Dienstag, 12. Dezember 2006
Alles Pornographie
PORNO


Unsereins hat seinerseits zeitvertreiblich seitenweise Ordner beseitet, welche vorher seitlich, von links nach rechts, beschriftet werden wollten sollten, was meinereins abseitig zeitlicher Seitenhiebe zeitlich passend beseitigte. So. Ich muss mal Luft holen.
Und nun: Menschen gibt es, also….aber lassen wir das und machen was ganz anderes.

Ich habe mir ne schicke Lampengirlande gebastelt und damit der Weblogin keinen Gefallen, aber mir reichlich Spass gemacht. Und wie komm ich drauf? Na. Es weihnachtet und alle meine Nachbarn haben sich so kitschigen Kram ans Haus getackert. Da frag ich mich auch ganz direkt, finden die das nun wirklich schön, oder hoffen die darauf, das jemand deren Fenster einwirft, um mit der Versicherungskohle den Flatscreen zu bezahlen? Ehrlich mal. Manche Hauseingänge sehen aus wie türkische Puffs. Also nicht das ich wüsste wie ein türkischer Puff aussieht, aber wenn ich ihn mir vorstellen sollte, dann so. Bunte Lichter, die wie blöd blinken, alles farblichfroh, aber irgendwie nicht stimmig. Fehlt nur noch das Schild: Wirklich allerletzter Schlussverkauf, alles muss raus! Nur wer will schon so dicke türkische Servicedamen mit nachhause nehmen, bei dem Wetter.
Ich hätte das Gefunzel natürlich auch daran aufhängen können (was für Wortspiele hier), dass am 13. Lucia ist. Das ist dieses Evolutionsfest, wo kleinen Mädchen beigebracht wird: ES KANN NUR EINE LUCIA geben. Der Rest von euch reiht sich bitte in den Kerzenumzug ein und fristet unbeachtetes Dasein. Da sind ja schon ganze Familien dran zerbrochen, weil die Tochter nicht wurde, was stolze Mutter sich erhoffte. Natürlich haben die Lehrer Schuld. Wie immer. Und weil der andere, aber vielleicht der eine, nicht weiss, was es damit auf sich hat, kopier ich hier mal frech, ach ja, so bin ich, aus der/dem (für unsere zugeschalteten Freunde aus Österreich und ziemlich versöhnlich, denn Frau Bona hat heute schon genug Trassel angestellt) e-mail von Eric:

En lättare Lucia-sång för barnen:
Ute är mörkt och kallt.
I alla husen
lyser nu överallt
de tända ljusen.
Då kommer någon där
jag vet nog vem det är
Sankta Lucia, Sankta Lucia

For more cultural experiences on this subject - pls visit:
http://hem.passagen.se/jesa/jullucia.html

Alle, spielt keine Rolle wo die gerade herkommen, sind aufgefordert dieses Lied zu lernen. Wir haben nämlich morgen und bis Samstag internationals Sales Meeting. Deswegen war ich auch beim Friseur, heute, denn wenn man sich schon zum Horst machen muss, dann wenigstens mit ner schicken Frisur, getreu dem Motto: Don’t worry, you’re dressed.
Mein Friseur, der Pierro heißt, hat mich zur Begrüßung in den Arm genommen und nun kann man sich ja mal fragen was mehr betrüblich ist. Diese Tatsache oder der Umstand, dass ich mich darüber freute? Mein Friseur, mein Freund! Daraus können sich Dramen entwickeln. Ich bleib gespannt. So. Und wann kommt was mit Saukram? Gleich. Note am Rande:

Liebes Büffelein, ich habe heute lange gesucht und siehe da, ich habe auch Wort gehalten, deine Adresse gelöscht, und dadurch nicht gefunden. Damit haste mir, habe ich mir, ne Mordsgaudi kaputt gemacht, denn ich wollte dir dat olle Buch schenken. Mach ich auch, denn wo ich mir hier schon die Mühe machte und alle Umzugskartons durchwühlte, kannst du ja wenigstens ne Elektropost schreiben. Wenn die da ist, ist es das Buch auch, bald und keine falsche Bescheidenheit, alles muss immer irgendwie raus! Du sollst es haben. Hierfür und dafür. Und nicht rumzicken jetze, bitte. Danke!

Das ist weg, kommt was anderes. Als ich auf dem Weg war, mir und dem Büffel ne Freude zu machen, dabei feststellte, man James, irgendwann sollteste hier auch einziehen, du wohnst ja schon ne Weile hier, ja, vielleicht im nächsten Jahr, oder so, also eben da, fiel mir auch ein anderes Buch in die Hände:
Universal Wörter&Fremdwörterbuch von Mackensen von Hollander.
Was ein Name denk ich mir und der Untertitel erst: Von Pädagogen empfohlen! Na, ob das nun ein Prädikat ist, bei all den pädagogisch begründeten Scheidungen und Amokläufen lassen wir mal dahingestellt. Wo? Suchen Sie sich eine Ecke aus, Sie wohnen ja nicht im Iglu….
Ich bin noch immer jung und deswegen verspielt und was machen Jungkater mit solchen dicken Schinken? Reinbeißen und mal schauen was man alles wissen sollen müsste, um so richtig intellektuell zu sein. Ach wie langweilig und wie früher schon schauen wir lieber nach den “Stellen“, da, wo Dinge umschrieben werden, die man erst viel später in den Mund nahm. Tja und was steht da z.B. unter Pornographie? Pornographie, die, w (gr) unzüchtiges Schrifttum; Aha. Und nun wird es wissenschaftlich, soll keiner sagen ich hätte auf der Uni nichts gelernt und der Hundt würde bellen vor Freude, wenn er das miterleben könnte, denn nun schlage ich doch gleich mal nach, was unzüchtig ist und da: Gotcha!
unzüchtig: unkeusch, schamlos, ausschweifend.
Siehst wohl denk ich mir da so, biste wieder über eine Seite in Word gekommen, ziemlich ausschweifend, auch wenn nichts mit nem Schweif oder gar Schwanz drin vorkam, aber es ist und bleibt ausschweifendes, sprich unzüchtiges Schrifttum, ergo biste Pornograph. Und ihr, die ihr auch so lange Dinger in euren Weblogs habt, ebenfalls!

PS. Ich habe da noch ne Frage, kann ich auch ruhig stellen, denn das Ding hier ist schon ziemlich groß und umfangreich. Wachsen Haupt- und Barthaar gleichschnell? Ist mir heute nur so aufgefallen. Also, könnte man(n) ne Rechnung aufmachen, so, noch dreimal Rasieren, dann muss ich zum Frisuer? Vielleicht sollte ich das empirisch belegen. Ach Gottchen, jetzt wird es hier aber richtig klug. Ich geh dann lieber mal….


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36 Für leckeren Lebkuchen die Kunst
Eigentlich sollte das ja ein ganz anderer Artikel werden. Eigentlich sollte es darum gehen, wie man die leckersten Lebkuchen der Welt backen kann, aber wie es eben manchmal so kommt, weil man ja nicht alles einplanen kann (was wir auch gar nicht wollen, wäre ja sonst langweilig) geht eben auch mal was schief - und dann heißt es dumm rumstehen und Tränen vergießen - oder aber improvisieren. Nun bin ich freilich auch öfter mal ein Mensch der sich der ersten Fraktion anschließt, aber hier habe ich mich für den 2. Weg entschieden. Aber von vorn:

Da hab ich mir also die beste Mühe gegeben, lauter feine Sachen gekauft: Ornageat, Zitronat, Rum, Kardamon und gemahlene Nelken gar vom Bioladen weil mein Haus- und Hofsupermarkt hatte die rein zufällig nicht da, fange dann an, Eier schaumig zu schlagen und den Schaum dann mit Gewürzen anzurühren, wie man unten sehen kann habe ich eine Küchenmaschine dafür was gar nicht so schlecht ist, weil die beschwert sich nicht und so werden dann aus gefoderten 3 einfach 10 Minuten weil mehr Schaumig kann ja nicht schaden. Dann kamen also auch noch Aroma und Mandeln dazu, soll ja auch ein wenig Masse hermachen so ein Lebkuchenteig und eigentlich sah das Ganze ja auch recht lecker aus, bis hierhin:


Der fertige Teig


Ach nee, auf dem Blech sah es auch noch gut aus. Dann hab ich es in den Ofen geschoben und was kam raus? Backsteine, Acrylamidbomben - in mir wuchs die Erkenntnis daß ich was falsch mache...
Nun wuchs aber in mir der Widerstand, denn immerhin brauche ich Blogstoff, und da fiel mir dann ein wehrloses Tütlein Schokoladenglasur in die Hände. Der ordinäre versagte Lebkuchenbäcker wäre jetzt sicher hingegangen und hätte die Küchlein schön einheitlich mit Schokolade überzogen, was den Kohlegeschmack sehr gut übertüncht hätte - aber seien wir ehrlich: wirklich schön ist was Anderes.
Das sieht dann nämlich so aus:


Sonne Mond und Sterne


Wir werden künstlerisch.


Und steigern uns nochmal:



Wie man gut erkennen kann, habe ich die Unterseite genommen. Das hat mehrere Gründe. Einerseits hatte ich es zwar geschafft, Schokoglasur zu organisieren, aber einen lebensmittelechten Pinsel habe ich natürlich nicht im Haus - und den von der letzten Renovierung wollte ich auch nicht nehmen - blieb also nur, die flüssige Droge vorsichtig mit dem Löffel aufzutropfen und zu -streichen - da war eine glautte Oberfläche sehr hilfreich, wie ich gestehen muß. Und auf dem hellen Untergrund der Oblade sieht man auch eher was es darstellen soll.


Einge besinnliche Wochen später hab ich die ganze nochmal versucht - und schon wieder verhunzt - Mist aber auch! Ich glaub fürs nächste Mal besorge ich mir ein anderes Rezept.
Oder ich kauf mir nur die Obladen und verziere sie mit schönen Motiven.


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Montag, 11. Dezember 2006
Dit und Dat
Die Damen der Gesellschaft letzten Donnerstags sagten, James Rupert Cabman wäre zu gewöhnlich, zu unposh für diesen Club. „Aber wenn wir uns schon Namen aussuchen dürfen, dann will ich auch so heißen.“ Sagte ich mit allem Nachdruck. Entschiedenes NEIN(!), bekam ich da zu hören. Stattdessen tauften sie mich Charles Rupert Featherstonhaughwright. Sie glauben Sie können das aussprechen? Auch nach etlichen Gläsern Wein? Keine Kunst. Konnte ich auch. Also rief ich an, aber als der Tischaufteiler
fragte, wie man den Namen buchstabiere, da fiel ich aus und wir mussten so lachen, dass unsere schicke Tarnung aufflog, bevor wir damit richtig Spaß hatten. Was hätte ich für dieses Namensschild gegeben. Na. Wir sind in nen anderen Club gezogen, ohne Anmeldung. Es gäbe reichlich zu bloggen darüber, aber: What happens on tour, stays on tour. Da bin ich Gentleman. Nur soviel, Fi hatte ein schweres Wochenende, heute war sie auch erkältet und ich habe meine schicke blaue Krawatte verloren, what happens on tour, stays on tour, vor 2 Wochen war es die Fliege, diesmal der Schlips und kommen wir nun zu einem Geschenk:
Heute habe ich Post bekommen, reichlich, allerlei Doofkram, denn die wichtigen Sachen habe ich mir ja ins Hotel schicken lassen. Weihnachtskärtchen, tausend Kalender, Schokobananen, und ein ähm, tja wie nennt man das? Magazin? Heftchen? Nennen wir es Publikation. Sie trägt den schönen Namen Kostprobe wo Köche einkaufen in Hamburg. Schönes Ding, dolle Adressen und Rezepte drin, aber was hab ich damit zu tun? Vor allen Dingen, was antwortet man dem Versender? Vielleicht das hier: Lieber Herr editor, sicher haben Sie eine 18 Karat Goldblattfeder an ihrem Kolbenfüller, denn mir ist aufgefallen, dass Sie sich sehr bemühten, als Sie schwungvoll das holzfreie Kuvert adressierten. Sicher waren Sie so damit beschäftigt, sich auf Ihre wirkliche schöne Handschrift zu konzentrieren, dass Ihnen ganz entgangen ist, dass ich gar nicht in Hamburg wohne. Aus diesem Grund stifte ich das ganze der Frau Stella, oder der Frau Gutemine, oder Herrn Zig, oder wem auch immer, der dafür Verwendung hat, denn jeder sollte wissen, dass es in Hamburg einen Laden gibt, “…aus dem ein köstlicher Keksduft in den Verkaufsraum…“ weht. “…und 37 weitere Keksspezialitäten machen Liebhaber krümelig-süsser Genüsse glücklich.“ Mit fröhlichen Grüssen zum kid, ist ja irgendwie ein Hinweis und ich finde es faszinierend, wie sehr die Blogger im Kopf tanzen. Eine Frage bleibt allerdings ungeklärt: Warum ist das Ding so dünn? Gibt es so wenige Köche, oder so wenige Plätze, wo diese in Hamburg richtig einkaufen können? Antwort: In den wenigsten Fällen braucht man einen Duden, um Möbelstücke zu entwackelen. Wenn doch, sollte man mal fragen, ob das garantiert 100% deutsche Fertigung Fertighaus nicht vielleicht doch aus Rumänien kommt.
Ganz was anderes. Es ist bald Weihnachten. Das erkennt man daran, das dicke Schneeflocken vom Himmel fallen, Kinder rodeln, ein Schneemann grüsst dich auf dem Weg ins Büro, der Schnee knarrt unter deinen Füssen, Nachbars Kind sieht aus wie ein dickes Etwas, deine Wangen sind verfroren und… ach Quatsch. Hier regnet es nur und kalt ist auch nicht, aber der untrügliche Beweis, dass es bald Bescherung gibt, ist: Julmust. Das heißt soviel wie Weihnachtssaft, ist hochgradig abhängig machend und gibt es nur zu Weihnachten. Naja und zu Ostern, wenn die Überkapazitäten umetikettiert werden und das ganze dann Påskmust heißt. Die Übersetzung spar ich mir, ist eh klar und den Herren von den Abfüllbetrieben rufe ich zu: Frohe Ostern, haltet durch, gleich ist Wintersonnenwende und nicht wieder so nen Fauxpas begehen wie letztes Jahr, wo ich tatsächlich ne Flasche zu Ostern hatte, die unter dem Osterhasenetikett noch das Weihnachtsdinges hatte.
Schlussbereich:
Ich habe mir neue Boxen gekauft. „Nee, das ist ein Soundsystem.“ Sagte der pickelige Aushilfseinzelhandelskaufmann. „Prima. Ich kauf die Boxen da.“ Das hab ich dann gemacht, aber nur, weil ich Lennert nicht mehr beschallen will. Ich bin da rücksichtsvoll und dachte mir, du kannst ja das Haus nicht immer vom Wohnzimmer aus beschallen. Gut, könnte man schon, aber ist ja doch recht laut und wenn man dann oben steht und dampfbügelt, hört man ja bisweilen nicht, was die unten singen, besonders nicht wenn man Rücksicht nimmt, oder gerade den Superentfaltungsturbodampfstoss auslöst.
Also hin zum Fachmarkt, ausgesucht, angehört, nicht gekauft, weil die jung Dame unbedingt eine schwedische Legitimation sehen wollte. Ich hatte tausend Karten dabei, Bahncard, Miles&More, Germanwings, Videothek, Kreditkarten, EC-Karte, EU-Führerschein, Bonusheft, schwedischer Sozialversicherungsausweis, internationaler Krankenversicherungskarte, alles sone kleinen Plastikhelfer, die dich erinnern, wer du bist, nur keine schwedische Legitimation, weil ich verdammt noch mal kein Schwede bin. Ich krieg die nie! Und ich will die auch gar nicht! Und was sagt das dünne Mädchen hinterm Tresen? Genau. Ich solle meinen Pass zeigen. Aha. Den hab ich gerade nicht dabei und nee, Cash hole ich auch nicht. Ich hab die Boxen, die Soundsystem heißen, dann woanders gekauft, mich gefreut wie ein kleines Kind. Angeschlossen, erschrocken, die machen Höllenkrach und klingen dabei gut. You Tube hat ne ganz neue Qualität bei entsprechender Qualität. Ich beschall das Haus nur noch von oben und kann dabei sogar Turbobügeln, First, Last and Always. Mal sehen wie Lennert die findet.

Nachtrag: Bitte auf die Schatten achten: Nur so darf man dazu tanzen, was ne wilde Zeit damals.



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Gedanken zum Feierabend
Vor 8.45 Uhr wird es nicht hell, dafür ist es ab 15.00 Uhr dunkel. Aber es macht mir nichts, ich trage Sonne im Herzen. Gosh darn it, James! Was bist du gut und unterbezahlt.


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Sonntag, 10. Dezember 2006
Wieso bloggt ihr denn eigentlich?


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Song 2, Telefonat 1, letzter Versuch
Und dann rufst du nach gefühlten hundert Jahren deine Mutter an. Eigentlich waren es nur 11 Monate, aber Leute, die dir wohlgesinnt sind, sagen mach den ersten Schritt. Und du überwindest dich, weil du ne Postkarte bekommen hast, schon wieder eine und du kannst die Verzweiflung daraus lesen. Also, James gib dir nen Ruck ruf an und nach einer Sekunde bereust du es.
„Das ist ja schön, dass du dich auch mal meldest.“
„Ich kann ja wieder auflegen.“
Und so geht es wieder los, die nie endende Litanei ihrer Klagegeschichten, die dich nur am Rande interessieren und du fragst dich, wann wird sie fragen, wie es dir geht? Dann beginnen die Vorwürfe, wieder und du weißt, warum du das letzte Mal einen Entschluss gefasst hast.
„Mama?“
„Ja?“
„Interessiert Dich eigentlich wie es mir geht?“
Schweigen im Wald und im Hörer. Und du redest einfach drauf los, nimmst keine Rücksicht ob es sie interessiert oder nicht und du hörst an ihrem Schnaufen, dass ihre kleine Welt zusammenbricht. Das ist nicht grausam Mama, das ist das Leben und ich werde nicht dulden wenn du nur ein schlechtes Wort über die Antike verlierst. Nicht eins, hörst Du?! Und Mama wittert Morgenluft, sie textet dich voll, Junge komm nach Deutschland, komm nachhause. Weißt du Mama, ich hatte drei Jobangebote. Ich habe sie alle abgelehnt. Warum? Weil ich auf was anderes baue. Weg aus Europa, das wäre was. Siehst du Mama, es geht hier nicht um dich. Es geht einzig und allein um mich. Ich weiß was du willst, ich bin nicht dumm.
Und dann kommt was immer kommt, sie sagt, ich könne das Haus an der Ostsee haben. Behalte es Mama oder schenk es meiner Schwester. Ich lass mich nicht kaufen. Ach ja, Mama? Und wo wart ihr, als ich euch brauchte? Nee, ich werde nie fragen. Das weißt du. Ihr interessiert euch nicht für mich, daher ignoriere ich euch, einfach. Familie? Nur ein Wort für ein Beziehungsverhältnis. Diese muss gelebt werden. Nee. Ich verlasse mich auf mich, habe ich immer, werde ich immer und ich muss nie Danke sagen. Meine Schwester? Sie weiß wo ich wohne und hat meine Telefonnummer. Ach, ich habe mehr Geld? Seit wann hat es damit was zu tun? Es ist nicht leicht für sie? Wer sagt, dass es für mich leicht ist? Sieht immer so aus? Das liegt nur daran, dass ich niemandem Schuld gebe, mich nie bei euch beklage. Sicher. Aber weißt du Mama, da bin ich gern wie mein Vater und während ich es sage, tut es mir schon leid, denn er war ein Arsch. Ich kann aber nicht anders.
Wie ich so werden konnte? Frag dich selbst. Ich bin das Produkt deiner Erziehung. Ja, ich melde mich, irgendwann, vielleicht in hundert Jahren oder nie. Zu hart? Kann man gar nicht sein. Werde ich nicht gewollt, will auch ich nicht und denke immer dran:

I got my head done
When I was young
It's not my problem
Just not my problem



Mit freundlichen Grüssen nach Niedersachsen, wo ich schon wieder jemandem nicht gerecht werden konnte. Sie werden mich nie verstehen und manchmal bin ich fest davon überzeugt, dass ich vertauscht wurde. Wir haben nichts gemein. Gar nichts.




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