Samstag, 24. November 2007
Mitesser und anderes Ungetier


Schön, dass Sie sich dazu entschieden haben, Cabman`s Cove zu besuchen.
Bevor wir nun zu einem neuen Höhenflug hinab in wirre Gedanken starten, möchte ich Sie kurz mit den Sicherheitseinrichtungen des heutigen Eintrages vertraut machen. Im Anschluss folgen die Wasserstandsmeldungen.
Dieser Eintrag verfügt über 4 Notausgänge, die Ihnen jederzeit eine Rückkehr zu erquicklicheren Dingen ermöglichen. Sie sie sind wie folgt gekennzeichnet:


Gelbe, lumineszierende Leitlinien führen Sie allewege und sicher zu einem Ausgang Ihrer Wahl.
Dieser Eintrag wurde durch eine Kooperation zwischen Blogger.de und JR Cabman ermöglicht.
Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen und Interesse und wünschen Ihnen nun einen angenehmen Aufenthalt.

Wasserstandsmeldung:

Wenn Wasser steht und gar nicht fließt, dessen Geruch bald in die Nase schießt.



Achtung!! Bildungsteil!

Früher, also ganz, ganz früher, als Umweltverschmutzung noch durch die Aristokratie personifiziert wurde, da gab es zwar kein Clearasil, wohl aber schon Mitesser.
Man nahm an, dass es sich bei dem ausgedrückten Etwas um Würmer handeln musste, die ihren Wirt abmagern ließen, da sie sich bei jeder Mahlzeit etwas abgriffen. Daher der Name Mitesser und auch die Redewendung, „Da ist der Wurm drin“ wird darauf zurückgeführt.
Spannend, oder?
Das habe ich mir natürlich nicht ausgedacht, sondern aus Süddeutsche Zeitung WISSEN, welche ich mir letzte Woche kaufte, denn ein recht spannendes Thema prangte auf der Titelseite: Bloss nicht erwachsen werden

Nun, dieser Artikel sprach mir aus der Seele, wurde doch darin mein Glaube bestätigt, dass erfolgreich der sein wird, der sich eine gewisse Kindlichkeit bewahrt. Müßig wäre es, all das Geschriebene zu rezitieren, daher nur schnell die Quintessenz:

Das lange Beibehalten kindlicher Züge ist ein Vorteil der Spezies Mensch. Wer jung im Kopf ist, passt sicher besser an.


… und schnelle Anpassung an geänderte Lebensbedingungen, nennt man auch Evolution, ist Garant für Fortbestand.

Die entscheidende Betonung liegt aber auf Kopf, denn auch wenn vierzigjährige Manager mit Cholesterinproblem in Turnschuhen und Armeeparka aufschlagen, sind sie noch lange nicht so offen in ihrem Denken, wie ihre Kleidung es vermuten ließe.
Die andere Variante, nämlich die der 30jährigen-bei-Mutti-Wohner, die ewigen Mitesser, die Kindheitsverlängerer, die beweisen, dass sie vor Veränderungen Angst haben, die sind auch nicht gemeint. Es ist und bleibt eine Sache des Kopfes, wie immer, und es ist definitiv nicht eine Frage der Kleidung:

Seltenes, stimmiges Beispiel eines kindlichen Gemütes, welches durch Kleidung Ausdruck erfährt.


Und nun was Privates.
Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, was man daran erkennt, dass allerorten erzwungene Fröhlichkeit in Form von Weihnachtsfeiern lauert.
Vorhin trank ich eine Tasse Kaffee mit Fröllein J., die vor gar nicht langer Zeit etwas todessehnsüchtig war. Glücklicherweise will sie davon nichts mehr wissen. Sie erzählte mir von ihrer gestrigen Weihnachtsfeier und davon, dass sie massiv von einem Mitglied der Geschäftsleitung angemacht wurde. Sie zeigte sich sehr verwundert darüber, dass ein Mann, Vater von 3 Kindern und ansonsten dem Anschein nach glücklich verheiratet, so unverhohlen anzüglich wurde. Nun, so sagte ich, es ist wohl sehr naheliegend, dass sich unter Alkoholeinfluss seine wahres Ich zeigte. Denn wann immer so etwas passiert, ähnlich einem One Night Stand, will betreffende Person es irgendwo tief in ihrem Innersten. Wäre beschriebene Ehe nun so glücklich, sexuell erfüllt, würde er dieses Risiko wohl nicht eingehen. Wahrscheinlich ist er eher zu bedauern.
Auch traurig, sagte Fröllein J. und gab mir recht, denn nachdem sie den wichtigen Herrn abblitzen ließ, sah sie ihn später in einer Ecke, knutschend mit der Praktikantin.
Tja, wie blöd muss man sein, fragte ich rhetorisch. Welcher Peinlichkeit kann man(n) sich hingeben? Es gilt doch noch immer: Never fuck the company! Schon gar nicht Chef(in) und Angestellte(r).
Jut, ich gebe zu, mir ist es auch einmal passiert, aber ich war Single, ich hatte keine Kinder, es war Messe, niemand hat es mitbekommen und ich wollte die betreffende junge Frau gern als Freundin haben. Diese wollte davon jedoch nichts wissen, sondern nur Sex und sagte mir das auch so im Nachhinein. Gott, was war ich traurig. Ihre größte Sorge galt allerdings dem Umstand, ob ich es jemandem erzählt hätte, der Reputation wegen und so. Natürlich habe ich es niemandem erzählt, außer der Weblogin.
Was Fröllein J. angeht, so war diese etwas schockiert, besonders darüber, dass sie dem Kerl, wie sie ihn heute nannte, fast nachgegeben hätte.
„Jesus“, sagte sie, „ich brauch wirklich wieder einen Freund, ein Jahr ist ne lange Zeit. Aber irgendwie finde ich nicht den Richtigen, nie ist dieses Gefühl da, du weißt schon…“
„Die wahre Liebe kommt sowieso erst wenn unsere Körper alt und verbraucht sind. Bis dahin sind wir Sklaven der Hormone, die es zu bändigen gilt.“
„Wo hast du denn die Erkenntnis her?“
„Das hat mir letzte Woche eine 72 Jahre alte Tante im Rollstuhl auf dem Flughafen erzählt.“
„Und?“
„Es würde zu lange dauern, du musst los. Ich erzähle es Dir beim nächsten Mal.“



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Mittwoch, 21. November 2007
Eine anzügliche Begebenheit zu Castrop Rauxel und etwas Soziales
Tärä!

Eigentlich wollte ich schon längst etwas Betörendes über Castrop Rauxel geschrieben haben.
Ich weiß, dies ist eigentlich ein Widerspruch in sich und doch, so nehme ich wahr, wird viel zu wenig über Castrop Rauxel publiziert. Damit ist jetzt Schluss, und ich lege vor:

Vor Castrop Rauxel sieht es genauso aus… wie dahinter auch und abends ist es beleuchtet. Das war es dann auch schon. Kommen wir nun zu der anzüglichen Begebenheit:

Stehe ich auf der Linksabbiegerspur und warte. Bleibt auf gleicher Höhe neben mir eine junge Frau mit einem Auto stehen, welches wahrscheinlich genauso alt war wie sie und wenn nicht das, hat es mindestens doppelt soviel erlebt, dem Anschein nach.

Sie grinst mich an. Was soll ich sagen? Es entspricht meinem Naturell zurückzugrinsen.
Sie lacht und schüttelt den Kopf. Na, da stell ich mich nicht an und lache zurück.
Sie bedeutet mir das Fenster zu öffnen. Klar. Mach ich. Dafür hat man die Fensterheber ja. Dafür, und um im unwahrscheinlichen Fall eins Druckabfalls diese zu öffnen, um für Druckausgleich zu sorgen, oder so.
Sie findet mich nett. Finde ich auch.
Sie lacht und fragt ob wir nen Kaffee trinken wollen. Nee. Ich bin nämlich auf dem Weg zum Termin und außerdem, genau das.
Ich wunderte mich aber trotzdem. Macht man das heute so?

Da dies wohl niemanden interessiert, schreibe ich was anderes.

War ich gestern und heute in Kopenhagen. Das ist schon die gute Nachricht, weil nun ich wieder in Hamburg weile.
In Kopenhagen gab es ein nettes Meeting. KAM-Meeting, denn wir sind in 16 Ländern tätig. Das bedeutet Koordination und Abgleich, da die Konzentration auf Kundeseite in großen Schritten voranschtreitet. Gern wird es Globalisierung genannt, was bedeutet: Es wird global gesourct. Glauben Sie nicht? Lesen Sie hierzu die Mitteilung, dass Edeka die Kette Plus übernommen hat und denken Sie mal 1 Minute darüber nach, wieviel Handelsketten Sie in Deutschland benennen können. Egal ob Discount oder nicht. Rechnen Sie dieses Ergebnis auf Europa um und Sie bekommen eine Vorstellung dessen, was einem heutzutage das Leben schwer machen kann. Deswegen so ein Meeting, halbjährlich.
Ich werde nun nichts über Ressourcenkriege zwischen den einzelnen KAM schreiben, interessiert sowieso keinen, obwohl ich eigentlich nichts spannender finde, ebenso die Marktentwicklung. Übrigens: Butter- und Mehlpreise sinken wieder, doch erwarten Sie nichts, dann werden Sie nicht enttäuscht …

Schreib ich was über die “social avtivity“.
Zu jedem guten Meeting gehört ein Part namens social aktivity De facto heißt das: An der Bar rumlungern, essen, an der Bar rumlungern und zwar genau in der Reihenfolge. So aber nicht gestern.
Gestern machte ich die Bekanntschaft mit der Holistic Massage.
Sagt Ihnen nichts? Nicht schlimm. Uns ging es auch so.
Zusammen mit den Mitgliedern aus meiner Gruppe betraten wir einen abgedunkelten und modifizierten Konferenzraum des Hotels. Zwischen allerlei Decken und Kissen erwarteten uns dort sieben verhutzelte ältere Tanten in Schluppen und Wollpullis.
Eine ziemliche groteske Situation: 7 Drehstuhldesperados mit Schlips und Anzug treffen auf 7 esoterisch angehauchte Freizeithexen. Toll. Das ist so richtig was für den Sohn meiner Mutter. Doch, ich will ja nicht narrow minded sein und ließ mich ganz und gar auf dieses Experiment ein.
Eine der beschriebenen Tanten wurde mir zugewiesen. Nun, ein Zwerg hätte neben ihr wahrscheinlich riesig gewirkt, sie ging mir gefühlt bis zu den Kniescheiben, doch man war der Auffassung, sie könne gut Englisch. Nur ein Trugschluss mehr, möchte ich meinen.
Also: Sakko aus, Uhr ab, Gürtel weg, Schlips weg, Schuhe aus. Letzteres war ein Erlebnis, besonders Belgien tat sich geruchstechnisch hervor.
Klappe zu, entspannen, Duftkerze riechen und hinlegen! Die hatten etwas leicht Diktatorisches.
Die liebe, gute Баба Яга zuppelt rechtsseitig an mir so rum, zieht an Fingern und Arm, drückt ein bisschen hier, noch viel weniger da, drückt auf der Fußsohle rum (wofür sie meinen vollen Respekt hat) und fragt mich nach 10 Minuten, ob ich in diesem Teil des Körpers eine Veränderung spüre?
Ähm. Honestly? Nö. Ich bin nur furchtbar müde, so vom Rumliegen.
Gut, sagt se da. Machen wir die andere Seite.
10 Minuten später fragte sie mit hoffnungsvoller Miene wieder: And now?
Was soll ich sagen? Sollte ich all ihre Hoffnung enttäuschen? Sollte ich der hässliche Deutsche sein? Ungehobelter Klotz gar? Sollte ich sie unverrichteter Dinge ziehen lassen? Diese kleine bemühte Person? Nein! Man muss den Menschen geben was sie brauchen. Also antwortete ich:

I’ve got a strange feeling, some kind of weightlessness…

Da grinste sie breiter als sie hoch war und meinte: Bei Manchem dauert es ein bisschen länger.
Darin liegt sehr viel Wahrheit.
Ich habe mich dann auch ganz artig bei ihr bedankt und die kleine Broschüre mitgenommen, was sie sehr gefreut hat.

Ich glaube Matze lacht noch immer über meine schamlose Lüge und dieser, unser letzter gemeinsamer Event, wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Meine Traurigkeit ob seines Wegganges wurde mir da erst richtig bewusst.

Egal. Ich fliege morgen nach Amsterdam. Die Nr. 4 in Europa lädt zum “round table“,
eine jährliche Pflichtveranstaltung für handverlesene Lieferanten. Weihnachten steht vor der Tür, Jahresrückbetrachtung und Trallala.
Ich gehe jetzt Sachen packen, Taxi bestellen und morgen früh werde ich in Amsterdam mal anrufen und nachfragen, ob wir eine ganz traditionelle “social avtivity“ haben werden, oder ich Wechselsocken oder ganz anderes Zusatzequipment brauche werden. Denn:

You never know und mancher braucht bestimmt wieder länger. For sure.


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Dienstag, 20. November 2007
Jugendgefährdente Inhalte
Wollte eben die Seite von Herrn Gonzo aufrufen, hier vom Flughafenterminal. Die Mitteilung lautete:

Wegen jugendgefährdenter Inhalte ist die Seite blockiert.

Aha. Mein lieber Gonzo, du solltest das mal prüfen....


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39 Jahre sind viel zu jung
Junger Mann, 39 Jahre jung, folgt lukrativem Jobangebot nach Salzburg.
Werbebranche.
Will in den ersten Wochen nicht unangenehm durch Krankheit auffallen.
Arbeitet trotz schwerer Erkältung.
Bekommt Herzmuskelentzündung.
Bekommt neue Herzklappe.
Bekommt bei dieser OP heftige Medikamente.
Bekommt dadurch Blutgerinsel.
Fällt für 1,5 Wochen ins Koma.
Stirbt.
Alles in weniger als 4 Monaten.

Das macht einen schon nachdenklich, ob immer alles so wichtig ist.
Nächsten Freitag wird er begraben, keine Kinder, keine Frau, auch irgendwie traurig.


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