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Montag, 13. August 2007
An Tagen...
...wie diesen, könnte ich einfach nur heulen. Zeig mir den Weg ins Dunkel, wo ich bleiben will.


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To Wish Impossible Things
Früher, in meiner Mansarde, über den Dächern der Stadt, schaute ich gern in den Nachthimmel. Ich mochte dieses dunkle Blau, und wenn wir Winter hatten, der Mond voll und alles so hell war, konnte man am Rauch der Schornsteine sehen, aus welcher Richtung der Wind kam. Ich saß gerne da am Fenster, auch im Sommer, wenn der Signalton der vorbeifahrenden Bahn in weiter Ferne gedämpft herüberwehte, wenn sehnsüchtig ich war und mir vorstellte, wo die Fahrt der dort Reisenden hingeht. Die Welt war damals noch groß, zu groß für einen kleinen Jungen.
Ich liebte dieses Zimmer und ich erinnere genau den Geruch, als mein Vater es endlich fertigstellte. Alles roch sauber, neu, unverbraucht. Ich wollte nichts anfassen, es nicht entweihen, nichts unordentlich machen.
Das Zimmer selbst war klein, ich hatte so ein Klappbett, damit man tagsüber Platz hatte, doch ich brauchte ihn nie. Ich lag lieber auf meinem Bett und las, tauchte ein in diese anderen Welten. Gajus und die Gladiatoren, Die Abenteuer des Werner Holm, Das Dschungelbuch - Wegbegleiter meiner Kindheit.
Es gab einen Kleiderschrank, einen Schreibtisch und ein Buchregal. Die Wände waren weiß bis auf eine Stelle, da hing ein Poster von Johnny Cash. Ich mochte dieses eine Lied von ihm über alles, es heißt Ring of fire und ich entdeckte es an dem Tag, als mein Vater diese Stereoanlage kaufte.
Ich weiß noch, dass jede Menge Streit dem Kauf vorausging. Das Geld muss knapp gewesen sein, denn meine Mutter war dagegen. Doch, wie so oft, setzte sich mein Vater durch und dann stand eines Tages ein funkelndes, futuristisches Ding in der Schrankwand. Ich habe meinen Vater nie wieder so erlebt, aufgeregt, einem Kind gleich, denn es war Stereo, bis dahin unbekannter Hörgenuss, fast Luxus in damaligen Zeiten.
An diesem Tag saßen meine Mama, mein Vater und ich stundenlang vor diesem Teil und hörten fast alle Platten durch. Mein Vater mochte Musik. Er hatte unendlich viele LPs und eine war von Johnny Cash. Ich hörte diesen Song immer und immer wieder. Und wie groß fühlte ich mich, wir ernst genommen, als mein Vater mir zeigte, wie diese Anlage funktionierte, wie viel Vertrauen setzte er in mich.
Man nahm die Scheibe ohne sie zu berühren aus dem Schuber, immer am Rand. Vorsichtig legte man sie auf den Plattenteller, dann jenen Knopf drücken und sie begann sich zu drehen.
Mit einem speziellen Tuch wurde die Platte abgewischt, gerade, ohne den Rillen zu folgen und wenn dies erledigt war, den Tonabnehmer in Position bringen und langsam mit jenem Hebel absenken. Fertig. Ja, ich fühlte mich sehr groß, ich musste, um in mein Zimmer zu gelangen, die Wohnung verlassen und ich wusste wie man die Anlage bediente.
So entdeckte ich die Musik, Bonney M, ABBA, Harpo und eben Johnny Cash waren der Anfang, viele sollten folgen und keine Band mochte ich je mehr als The Cure.
Es dauerte eine Weile, aber ich fand heraus, dass der räumliche Klang noch viel stärker wurde, wenn man die Boxen auf den Boden stellte und seinen Kopf dazwischen legte; Kopfhörer gab es nicht. Das war aber streng verboten, denn man machte dabei alles unordentlich, besonders die Kabel, was meinen Vater störte. Ich tat es aber trotzdem und zwar immer wenn meine Eltern nicht da waren, meist samstags. Weil es mir jedoch nie gelang, die Boxen wieder genau so hinzustellen, wie sie standen, weil der Kabelsalat mich meist verriet, wusste mein Vater genau, wann ich diesen Ungehorsam beging. Er fragte dann: „Na, hast du wieder alles umgebaut, um besser zu hören?“ und ich antwortete ehrlich: „Ja, du weißt ja, so gefällt es mir am besten.“ Er lachte dann meist, struwelte mir durch die Haare und meinte: „Ungehorsam und frech wie Oskar, aber immer ehrlich.“
Ja so war es, immer ehrlich, denn das war die Zeit, wo sie dir noch nicht die Knochen grün und blau schlugen, weil du ne Meinung hattest, wo man dich nicht ignorierte und als Trottel abtat, wo man sich nicht über dich lustig machte, wenn du deine Ängste offen legtest, als man dir zuhörte und versuchte dir beizustehen, wo du dir einer gewissen Wertschätzung sicher sein konnstet. Heute ist vieles anders, ich wünschte es wäre nicht so. Fuck you!

Ein Hoch auf die Beliebigkeit, auf die Einfältigkeit, auf die Ignoranz und auf den Egoismus, auf die Respektlosigkeit, auf die Missachtung und die totale Verweigerung, auf die Trivialisierung, auf die Banalisierung, Stichelein und auf die Arroganz. Und es bleibt wie immer, Musik.



but now the sun shines cold
and all the sky is grey
the stars are dimmed by clouds and tears
and all i wish
is gone away
all i wish
is gone away




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Sonntag, 12. August 2007
Adieu
Ich ziehe mich demütigst zurück, sage Adieu, wir sehen uns wieder.


Freundlichst

JR Cabman


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Waidmanns Heil!
Mit freundlichen Grüßen an Herrn Kid und ein wenig mir.

Während die, an die ich oft denke, ihre kostbare Zeit mit ganz anderen Dingen verbringt, nutzte ich den heutigen Tag und besuchte den einen Flohmarkt da. Sie wissen schon, Flohmarkt ist das, wo man (mit etwas Glück) zwischen Sperr- und Sondermüll auch das eine oder andere Kleinod findet. Gut, ein Topf war mir vergönnt, ebenso ein Teekessel, dafür regnete es aber, was für sich spricht.
Dennoch, und das ist da tolle an Flohmärkten, stößt man bisweilen auf so Dinge, von denen man gar nicht wusste, dass man sie gebrauchen könnte. Obiges Bild z.B., sah ich, dachte spontan an Herrn kid (ihm sei es auch geschenkt, weil er nicht nur ein sehr guter Schreiber, sondern auch ein sehr guter Blogger ist, was einen Unterschied darstellt), auch daran, dass ich es in Ausnahmesituationen gebrauchen könnte und kaufte es. 9 andere gab es dazu.
Das größte Glück widerfuhr mir aber ganz unspektakulär, ganz hinten in der Ecke, denn was ist bald? Richtig: Halloween.
So war ich sehr überrascht und konnte freudiges Zittern kaum verbergen, als ich dieses tolle Harry Potter-Kostüm fand. Man darf sich ja nicht anmerken lassen, dass man genau dieses Dingens haben will, cool bis in die Haarspitzen muss man bleiben und Desinteresse heucheln. Also fragte ich dann auch: „Na, was solln das Ding kosten?“ und schaute dabei gelangweilt in die andere Richtung, weswegen die Verkäuferin, ein hübsches Wesen, mich desgleichen ignorierte, weil ich ja so abwesend war. Jut, neuer Start, direkte Ansprache und siehe da, war gar nicht teuer, aber Handeln gehört ja dazu und deswegen erstmal stöhnen, als hätte man gerade was ganz Versautes gehört und ein Gegenangebot abgeben. Und dann nimmt die das einfach an. Waidmanns Heil, Waidmanns Dank und Halali, der Bock war schon fast tot und das für schlappe 1,50 Euro. Hier nun das Kostüm:



So. Das war das, nun kommt das:
Bin ich also noch ein paar Stationen in die Stadt gefahren, Sie wissen ja, die, an die ich oft denke und ihre Zeit mit ganz anderen Dingen verbringt, war ja nicht da, was sollte ich also zuhause, da bin ich ja schon gewesen.
Die Stadt war vollgestellt mit allerlei Touristen, was nicht wundert wenn man in der schönsten Stadt Deutschlands wohnt, es nervt aber doch. Und der Regen erst.
Wegen beschriebenen Regens ließ ich mich dann auch zum Shop-Hopping hinreißen, Sie wissen schon, in Läden gehen, interessiert gucken und den festen Vorsatz haben, nichts zu kaufen. Nur gucken, aber, und das ist ein festes Axiom der Arbeitswelt, nach dem Urlaub fängt der Job wieder an und so, was soll ich sagen, hach ja, man will ja auch hübsch sein, nicht? Na egal, diese reißerischen Werbeschildchen mit diesen Wahnsinnspreisen taten ihr übriges und so dachte ich, ich könnte vielleicht was Kleines kaufen. Dabei hatte ich stets die, die ihre Zeit mit ganz anderen Dingen verbringt, im Ohr, denn diese bemängelt immer meine Krawatten, also rein zum Herrenausstatter und damit fing das Elend an.
Mal Hand aufs Herz, geht es Ihnen auch so, dass Sie mit diesen Größenangaben nicht klarkommen? Früher, ja früher, da gingen wir in einen Laden, nahmen das Teil mit „M“ oder auch „L“ drauf und fertig. Hux Flux gemacht und noch genügend Zeit für nen Kaffee danach. Und heute? Heute hat man tausend Angaben, muss auf dieses achten, auf jenes sowieso und stellt dann fest, die Werbeware passt ohnehin nicht.
Ich bin ja auch so ein Verwachsener, was Hemden angeht. Schultern für Größe 41, Hüften für 38, was grundsätzlich sehr sexy sein kann, aber eben nicht wenn man Hemden kaufen will. Also hin zur ältlichen, deswegen aber nicht minder charmanten Einzelhandelskauffrau und was soll ich sagen, diese Muttis mögen mich immer, ich sie aber auch, ich fühle mich verstanden und geborgen und dann ging es los. Immer wenn ich auf eine Krawatte zeigte, schüttelte sie mit dem Kopf und…um es abzukürzen: Es hat anderthalb Stunden gedauert, nichts von dem was ich kaufte hatte diese Knallerpreise, aber ich beschwer mich nicht, denn ich habe ja schon bei meinem neuen Kostüm gespart und bei dem Buch, welches, glücklicher ich, ich heute fand, auch. Selbiges werde ich jetzt lesen, zur Entspannung, nach all dem Ärger. Dazu werde ich dieses schöne Lied hören, starke Frau, starker Song, erinnert mich an was...

...A passion for living, surviving
And that means detachment
Every-body has a weapon to fight you with
To beat you with when you are down...

Would you walk with me now through this pouring rain
It used to mingle with our tears then dry with the hopes
That we left behind
It rains even harder now




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Freitag, 10. August 2007
7m


Sieben Meter stand sie weg vom Fluss. Sie schaute mit klarem Blick hinauf in stahlgrauen Himmel, ein Milan zog einsam seine Runden dort, hoch oben, weit weg.
Erinnerungen kamen, verließen sie, lautlos, drifteten in stille Leere, als bereits neblige Vorboten der Nacht durchs Unterholz geschlichen kamen.
Einsamkeit in ihrem Herzen und Liebe, die sie einst trank, ließen sie frösteln auch hier, auf dieser Aue, ihrem letzten Weg.
Träge floss schwarzes Wasser dahin, kalt zuerst an ihrem Körper, doch wärmend für welkende Seele, setzte sie, Schritt für Schritt, der Sache Anfang.
Wellen brachen sich über ihr, sie sank.
Tapfer und mutig entrann kein Laut ihrer Kehle, stumm entwich das Gefühl für Raum und Zeit. Vergangenes blitzte auf, verblich alsbald, schummrig schemenhafte Bilder, bald nur noch ein stilles Summen, während Wasser ihr Haar auffächerte, sie schön sein ließ.
Tiefer und tiefer, hin zu schwarzem Grund, drang sie ein, in Stille, die sie umgab. Ein Zurück war nun ausgeschlossen. Der Fluss umspielte ihren weichen Körper, ihr weißes Nachtgewand, trug sie ein Stück wie sie noch nie getragen wurde, und als die letzte Luft ihre Lungen verließ, da folgten ihr Schmerz und Qual und endlich, endlich fand sie Ruhe.
Noch formte der Mund ein letztes Wort, doch ungehört sollte es bleiben von der Welt, die ihrer nie verstand. Es ist ihr Geheimnis, das einzige, welches sie zu retten vermochte, als sie dem Leben entrann.
Und als am Himmel dann die Sonne sich ihren Weg bahnte, war auch der Milan hinfort, der einzige Zeuge.


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