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Donnerstag, 9. August 2007
Warten auf den Bus
cabman, 23:52h
Und dann, zur Stunde als der Morgen mit wirschen Strichen Grau und auch Silber im Osten ins Blau der Nacht vermischte, verließen wir ihn, den Olymp ewiger Jugend.
Wir fanden uns wieder, auf der anderen Seite der Schnellstraße, die Demarkationslinie zwischen urbanen Treiben und ländlicher Idylle. Uns gegenüber, der bedrohliche Schatten der Stadt, Silhouette des gar garstigen Molochs, der so viele Träume und Hoffnungen fraß, sich gar davon zu ernähren schien. So viele Kinder besorgter Eltern, die sich mit nichts weiter als ihrem Enthusiasmus und der Naivität der Jugend hier in ihre Chance und gleichwohl oft auch in ihr Unglück stürzten, doch zu Beginn wussten sie davon nichts.
Sie saß neben mir auf der Bank, wartete wie ich auf den Bus, auf das klärende Gespräch, doch ich konnte nicht. Lauernd, gefüllt mit berstender Ungeduld, wollte ich es von ihr hören, wollte Worte wie Peitschhiebe, wollte darunter zergehen und in nimmer endendes Leid verfallen, nur, nur um nicht schuld zu sein. Um mich nicht fragen zu müssen, ob ich hätte etwas retten können, oder wollen. Ich beanspruchte, dass sie es war, die dieser unserer Beziehung ein Ende bereitete. Doch sie tat es nicht, noch nicht.
“Ich glaube wir müssen reden“, sprach ich in die Dunkelheit.
„Wenn du meinst.“
Dabei hatte sie dieses Lächeln, es waren nur ihre Augen. Der Mund blieb ganz regungslos, doch diese Augen, die lachten mich an. Früher war dies unwiderstehlich für mich, heute glich es einer Provokation.
„Du findest das lustig?“
„Wieso?“, antwortete sie ungehalten und das Lächeln verschwand.
„Interessiert dich denn nicht, was ich zu sagen habe?“
„Ich denke, ich weiß es schon.“
„Und das wäre?“ Hoffnung keimte in mir auf, Hoffnung, dass sie jetzt damit rausrücken würde, sagte, dass dies alles kein Sinn hat und ich somit frei war, auch von Schuld.
„Du möchtest mit mir ein ernstes Gespräch führen. Du bist wahrscheinlich unzufrieden mit unserer Beziehung, unserem Sexleben, mit deinem Job und am meisten haderst du wohl damit, dass du von dem was du alles wolltest nicht mal mehr als die Hälfte geschafft hast, oder?“
„So in etwa. Eigentlich bin ich mit mir zufrieden. Ich…“, weiter kam ich nicht, denn sie fiel mir ins Wort.
„Eigentlich ist aber nicht genug, mein Lieber“, schrie sie fast. „ Nach eigentlich kommt immer ein ABER, verstehst du? Und dieses ABER ist es, dass uns in diese Situation manövrierte, dass dich belastet und damit auch mich. Ganz ehrlich? Ich fühle mich bei dir nicht mehr wohl. Deine ewige scheiß Übellaunigkeit geht mir gehörig auf den Keks. Wärest du doch wie früher. Was glaubst du wie anregend es ist, mit dir ins Bett zu gehen? Glaubst ich habe Spaß dabei? Du kotzt mich nur noch an. Finde zu dir selbst, ich kann dir dabei nicht helfen, denn alle meine Versuche legtest du mir als Bevormundung aus, da hab ich keinen Bock mehr drauf.“
Sie war ehrlich, hatte recht und ich hatte bekommen was ich wollte, doch ich wollte es nicht so.
Der Bus kam. Ich hoffte, wenn wir im Bus wären, würde sie nicht mehr schreien können, es sich in diesen ruhigen Minuten noch mal überlegen, bitte anders ausdrücken, doch statt dessen sagte sie:
„Ich komm nicht mit. Ich fahr mit Tom und schlaf auch bei ihm. Er wartet am Starlight auf mich. Mach´s gut, ruf mich an wenn du weißt was du willst.“
Und dann ging sie. Einfach so.
Ich bleib noch eine Weile sitzen, Nieselregen setzte ein und vermischte sich mit meinen Tränen. Das war gut, denn so konnte keiner der vorbeigehenden Nachtschwärmer, teils bekannt, sehen wie ich weinte.
Ich weigerte mich zu glauben, dass ich nun doch Schuld trüge, wollte nicht akzeptieren, dass ich uns dahin trieb, wo wir nun standen. Ich bin nicht SCHULD, rief die zitterige Stimme im Kopf, es ist diese Drecksstadt, die alle kaputt macht, nicht ich! Nur eine Lüge mehr.
Wir fanden uns wieder, auf der anderen Seite der Schnellstraße, die Demarkationslinie zwischen urbanen Treiben und ländlicher Idylle. Uns gegenüber, der bedrohliche Schatten der Stadt, Silhouette des gar garstigen Molochs, der so viele Träume und Hoffnungen fraß, sich gar davon zu ernähren schien. So viele Kinder besorgter Eltern, die sich mit nichts weiter als ihrem Enthusiasmus und der Naivität der Jugend hier in ihre Chance und gleichwohl oft auch in ihr Unglück stürzten, doch zu Beginn wussten sie davon nichts.
Sie saß neben mir auf der Bank, wartete wie ich auf den Bus, auf das klärende Gespräch, doch ich konnte nicht. Lauernd, gefüllt mit berstender Ungeduld, wollte ich es von ihr hören, wollte Worte wie Peitschhiebe, wollte darunter zergehen und in nimmer endendes Leid verfallen, nur, nur um nicht schuld zu sein. Um mich nicht fragen zu müssen, ob ich hätte etwas retten können, oder wollen. Ich beanspruchte, dass sie es war, die dieser unserer Beziehung ein Ende bereitete. Doch sie tat es nicht, noch nicht.
“Ich glaube wir müssen reden“, sprach ich in die Dunkelheit.
„Wenn du meinst.“
Dabei hatte sie dieses Lächeln, es waren nur ihre Augen. Der Mund blieb ganz regungslos, doch diese Augen, die lachten mich an. Früher war dies unwiderstehlich für mich, heute glich es einer Provokation.
„Du findest das lustig?“
„Wieso?“, antwortete sie ungehalten und das Lächeln verschwand.
„Interessiert dich denn nicht, was ich zu sagen habe?“
„Ich denke, ich weiß es schon.“
„Und das wäre?“ Hoffnung keimte in mir auf, Hoffnung, dass sie jetzt damit rausrücken würde, sagte, dass dies alles kein Sinn hat und ich somit frei war, auch von Schuld.
„Du möchtest mit mir ein ernstes Gespräch führen. Du bist wahrscheinlich unzufrieden mit unserer Beziehung, unserem Sexleben, mit deinem Job und am meisten haderst du wohl damit, dass du von dem was du alles wolltest nicht mal mehr als die Hälfte geschafft hast, oder?“
„So in etwa. Eigentlich bin ich mit mir zufrieden. Ich…“, weiter kam ich nicht, denn sie fiel mir ins Wort.
„Eigentlich ist aber nicht genug, mein Lieber“, schrie sie fast. „ Nach eigentlich kommt immer ein ABER, verstehst du? Und dieses ABER ist es, dass uns in diese Situation manövrierte, dass dich belastet und damit auch mich. Ganz ehrlich? Ich fühle mich bei dir nicht mehr wohl. Deine ewige scheiß Übellaunigkeit geht mir gehörig auf den Keks. Wärest du doch wie früher. Was glaubst du wie anregend es ist, mit dir ins Bett zu gehen? Glaubst ich habe Spaß dabei? Du kotzt mich nur noch an. Finde zu dir selbst, ich kann dir dabei nicht helfen, denn alle meine Versuche legtest du mir als Bevormundung aus, da hab ich keinen Bock mehr drauf.“
Sie war ehrlich, hatte recht und ich hatte bekommen was ich wollte, doch ich wollte es nicht so.
Der Bus kam. Ich hoffte, wenn wir im Bus wären, würde sie nicht mehr schreien können, es sich in diesen ruhigen Minuten noch mal überlegen, bitte anders ausdrücken, doch statt dessen sagte sie:
„Ich komm nicht mit. Ich fahr mit Tom und schlaf auch bei ihm. Er wartet am Starlight auf mich. Mach´s gut, ruf mich an wenn du weißt was du willst.“
Und dann ging sie. Einfach so.
Ich bleib noch eine Weile sitzen, Nieselregen setzte ein und vermischte sich mit meinen Tränen. Das war gut, denn so konnte keiner der vorbeigehenden Nachtschwärmer, teils bekannt, sehen wie ich weinte.
Ich weigerte mich zu glauben, dass ich nun doch Schuld trüge, wollte nicht akzeptieren, dass ich uns dahin trieb, wo wir nun standen. Ich bin nicht SCHULD, rief die zitterige Stimme im Kopf, es ist diese Drecksstadt, die alle kaputt macht, nicht ich! Nur eine Lüge mehr.

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Mittwoch, 8. August 2007
hallo verschollener,
c17h19no3, 20:03h
jetzt bin langsam ernsthaft in sorge! was verdammt ist passiert?
liebe bloggers, falls jemand den cabman in den vergangenen 24 stunden virtuell oder live gesehen habe, der möge mir bescheid geben.
ENTWARNUNG: das private überfallskommando fand den cabman gestern abend lebend in seiner wohnung.
liebe bloggers, falls jemand den cabman in den vergangenen 24 stunden virtuell oder live gesehen habe, der möge mir bescheid geben.
ENTWARNUNG: das private überfallskommando fand den cabman gestern abend lebend in seiner wohnung.

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Dienstag, 7. August 2007
cabman, 00:43h
Seit ich mit dieser Sportgeschichte angefangen habe, sehe ich ja nun immer auf einem Blick und sofort, ob ich Post habe. Eine aufrechte Haltung ist mir zuteil geworden, die das obligatorische Holen des Höckerchens zwecks Briefkastenentleerung erübrigt. Vorbei die Zeit, wo ich tief gebeugt durchs Leben lief und fragte: „Gab’s Post?“
Mir ist bewusst, dass ich da eher als Ausnahmeerscheinung gelten muss - nicht jeder Sportsmann nennt aufrechte Haltung und Grandeur sein eigen, so gesehen bei diesen Radfahrern.
Dennoch bin ich weit davon entfernt, vor und werfen zu kombinieren, denn in den schlammigen Wassern des Profisportes trübt sich zuerst der Blick und dann das Bewusstsein, das für Schuld auch. Zu einfach, Fahrer und Teams anzuklagen, zu tiefschichtig die Mechanik, die dahinter steht. Der Profisport ist kommerzialisiert, damit korrumpiert und kompromittiert, wie es euch gefällt und wer meint, er wüsste nichts davon, lebt wahrscheinlich 160km nordöstlich von Wladiwostok. Egal.
Eine andere, recht betrübliche Änderung fand mit meinem hochprivaten Rückensport Eingang in mein Leben und auch in meinen bescheidenen Haushalt: Der Muff.
Tatsächlich ist es so, dass mein seigneuriallementer, mitteleuropäischer Wohlstandsleib zum Schwitzen neigt. Besonders bei sportlicher Betätigung. Das ist nicht schlimm, nur lästig.
Neulich dann, etwas verwirrt, kam ich in den Raum, der anderswo zum Kochen genutzt wird und fand erst, dass es muffig roch und dann den Grund dafür: die vergessene Sporttasche. An dieser Stelle bitte ich Sie, sich kurz festzuhalten, denn wir machen nun einen Schlenker, wenn nicht sogar ne ganze Pirouette, hin zum Turnbeutel. Im Rahmen des von jedem anständigen Bloggers heißgeliebten: Wir geben auch Altem eine Chance, ersetzen wir hux flux Sporttasche mit Turnbeutel. Der stank zwar auch irgendwann, wenn man ihn samt Inhalt vor den “großen“ Ferien unters Bett katapultierte, eignete sich aber vortrefflich, seinen Gegnern um die Ohren zu hauen, wenn man sich um den besten Sitzplatz im Bus schlug. Das war die gute alte Zeit, als es unter uns Beutelträgern noch fair zuging, Jahreszeiten noch hielten, was sie versprachen und Mutti sich um die Schmutzwäsche kümmerte.
Und nun, zur Erholung und Erbauung, sportliches Bildmaterial aus einer Zeit, wo man sich mit einer Butterstulle dopen konnte und Turnbeutel sicherlich en vogue waren:




Mir ist bewusst, dass ich da eher als Ausnahmeerscheinung gelten muss - nicht jeder Sportsmann nennt aufrechte Haltung und Grandeur sein eigen, so gesehen bei diesen Radfahrern.
Dennoch bin ich weit davon entfernt, vor und werfen zu kombinieren, denn in den schlammigen Wassern des Profisportes trübt sich zuerst der Blick und dann das Bewusstsein, das für Schuld auch. Zu einfach, Fahrer und Teams anzuklagen, zu tiefschichtig die Mechanik, die dahinter steht. Der Profisport ist kommerzialisiert, damit korrumpiert und kompromittiert, wie es euch gefällt und wer meint, er wüsste nichts davon, lebt wahrscheinlich 160km nordöstlich von Wladiwostok. Egal.
Eine andere, recht betrübliche Änderung fand mit meinem hochprivaten Rückensport Eingang in mein Leben und auch in meinen bescheidenen Haushalt: Der Muff.
Tatsächlich ist es so, dass mein seigneuriallementer, mitteleuropäischer Wohlstandsleib zum Schwitzen neigt. Besonders bei sportlicher Betätigung. Das ist nicht schlimm, nur lästig.
Neulich dann, etwas verwirrt, kam ich in den Raum, der anderswo zum Kochen genutzt wird und fand erst, dass es muffig roch und dann den Grund dafür: die vergessene Sporttasche. An dieser Stelle bitte ich Sie, sich kurz festzuhalten, denn wir machen nun einen Schlenker, wenn nicht sogar ne ganze Pirouette, hin zum Turnbeutel. Im Rahmen des von jedem anständigen Bloggers heißgeliebten: Wir geben auch Altem eine Chance, ersetzen wir hux flux Sporttasche mit Turnbeutel. Der stank zwar auch irgendwann, wenn man ihn samt Inhalt vor den “großen“ Ferien unters Bett katapultierte, eignete sich aber vortrefflich, seinen Gegnern um die Ohren zu hauen, wenn man sich um den besten Sitzplatz im Bus schlug. Das war die gute alte Zeit, als es unter uns Beutelträgern noch fair zuging, Jahreszeiten noch hielten, was sie versprachen und Mutti sich um die Schmutzwäsche kümmerte.
Und nun, zur Erholung und Erbauung, sportliches Bildmaterial aus einer Zeit, wo man sich mit einer Butterstulle dopen konnte und Turnbeutel sicherlich en vogue waren:




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Heute morgen
cabman, 12:40h
Als ich vorhin erwachte, Neider meines Urlaubes mögen nun lachen, [es soll euch im Halse stecken bleiben], als ich nun so erwachte, beschlich mich kurzweilig das Gefühl, ein Igel oder ähnliches Getier hätte sich in meinem Haupthaar eingenistet.
Unabwegig ist dies angesichts meiner Haarpracht nicht, fürderhin, weil es bekömmlich ist und auch ein liebliches Antlitz verleiht, pflege ich meine Nächte dazu bei offenem Fenster zu verbringen. Schnell hätte sich da so ein kleiner Racker hinein-schleichen und -wickeln können.
Es waren dann doch nur normale Kopfschmerzen, aber zum Friseur, nee Hairdresser, fahr ich nun doch, oder doch lieber zum Haarstylisten?
Unabwegig ist dies angesichts meiner Haarpracht nicht, fürderhin, weil es bekömmlich ist und auch ein liebliches Antlitz verleiht, pflege ich meine Nächte dazu bei offenem Fenster zu verbringen. Schnell hätte sich da so ein kleiner Racker hinein-schleichen und -wickeln können.
Es waren dann doch nur normale Kopfschmerzen, aber zum Friseur, nee Hairdresser, fahr ich nun doch, oder doch lieber zum Haarstylisten?

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