanager, der Bankangestellte, alle mitten im Leben, alle erfolgreich und alle unzufrieden.
Ja, ich bin es auch. Nicht grundsätzlich, nicht so rigoros, aber doch ein bisschen. „Midelife crises mit 33?“ fragte ich Morphinchen und sie hatte wieder eine schlaue Antwort parat. Alles richtig, doch mir stellt sich die Frage, wo bleib ich? Mit erschrecken habe ich festgestellt, ich war vor 4 Jahren das letzte Mal im Kino. Das letzte Mal Schwimmen war ich mit Zig, auch so 5 Jahre her. „Du liest erstaunlich viele Bücher.“ sagte Frau Morphine. Stimmt, aber es ist mehr ein durchpflügen der Seiten. Früher war dies anders, heute kann ich mich nicht an Einzelheiten erinnern, so werde ich nie intellektuell.
Und dann düsten wir durch den Schnee. Gott liebt mich nicht, macht nichts, ich kann ihn auch nicht leiden. Termine bestimmen, Termine drücken und ich gebe Gas. Schnee hin, Schnee her, wir haben keine Zeit. Nie haben wir Zeit und das, wo ich so gern welche hätte. Zig hat mir vorletztes Jahr einen Schachcomputer geschenkt. Der hat 72 Level. Bis Ostern hatte ich ihn auf 53, im September auf 63 und seit dem steht er da. Keine Zeit etwas zu tun das mir gefällt. Keine Zeit, sie zu verbringen mit der Person, die mir gefällt. Das alles gefällt mir nicht, ich fühle mich unzulänglich, nicht teilhabend, ich kann nicht mal was Vernünftiges bloggen, selbst wenn du Zeit hättest, bekämst du das nicht hin, mögen spitzfindige Gesellen sagen und ich erinnere meine Maxime: Die Dinge die du willst, musst du dir holen. Wir holt man sich Zeit?

Heut habe ich gekündigt. Ich springe. Ich verlasse mein kleines Universum, um mal zu schauen, was dahinter liegt. Der eine sagt, du bist mutig, der andere sagt, du bist dumm. Ich sage: Ich bin ich, ich werde es immer sein und das alles ist auch nur der Anfang einer Reise. Wo sie hingeht? Das weiß man nie, aber man kann versuchen sich treu zu bleiben und dann bekommt man schon eine Ahnung. Am 28.02.2003 bin ich mit meinen Träumen, Wünschen und Hoffnungen in Schweden angekommen. Nun, knappe 4 Jahre später, kehre ich zurück. Nicht geschlagen, nur erfahrener, mit anderen Wünschen und Hoffnungen und es wird sowieso alles anders kommen, tut es immer.
Der letzte ausschlaggebende Grund für diese Entscheidung war natürlich sie. Sie ist die Schönste, sie hat viel zu geben und sie fordert auch, mit ihr lässt sich gut feiern und von ihr will ich so schnell nicht mehr weichen: Hamburg, die einzige Stadt.
Und nie wieder will ich in Morphines Augen schauen und die Frage, „Wann sehen wir uns wieder?“ mit einem: „Ich weiß es nicht.“ beantworten. Nie wieder! Nie wieder 2. Beziehungsliga!
Dreieinhalb Wochen to go; ich habe meine Kündigungsfrist runtergehandelt, nächste Woche noch kurz nach Irland, Sachen eintüten, dann ist es noch eine Woche bis es heißt:



... link (32 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 7. Februar 2007
Wurstrepublik
Früher waren wir realistisch und haben Probleme an- und besprochen, sie dadurch benannt und vielleicht auch gelöst, heute haben wir political correctness und dadurch überhaupt keine Probleme mehr und die, die wir haben, verstehen wir nicht.
Heute Morgen im Hotel in Berlin, hoch oben im Siebten Stock, mit Blick auf die Stadt, da, wo Sonnenstrahlen meine kleines Näschen umschmeichelten, und leise Klänge mich umspülten, während ich mein Spiegelei-auf-Graubrot-Salamibrötchen-Fruchtjoghurt-Obstsalat-Müsli-Birnenjoghurtdrink-Frühstück zu mir nahm, las ich: Friedrich Merz wirft hin! Gut so, will ich ihm da wohlgesonnen zu rufen, ein Land, welches seine größten Talente nicht erkennt, sie im Parteienklüngel und Positionsgeschacher zerreibt, hat solche auch nicht verdient. Wir anderen freuen uns weiter über die Kapriolen von Ulla Schmidt, die, gelinde gesagt, gefeuert werden sollte. Parteinforscher, Soziologen und andere Randgruppen, die eine Daseinsberechtigung brauchen, sind auch schnell zur Hand mit Erklärungen, warum dieses Scheitern und in dieser Form. Ich sage: Alles Schnicki Schnacki, denn der Grund ist offensichtlich, sozusagen ins Gesicht geschrieben, oder eben nicht, denn Merz fehlt der Bart! Männer, die in Geschichtsbücher wollen, müssen Bart tragen. Den Beweis liefert die Geschichte: Dschingis Khan, Ghandi, Bismarck, Einstein, Stalin, Saddam Hussein, Osama bin Laden, Hitler und eben nicht Helmut Kohl, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch sehr schön und nahezu idealtypisch der Fall Scharping: Einst abgelichtet mit Schröder und Fischer, genannt die Troika für Deutschland! Erst fiel der Bart und dann der Rest von ihm, nie haben wir wieder was von ihm gehört. Auch nicht schade, eigentlich.
Mir als ambitionierten und engagierten jungen Mann zeigen diese Zusammenhänge allerdings, dass ich, wenn ich dereinst meine Partei gründe, die auf den klangvollen Namen NZD hören wird, unbedingt darauf achten muss, mir einen Bart wachsen zu lassen. Vorher sollte ich aber heiraten, danach wird das dann wohl nix mehr, also mit der Hochzeit.
So. In Magdeburg war ich heute auch, nur um mal zu schauen, was so geschäftlich möglich wäre. Wenn man die Bundeslandgrenze passiert, kündet ein buntes Bild vom Eintreffen in Sachsen Anhalt, dem Land der Frühaufsteher! Jut, ich wunderte mich zuerst auch in Schleswig Holstein, dort kündet ein ähnliches vom Land der Horizonte, was nicht wirklich Sinn macht, denn jeder von uns hat ja nur einen, aber die Möglichkeit, diesen mit zwei Augen zu sehen, erlaubt wohl die Bildung der Mehrzahl. Glauben Sie nicht? Machen Sie mal ein Auge zu, es bleibt nur einer, wenn auch eingeschränkter, Horizont. Warum nun aber die Sachschen Anhaltiner, knapp 2,5 Millionen Einwohner, knappe 18% Arbeitslosigkeit und Strukturprobleme so früh aufstehen wollen sollten, wo sie doch eh keine Jobs haben und auch keine nennenswerten Ausflugsgebiete, das ging mir nicht in den Kopf. Ein Blick ins örtliche Einkaufscenter verrät es: Pommes und Wurst essen. Das ist gesellschaftspolitisch wichtig, da integrierend, frei nach dem Motto, wir haben zwar keine Perspektive, dafür aber berlintaugliche Wurst, schon ab 8.00 Uhr morgens! Ich habe dann auch eine bestellt; ich bin irgendwie immer hungrig. Was soll ich sagen, ich habe keine Ahnung, ob die Wurst so gut ist wie in Berlin, da müsste man wohl jemanden fragen, der mal in Berlin eine gegessen hat, vielleicht den Friedrich, aber auf jeden Fall darf man keine Späße machen mit der Wurstverkäuferin. So sagen, man nehme die Currywurst mit Senf, kommt gar nicht gut, denn hier wird mehr geleistet als nur Wurst verkauft, hier wird Sozialpolitik gemacht, oder die Tante hatte nur nen schlechten Tag. Egal, als ich mir die dicken und schlaffen Körper der perspektivlosen, frühaufstehenden Wurstesser ansah, da wusste ich, warum ich gestern im Restaurant für die Kindertafel Berlin gespendet habe: Wir wollen doch nicht wirklich, dass diese unsere Republik zu einer bartlosen Wurstrepublik ohne, wenn vielleicht auch eingeschränkten, Horizont verkommt, oder?


... link (3 Kommentare)   ... comment