Donnerstag, 17. August 2006
Ich wollt nur mal Bescheid sagen, dass ich ab sofort James Rupert Cabman heisse.


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Da wir mir gerade nach.
Wenn ich dereinst auf dem Totenbett liege, weil der alte Schnitter noch ein bisschen Zeit braucht, denn er hat ne billige Importsense aus China, sehr reparaturanfällig, also dann werde ich James Jr. die Geheimnisse des Lebens mitgeben.

Nummer eins: Trauben sind eine Wunderfrucht, denn man kann aus ihnen auch Wein machen. Das mit dem Wasser war ein Übersetzungsfehler.

Nummer zwei: Verliebe dich nur in ein Mädchen, welches einen Zopf hat. Wenn sie nämlich den Wunsch nach Veränderung hat, kann sie sich erstmal von dem Trennen.

Nummer drei: Wasser verspricht gibt es gar nicht, denn Wasser spricht nicht.

Nummer vier: Leute die viel reden, sagen nicht unbedingt etwas.

Nummer fünf: Nichtssagende Leute können viel zu sagen haben.

Nummer sechs: Viel versprechende Leute, müssen nicht einen Sprachfehler haben.

Nummer sieben: Menschen die zuhören, verstehen oft nichts.

Nummer acht: Angst ist nur ein Gefühl.

Nummer neun: Allein bist du oft in bester Gesellschaft.

Nummer zehn: Schuhe kann man putzen


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Mittwoch, 16. August 2006
Das dicke Ende
So, weil eine Bitte an mich heran getragen wurde, ich solche Dinge selten abweisen kann und auch sonst immer sehr hilfsbereit bin, heute nun praktische Modetipps runt ums Krawattebinden. Mit freundlichen Grüssen an den Platzwart:




Als aller Erstes: Kauf dir ein ordentliches Hemd. Ruhig auch teurer, denn du wirst dich besser drin fühlen. Kauf auch gleich den ollen Schlips dazu, farblich passend, keine schreienden Farben und nichts mit Mustern, von denen einem schlecht wird.
Ich bin Rechtshänder, daher diese Anleitung auch so lesen, von Links nach Rechts. Alle Knöpfe zu machen, auch wenn die Modefuzzis sagen, man könne den oberen auflassen, bullshit. Qualität ist die Sorgfalt im Detail. Also Knöpfe zu und das dicke Ende auf der linken Seite runterhängen lassen. Weiter geht´s:



Schritt 2: Beide Enden über Kreuz legen (Länge musste ausprobieren), dabei das dicke Ende über das dünne und dann unter dem dünnen Ende durchfädeln. PS Du arbeitest nur mit dem dicken Ende. Das Dünne brauchst du eigentlich nur festhalten und sollte dabei gerade runterhängen.




Schritt 3: Schonmal nicht schlecht. Jetzt holst du das dicke Ende unter dem dünnen wieder auf die Ausgangsseite und fädelst es oben durch wieder ein und nun sollte das wie auf dem Bild aussehen:



Schritt 4: Nun wird es ein bisschen Tricky und unbequem, weswegen dieser Knoten auch nicht so beliebt ist, aber Du schaffst das. Nun musst Du das dicke Ende über den Knoten nach Rechts holen. Dabei sorgfältig sein, weil dieser Schritt das Aussehen bestimmt. Also, das dicke Ende über die vordere Seite des Knotes rüberholen, und dann dahinter, zwischen Hals und Knoten nach oben durchfädeln. Hier zwei Bilder





Schritt 5: So. Nun haste es gleich geschafft. Die Schlaufe, die du gerade gelegt hast, jetzt ein bisschen lockern, weil da muss das dicke Ende noch durch. Halte das aber gut fest, weil dir sonst der ganze Knoten wie Muttis Hefekuchen zusammen fallen kann. Also, ein bisschen lockern, dickes Ende durchfädeln, ein bisschen am dicken Ende ziehen und du wirst merken, der Knoten zieht sich zusammen. Jetzt musste du sehen wie lang das Ding geworden ist und du kannst die Länge nun auch mit dem dünnen Ende justieren, aber VORSICHTIG, denn so lange Du den Knoten nicht festgezogen hast, kann das Ganze noch verrutschen und das sieht dann doof aus. Hier zwei Bilder:




So, wenn de alles richtig gemacht hast, sieht das aus wie da unten. Ein bisschen Üben wird helfen, ich weiss wovon ich hier schreibe:



Noch zwei bis drei Tipps: Die Spitze der Krawatte, ja die unten, endet 2mm über den Gürtel. Gürtel ist Pflicht! Der Knoten ist immer festgzogen im Gespräch. So halbhängende Knoten sind erst ab 22.00 Uhr auf der Weihnachtsfeier erlaubt. Schuhe, darauf achte ich immer bei einem Gesprächpartnern, müssen(!) geputzt sein. Schiefgelatschte Absätze gehen gar nicht. Schwarze Schuhe = Schwarzer Gürtel. Aber das wusstes Du schon.

Sehr gut mein Lieber. Ich hoffe du hast die Anleitung verstanden und nen schicken Knoten hinbekommen. Ich wünsche dir für alle, alle deine Gespräche alles erdenkliche Glück, drück dir Daumen, sage toi, toi, toi, good luck, viel Glück und lucka till!


So. Während der platzwart nun ne Weile beschäftigt ist, erzähle ich nebenbei noch schnell die Geschichte vom heutigen Sockenkauf. Eigentlich wollte ich was über meinen neuen Kollegen Leonard schreiben, den Nachnamen spar ich mir mal, denn Leonard ist Malaie chinesischer Abstammung und ab sofort der Verantwortliche für Asien. Aber ich schreibe lieber was zu Socken.
Am Wochenende habe ich mich vorbereitet, denn morgen fahr ich ins Scho Schonenland, am Freitag fliege ich nach Wien, am Samstag treffe ich HG, am Sonntag ist ein Frühstück mit der Frau Himbeer geplant, am Montag habe ich Shootout mit der DieDu und noch ein anderes, am Dienstag fliege ich nach Hannover und abends dann, endlich, treffe ich die Berlinerbrigade, hoffentlich. Da braucht es Planung und Vorbereitung.
Daher war ich am Sonntag beim Friseur, habe gebadet, Manikür, Pediküre und Nasenhaare schneiden. Das volle Programm, um diensttauglich zu sein. Dann sortierte ich nach dem Bügeln schon mal die Sachen vor und stellte fest: Zu wenige Socken. Oh Schreck, oh Kraus, die Socken sind aus. Und weil Tennissocken nicht gehen, bin ich halt heute los, um neue käuflich zu erwerben, denn so schnell kann ich nun auch nicht stricken.
Also ich heute hin zum Konsumtempel und zwar in den Laden, in dem ich mir neulich die tolle Jacke gekauft habe. Und wen treffe ich da? Genau. Diese wunderschöne Einzelhandelskauffrau, die auch noch so witzig und kommunikativ ist. Die Socken hatte ich dann auch gleich, denn Schwarz ist Schwarz, da gibt es nicht viel zu überlegen und weil ich gerade da war, habe ich mich ein bisschen umgesehen, von wegen In Style Information holen.
Da kommt das Engelchen zu mir und sagt, ich müsse nur fragen, wenn ich etwas Besonderes wolle. Die Vorlage war ja nun viel zu einfach, aber sie hatte den Kater geweckt, denn wenn de DieDu nicht will, der Kater will und durch den Türspalt fällt nur noch spärlich Licht.
Na und was soll ich sagen, ich war in Plauderlaune und fragte dann so ganz unverbindlich:
„Ihr seid ja recht leergekauft. Wann bekommt ihr denn neue Ware?“
„Wieso? Wir haben doch gerade erst welche bekommen. Aber wir bauen um. Vielleicht hast du sie deswegen nicht gesehen?“
„Das kann natürlich sein. Wo habt ihr denn die neuen Sachen?“
„Komm mit ich zeig es Dir.“
Und dann taperte ich ihr hinterher und von hinten sieht die vielleicht erst gut aus.
„Hier ist die neue Kollektion.“
„Aha. Sehr schön. Tolle Jacken. Ach, sach mal, warst das nicht Du, die mir diese blaue Jacke verkauft hat?“ Klar war sie das, wusste ich auch, aber man kann ja mal auf dumm machen, um im Gespräch zu bleiben. Sie überlegt, überlegt und es fällt ihr wieder ein und das Gesicht erhellt sich und sie sagt:
„Ja, genau. Diese mit den Rauten vorne drauf?“
„Genau. Aber irgendwie siehst du heute anders aus. Ich habe dich auch gar nicht gleich erkannt.“ Hah, na Logo habe ich sie gleich erkannt.
„Das liegt wohl daran, dass ich heute meine Brille aufhabe?“ Und da schaut sie mich an, nimmt die Brille ab und zwinkert mir zu.
„Du bist wirklich schön.“ Da war ich selber so ein bisschen erschrocken, sie aber auch und bekommt rote Bäckchen. Was soll ich machen, ist einfach so rausgerutscht. Hat wohl was mit de Hormone zu tun.
„Nee ehrlich, du bist jätte snygg. Und da wird se noch ein bisschen roter und sagt so ganz leise: Danke schön.
Ab hier hat dann der Kater übernommen, denn nun war es schon mal raus, so etwas ist ja unheimlich befreiend und da hat Katerchen auch gleich hinterher gelegt:
„Sag mal, wenn ich Dich zum Essen einladen würde, Söderut (Anmerk. Des Verfassers: Das ist da wo ich mit Björn war, highend-Gegend zum Feiern) was sollte ich dann an haben, diese Jacke oder diesen Pullover.“ Dabei zeigte ich auf die beiden Klamotten die vor mir lagen.
Sie sagte, der rote Pullover würde ja hervorragend zu den Jeans und meinen dunklen Haaren passen. So etwas fände sie gut, sagte se. Ich erklärte ihr, dass ich aber Jackenfan bin. Nickte se verstehend und meinte, die wäre auch nicht schlecht, aber ich wollte ja mit ihr Essen gehen. Hatte se natürlich Recht.
„Dann müsste ich also Beides kaufen, um dir zu gefallen und mir?“
„Du könntest es ja erstmal anprobieren.“ Schmunzelte sie mich an. Und die kann vielleicht süß schmunzeln.
Na, da lass ich mich ja nicht bitten und leg da nen Strip im Laden hin, schön drauf achtend, dass der wohlmodellierte und sonnengebräunte Bauch gut zu sehen ist und sie feixt sich die ganze Zeit eins. Was soll ich sagen, die Kombination sah wirklich sehr gut aus; da war ich selber über mein Spiegelbild erschrocken.
„Und? Was meinst Du?“ Frage ich sie.
„Ja, kannste gleich anlassen.“
„Wir sollten vielleicht vorher klären, wo wir hingehen?“ Nur nicht das Ziel aus den Augen verlieren.
„Zum Lunch also?“
„Nee, wenn dann natürlich zum Dinner. Heute abend?“
Tja und da kuckt se ein bisschen komisch und meint, ihr Freund würde das wohl nicht so gut finden.
Oh, denk ich mir, ein dickes Ende. Antwortete aber :"Das glaube ich wohl auch. Schade. Aber ich kann ja immer hier vorbei kommen und was kaufen und du berätst mich dann?“
Da freute sie sich, wohl weil ich nicht abweisend war, oder was weiß ich, ist mir ehrlich gesagt auch egal, denn ich habe sie und unseren kleinen Flirt sehr genossen.
„Das wäre natürlich toll!“ grinste se.
„Das kann ich mir vorstellen. Aber ihr seid so teuer hier, dass ich mir das nur einmal im Monat leisten kann. Legst Du den Pullover zurück?“
„Aber gerne! Hauptsache du kommst ihn auch holen.“ Und sie grinst extrabreit, zweideutig und schon wieder über beide Ohren.
So. Hab ich also noch ne Jacke, aber diesmal auch paar Socken.
Ich weiß jetzt auch, dass es mir fehlt, das weibliche Geschlecht in meiner, dieser beschriebenen Nähe. Ich werde darum am Freitag und auch am Samstag in Wien feiern bis der Arzt kommt. Ob nun mit DieDu, oder ohne, der Kater will das so und auf den muss ich auch hören, denn sonst wird er traurig und nichts wäre schlimmer, als wenn er mich verlassen würde.


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Montag, 14. August 2006
Mal nicht einfach alles fallen lassen
Ich rauche hin und wieder, ich kaue Kaugummi hin und wieder, ich habe einen Hund, der produziert biologischen Abfall und dann bin ich auch noch hochbegabt, denn ich finde Mülleimer.
Das muss ein Geschenk Gottes oder wem auch immer sein, denn schaue ich mich auf den Strassen um, so liegt dort der Beweis, dass es nicht viele Menschen mit dieser Gabe zu geben scheint. Nun wäre ich nicht der James the incredible Cabman, würde ich nicht sofort eine Möglichkeit darin sehen, mich endlich meines Söldnerdaseins im Dienste des imperialistischen Großkapitals zu befreien. Einem feinsinnigen Freigeist wie mir ist manchmal danach. Ich mach mich jetzt selbständig. Jawoll!
Mein Businessplan ist so einfach wie genial. Ich brauche nur sehr wenig Anschubkapital, bin eine reguläre Ich AG mit nur einem Shareholder und rechne mir eine Amortisierung innerhalb der ersten sechs Monate. Ich werde Müllführer!
Armen Menschen, die weniger begabt sind als ich es bin, stelle ich meine Dienste gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung. Man, aber auch Frau, wird mich an meiner totschicken und leuchtendroten Weste erkennen. Man wird mich in den Fußgängerzonen dieser Welt finden und fragen mich arme Gestalten, einsam und verstört, wo denn bitte der nächste Mülleimer ist, dann bin ich im Dienst. Ich werfe sofort und ohne Umschweife meine orange Rundumleuchte an, die ich mir einem Einweckgummi auf den Kopf befestigt habe, damit alle Leute gleich erkennen und staunend raunen: „Sieh mal, der Müllführer ist wieder unterwegs.“ Und sie würden sagen: „Ein glücklicher Tag für die Menschheit, der Müllführer ist da.“ Und weil ohne Werbung gar nichts geht, habe ich auch schon einen Slogan, einen Claim und auch ein Jingle: „Wo ein Führer ist, ist meist auch Müll.“
Ich halte das für ein lupenreines Start up, denn in diesen Zeiten ist Unternehmertum gefragt, von nichts kommt nichts, ausser Müll, ihn zu beseitigen wäre meine heilige Pflicht, den Kampf, den ich täglich aufnehme und ich sehe schon die Schreiben von besorgten Vätern von noch besorgteren Städten, drüben im Osten, die da schreiben: Müllführer, wir brauchen Lebensraum, hier im Osten und neben Kacke haben wir noch mehr braunen Müll. Kannst du den entsorgen?
Und ich würde eilen und Hilfe brauchen, denn so viele Mülleimer gibt es gar nicht, wie braune Scheisse. Wer kommt mit? Ihr bekommt auch alle ne Weste:




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