Mittwoch, 5. Februar 2014
Olle Kamellen oder Aufgewärmtes schmeckt oft besser
Weisheit des Tages: Beim Radfahren gibt es auch Mitläufer.

Ansonsten, aufgrund fehlenden Interesses, Deadmenstown im Director`s Cut.
R.I.P. Seymour!

Deadmanstown II

“Das Leben ist wie eine kaputte Festplatte. Entweder bootet gar nichts, oder das Ding dreht sich tot, ohne wirklich was zu bewegen. Meinst du es wird sich irgendwann was ändern?“

„Wenn du willst“, antworte ich JJ und puste blauen Qualm in grauen Himmel. Wolken, fett wie Maden, hängen tief über der Stadt und man glaubt, sie anfassen zu können.

Hier oben auf den Dächern unseres manifestierten Seins, betongrau, verhärtet und kalt, wo jeder seinen Alptraum lebt, wo es keinen Tag, keine Nacht gib, wo alles in Bewegung aber kein Fortschritt ist, wo sie dir vom Aufschwung erzählen, ohne ihn anzustoßen, und so die Trägheit der Masse nie überwunden wird, fühl ich mir frei.

Ich kann die Sonne sehen, manchmal, wenn es nicht regnet und dort drüben im Antennenwald, geziert von Satellitenpilzen, scheinen schmutzigbraune Spatzen uns auszulachen.

„Aber es muss doch mal was passieren.“

„Das Leben passiert nicht. Du musst es anschubsen.“

Und während ich dies sage, weiß ich, dass es nur die halbe Wahrheit ist. Du kannst sie treten und schubsen, das träge Leben und müde Glück, es gibt keine Garantien das sie dich erkennen, dass sie sich dir zuwenden.

„Was meinst du was mal aus uns wird?“, fragt JJ und schaut dabei bäuchlings über den Rand des Daches.

„Wenn du dich weiter rüberbeugst, wirst du ne Nummer auf dem Zentralfriedhof.“

„Nee, ich meine es ernst. Meinst du es wird sich irgendwann was ändern?“

Ich habe darauf keine Antwort, weiß es nicht und so bleibt es still zwischen uns. Ich zünde mir noch eine Zigarette an und lausche dem Geplärr im Treppenhaus. Maggas Hund kläfft wie blöd und die Kuhlers streiten sich, alles in bester Ordnung, alles wie immer und da ist nichts, was sich mal ändern würde. Nicht auf Sicht.

Ich denke an Zipp, die unter mir wohnte, denk an die Blicke die wir tauschten, an das Lächeln, das sie mir schenkte und die Nacht, die wir uns gaben. `Ich liebe deinen Schwanz` sagte sie. `Lass es uns miteinander versuchen` antwortete ich damals, doch sie meinte, sie kenne da jemanden, einen, der sie hier rausholen könnte. Ich müsse das verstehen, es muss sich doch mal was ändern, es muss doch mal was passieren. `Und liebst du ihn auch?` fragte ich. `Das ist doch unwichtig.´…

Der Klang einer Dreiklangfanfare reisst mich aus den Gedanken.

„Murat ist da. Man schau dir dieser Karre an.“

JJ hing bedenklich weit über dem Rand des Daches. Ich gehe zu ihm rüber und tatsächlich, Murat hatte ein neues Auto.
Kein Wunder, er ist der einzige von uns der einen Job hat. Sein Vater hat einen Autohandel, Im- und Export grinst er immer, mit angeschlossener Werkstatt. Er bescheisst seine Kunden. Baut funktionierende Teile aus, sagt die waren kaputt und baut sie als Neuteile bei anderen wieder ein.

„Hey, ihr Knallköppe, kommt runter, wir drehen eine Runde“, ruft er uns zu, winkt und lacht sein Ganovenlachen.

Unten angekommen sieht das Auto nicht mehr so doll aus. Ein alter Mustang, rostig und verhunzt. Der Lack ist durch, der Unterboden auch, wie Murat gesteht, aber es wäre ein gutes Geschäft gewesen. Er kramt umständlich in seiner Jacke und zieht eine Walther PPK heraus.

„Mann, cool, Alter. Den Mustang plus die Knarre?“ JJ ist aufgeregt.

„Right. Und noch 6 Schuss Munition.“

„Was willst du damit?“, frage ich.

„Haben. Ist besser als bekommen.“ Murat grinst.

„Wenn du so ein Ding hast, ist die Gefahr gross, dass du es auch benutzt.“

„Dafür sind die Dinger da“, antwortet Murat, fasst sich zwischen die Beine, schüttelt sein Gemächt und lacht laut los. Ich kann nicht anders; er sieht albern aus. Ich lache mit.

Zehn Minuten später blubbern wir durch die Stadt. Wir durchfahren Strassenschluchten, die selten nur von der Sonne gegrüßt werden. Es liegen Müllsäcke rum. Einige sind aufgeplatzt, ihr Inhalt quillt heraus wie die Gedärme frischen Schlachtviehs. Es stinkt erbärmlich.

„Sechs Liter Maschine, damit kannst du pflügen“, erzählt Murat unbekümmert von all dem Scheiss um uns herum.

Vielleicht muss man so leben. Weniger denken, mehr reden noch mehr tun. Einfach drauf los. Drüberfahren. Fertig. Einfach alles überfahren.

„Du kannst gar nicht pflügen“, antwortet JJ versonnen auf die Walther schauend. Er wirkt entrückt.

„Legst du dich gerade mit mir an?“

„Nee, ich stelle nur fest: du kannst nicht pflügen, weil du keinen Acker hast.“

„Stimmt, aber wenn ich einen hätte, dann könnte ich. Darum geht es: Können, wenn man will. Und du kleiner Pisser, willst viel und kannst nichts.“

„Aber ich kann immer. Es hat sich noch keine beklagt.“ JJ grinst das Siegergrinsen, breit und strahlend.

„Wo kein Kläger, da keine Klage.“

Murat sagt es einfach so daher. Dann war Stille.

Wir gleiten weiter durch die Strassen der Hoffnungslosen, Deadmanstown, Friedhof der Träume, wo wir eigentlich schon alle tot sind und nur auf die Beerdigung warten.

Letzte Woche ist Floh gestorben. Überdosis. Shit happens, er war ein feiner Kerl, aber wir vermissen ihn nicht. Warum auch? Er hat es hinter sich. Wir betranken uns zu seinem Gedenken, wie wir es immer tun und diesmal eben mit Anlass.

„Fuck. Die Scheisskarre frisst ne Menge Sprit. Wir sollten tanken.“ Murat wirkt sauer.

„Was ist das Problem. Lass uns zu Trixie. Da kriegste den Sprit umsonst.“

„Mal sehen ob wir es bis dahin schaffen. Wenn nicht lassen wir den Schrotthaufen hier stehen und klauen ein Auto.“ JJ grinst und meint es ernst.

Trixie sieht aus wie sie immer aussieht. Klein, pummelig mit Brille und roten Haaren. Wir hatten sie alle schon, sie ist da nicht so. Trixie ist nicht die Hübscheste, aber manchmal hilft es einfach, jemanden an seiner Seit zu wissen, wenn die Nächte kalt und lang sind.

“Hi Jungs. Ihr wollt sicherlich tanken? Wartet bis ich die Säule auf Null gestellt habe.“ Sie sagt es wie sie es immer sagt, schaut uns dabei gar nicht an, sondern kaut weiter stoisch ihren Kaugummi und blättert gelangweilt in einer Zeitung. Murat geht wieder raus, JJ zum Kühlregal und holt sich ein Bier.

“Oh Fuck!“ Es war Trixie und sie klingt ernsthaft besorgt.

“Was ist los?“, will ich wissen.

“Mein Chef ist im Anmarsch. Jetzt gibt es Ärger.“ Sie hatte es kaum ausgesprochen, da steht ein kleiner untersetzter Herr im Shop.

„DU KLEINE SCHLAMPE! ICH HABE GEWUSST DAS DU MICH BESCHEISST. VON WEGEN LECKAGE! WIEVIELE VON DEINEN PENNERFREUNDEN HAST DU AUF MEINE KOSTEN TANKEN LASSEN?“ Er schreit wie blöd und Trixie wirkt auf einmal ziemlich klein. Sie beginnt den Versuch einer Erklärung, als JJ die Knarre zieht und auf den rundlichen Herren richtet.

“Du Wichser entschuldigst dich jetzt bei der Dame.“

“Mann, JJ! Pack die Scheissknarre weg. Der will doch nur Dampf ablassen. Wir nehmen Trixie mit und verpissen uns.“

Ich drehe mich dabei zu ihm, verdecke für eine Sekunde JJ´s Sicht und wir beide sind sehr überrascht, als der Fettsack auch ne Waffe in der Hand hat. So nen stubsnäsigen Revolver.

“Und was machst du jetzt, du Punk?! Zwing mich nicht abzudrücken.“ Der dicke Mann zittert als er das sagt.

“Ich ziele dir genau zwischen die Ohren Opa. Bevor du blinzelst bist du schon tot.“ JJ ist eiskalt. Mein Puls rast, aber JJ ist die Ruhe selbst.

Ich mache einen Schritt auf JJ zu, versuch seine Waffe runter zu drücken, als sich ein Schuss löst. Erschrocken dreh ich mich um. Ich will sehen, ob der Opa getroffen wurde, aber stattdessen sehe ich das Mündungsfeuer des Revolvers, höre einen Schuss und werde gebissen. Alles gleichzeitig in einer Millisekunde. Dann ist es still.

Warme Flüssigkeit läuft meinen Bauch herunter und ich merke, dass das Gefühl aus den Beinen schwindet. Ich höre JJ schreien, nur gedämpft, aber ich weiß, dass er schreit. Ich kenne ihn mein ganzes Leben lang. Während ich das alles wahrnehme, wird das Regal neben mir von etwas nach oben gezogen. Links, Rechts, alles fliegt nach oben, JJ auch und plötzlich bleibt alles stehen; dumpfer Schmerz im Kopf. Ich merke ihn wie auf Pott.

Der Schmerz ist da, aber er fühlt sich nach nichts an. Direkt vor mir sehe ich JJ`s Schuhe. Etwas zieht an mir, dreht mich ins Licht. Ich sehe ein riesiges Auge vor mir. Trixie. Ja, die Augen sind grün und braun gefleckt. Es ist Trixie, ich kenne diese Augen. Sie ist ganz dicht über mir, sie sagt etwas, aber ich kann sie nicht hören. Stattdessen höre ich meine Mutter wie sie meint: Mit dir wird es ein schlimmes Ende nehmen. JA MAMA, will ich schreien, aber ich bleib stumm. Ich will zu ihr, will mit ihr reden, ich will jetzt ihr Kind sein. Ich sehe mich, wie ich aus dem Geburtskanal komme. Blutig kam ich, blutig geh ich. So schließt sich der Kreis, this is how it ends.

Ich höre Musik. Ich höre Lachen und Weinen, ich sehe mich und JJ, als wir auf den Bäumen kletterten. Da ist Sonne und dort kommt Dunkelheit. Sie frisst sich in mein Sichtfeld. Links, rechts, oben, unten. Sie soll weggehen. Geh weg! Doch sie kommt von überall her. Langsam, aber sie kommt. Es wird dunkler, immer dunkler. Geh doch bitte weg! Ich beginne zu wimmern. Alles zerfließt in Schwarz. Bis auf einen winzig kleinen Lichtpunkt direkt in der Mitte. Ich schaff das! Hoffnung. Ich gebe nicht auf! Ich kämpfe! Und dann holt sie mich doch. Finsternis.


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Sonntag, 25. Dezember 2011
Wie Adele zum Totenkopf kam

Am liebsten war der Adele, rann Tee durch ihre Kehle.
Bei einer Dame muß es so sein, ihr Benehmen war stets fein.

Nie hatte sie jemanden gereizt und sie wußte,
der kleine Finger gehört abgespreizt.



Adele sich doch sehr erschreckte, als eben der ihr dann
im Auge steckte.

Fürwahr, damenhaft hatte sie sich ihn eingestochen,
der Arzt meinte, das verheilt in ein paar Wochen.



Adele, stets um Stil bedacht, hat das beste daraus gemacht und meinte wenig lamoyant, das ist ja aller Hand.

Ich bin fesch, ich trage Hut und nunmehr finde ich Pauli gut.


Nun hätte ich es beinahe vergessen: Frohe Weihnacht und so.


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Donnerstag, 16. Dezember 2010
Neulich bei Wormland


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Sonntag, 21. Juni 2009
Der bärtige Mann


Es war einmal, nur sicher können wir uns dessen nicht sein, denn es könnte ja auch sein, also in diesem Augenblick, ein Mann.

Er lebte man Rande des Dorfes in aller Bescheidenheit und für sich. Sein Nachbar war der Dorf-Managing-Direktor, der zum Zeichen seiner Macht sogar einen Zaun hatte, der zwar weder sein Grundstück geschweige denn das ganze Dorf umfasste, aber immerhin: es war ein Zaun, zwei Meter lang, prächtig gestrichen und wenn mal wer anders Chef des Dorfs werden sollte, konnte man den Zaun einfach wegtragen. Das wussten natürlich auch die Kinder, weswegen der Zaun häufig, besonders nach samstäglichen Feiern, ganz woanders stand. Dann wurde der Dorf Managing-Direktor immer ganz hysterisch.

Es war im Dorf allgemein üblich, dass die Frauen, wenn sie denn einen Mann ansprechend fanden, ihm eine Nachricht zukommen ließen, in welcher ihm erlaubt wurde, die entsprechende Frau zu jagen. Glückte die Jagd und gelang es dem Mann die Frau zu fangen, erwarb er damit einen Hochzeitsanspruch.

Nie, so konnte man den Dorf-Annalen nachlesen, wurde einer Frau die Jagd auf sie abgeschlagen, wohl aber gab es Männer, denen nie die Jagd erlaubte wurde. Einer davon war unser bärtiger Mann, den wir auf nachfolgendem Bild im Plausch mit dem Dorf-MD sehen. Es muss ein Festtag sein, denn der MD trägt seinen Spitzhut, ein Zeichen, das sein Verheiratetsein bezeugt. Vielleicht erwartet er auch nur Regen, wer kann das schon wissen.



Ob des Fehlens einer paarungsvollen Ergänzung seiner selbst, ging der bärtige Mann seinem Tagwerk allein nach: Pflügen, Grubbern, Sähen, Jäten, Mähen. Und danach wieder von vorn: Pflügen, Grubbern, Sähen, Jäten, Mähen, zwischendurch bisweilen die Kuh des Nachbarn streicheln und dann wieder von vorn: Pflügen, Grubbern, Sähen, Jäten, Mähen. Weil sich das Ganze nicht nur langweilig liest, sondern in seiner gelebten Häufigkeit auch ist, nutzte der bärtige Mann die Zeiten zwischen seinen Hauptbeschäftigungen zur Zerstreuung und Erbauung.

Eines seiner liebsten Hobbys war hierbei das Angeln. Oft sah man ihn spät abends am, oder besser im Dorfteich auf der Jagd nach dem sagenumwobenen Buckelfisch. Dieser Fisch soll seit Äonen im Teich leben und das Verspeisen seiner Schwanzflosse versprach ewiges Leben und Glück. Kein Wunder also, dass sich Generation um Generation an seiner Erlegung versuchte, doch zu geschickt war seine Tarnung, die er mit den Jahren perfektionierte. Oder können Sie ihn auf nachfolgendem Bild ausmachen? Sehen Sie, deswegen ist der Buckelfisch nicht zu fangen.

Was wir aber recht gut erkennen können, ist der untere Moskito, der nach fehlgeschlagenem Versuch eines erfolgreichen Stichs mürrisch davon fliegt, während der obere mit Topspeed und dabei rufend:“Alles eine Frage der Geschwindigkeit!“ ebenfalls die Regenjacke zu durchdringen versucht. Er hat wahrscheinlich noch nicht mitbekommen, dass ihm einer seiner Schuhe dabei abhanden gekommen ist, was wir ihm auch nicht sagen müssen, ich Ihnen aber erklärt haben wollte, damit Sie nicht meinen, diese Bilder wären fleckig, nicht wahr?



Eines Tages, der bärtige Mann befand sich fraglos fanglos wie immer auf dem Weg nach Hause und dachte über Dieses und Jenes nach, als sich noch gar nichts ereignete, aber drei Meter weiter, da hörte er ein Kreischen.

Abrupt blieb er stehen, schaute sich nach allen Seiten um, um die Quelle des Schreis auszumachen und erblickte die Sonnenblume Gundula, die aber gar nicht schreien konnte, weil ich vergessen habe ihr einen Mund zu malen und dann, endlich, fiel sein Blick auf einen sich windenden Wurm zu seinen Füßen.

„Danke“, so rief der Wurm sehr angestrengt, weil er ja kleiner ist und deswegen eine große Klappe haben muss, was man auch von Bloggern und andern Menschen kennt, „dass du mich verschont hast.“




„Nanü.“ Wunderte sich der Bärtige und wollte weiter wissen:
„Wieso kannst du denn Sprechen?“

„Ich bin der Wunder-Zauberwurm Anne Rose, ich habe nichts zu sagen, dass aber reichlich und befinde mich auf dem Weg…ähm, wieso erzähl ich dir das?“

„Weil ich dein Leben verschonte?“

„Achso, ja, klar. Also ich bin total wichtig und befinde mich auf dem Weg zur Redaktionssitzung, dahin, wo die anderen W….“

„Ok. Ok., verschone mich bitte, ich bin schon traurig genug. Also, hopp, zieh weiter…“

„Momentmal, wieso bist du denn so betreten, hm?“

„Ach weißt du, du siehst ja selbst, ich sehe aus, wie ich aussehe und keine Frau diesseits oder jenseits der Dorfgrenze will mich ehelichen. Das macht mich traurig.“

„Na, mein Lieber, das ist nun kein Grund, traurig zu sein. Durch die Rettung meines Lebens, hast du dir einen Wunsch verdient. Also, was wünscht du dir?“

„Ist das wahr? Dann wünsche ich mir natürlich eine mich liebende und wunderschöne Frau.“

„Ok.“ Sprach der Wurm und kramte ein Stück Papier hervor.
„Ich kann deinen Wunsch erfüllen, aber vorher musst du dies noch unterschreiben.“ Dabei hielt das Papier unter die Nase des Bärtigen, der da las:

Der Wunsch wird "so wie er ist" erfüllt, dies bedeutet: mit der Äußerung eines Wunsches erklären Sie sich ausdrücklich damit einverstanden, auf die Ihnen gesetzlich zustehende Garantie bei Wünschen sowie auf die Sachmängelhaftung zu verzichten. d.h. das Wunscherfüllungsresultat wird unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung und Sachmängelhaftung geliefert.

„Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber ok.“ Sprach er und unterschrieb.

Es machte Zack Zisch Bumm und ein Blitz dröhnte auf die Erde hernieder und mit ihm begann es zu regnen, womit der MD auf Bild eins recht behalten hat und wir im Rahmen dieser Geschichte festhalten können: wenn es regnet sollte man wenigstens verheiratet sein.

„Aber,“ so rief der bärtige Mann, „..was ist denn jetzt mit meiner Frau?“

„Die,“ entgegnete der Wurm, der sich bereits wieder auf den Weg gemacht hatte,„…die wohnt hinter den dreieinhalb Bergen, sie zu erreichen, musst du über sechs Brücken gehen und sieben Eichen sehen. Drei Boote sollst du nutzen und auch ihre Schuhe putzen, denn Sie hat es mit Vögeln und gern auch Feten, ihr Name lautet Anne-Marie von Hansteeten.“

Und dann war der Wurm entschwunden.

Der Bärtige aber, der fasste neuen Mut, wusste er nun, dass es einen Ort gab, wo eine Frau auf ihn wartete, wenn er doch bloß einer Mitschrift der Wegbeschreibung gemacht hätte….


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Freitag, 3. April 2009
Nun ködern Sie hier mal nicht so rum, Sie!

Als gar wunderschönen Flohmarktfund könnte man das Buch beschreiben, aus welchem die obige Seite gescannt wurde. Wie geschrieben, man könnte. Mach ich aber nicht.

Mit Regen in Herz und Kopf schlich seinerzeit unsereins drumherum und zwar um diesen Buchhöker, der seinen langen weiten Weg aus Bremen antrat, um am bunten Treiben an der Feldstrasse teilzunehmen.

Lang und breit erklärte er mir, dass mit diesen nützlichen Tricks und Tips gar nichts mehr schiefgehen könnte, beim Ködern und Fangen.

Ich wandte mich wie der ungefangene Aal Rapunzel im Burgsee zu Bad Salzungen nämlich zu einer Entscheidung durch, die ich dann auch traf, recht mittig.

Ein Euro, so schien mir, ist doch eine kleine Investition verglichen mit den Erfolgen, die ich zu feiern gedachte,wenn, ja wenn ich die Ratschläge, herangetragen von noch so einem, der glaubt, nur weil er etwas schreibt, wäre er unfehlbar, befolgen würde.

Wohl an, Kamerad, entfleuchte mir der Gedanke, als ich, vom Glück beseelt und unterarmt das Buch des Erfolges nach Hause brachte.

Was soll ich noch lang lamentieren? Es wird, und das ist sicher, die interessierte Leserschaft bereits dem Unterton entrissen haben, das Wissen. Oder auch nicht, daher:

Ja, so gestehe ich, es war Alles vergebens. All das Fröschemorden, die zerstochenen Finger und das Gezeder ob der abgebrochenen Rute, denn, als es endlich gelang, vorschriftmäßig aufzködern und sich unsereins frohen Mutes zur ”Die Bank” aufmachte, da fand ich keinen Einlass.

Und selbst vor deren Tür wollte keine von den Schönen der Nacht anbeißen. So sehr ich sie auch mit meinem Frosch bewarf, nie wollte eine ihn schlucken, doch das ist ja Grundvorraussetzung, um einen kräftigen Anhieb zu setzen.

Enttäuscht und echauffiert (und das nicht von der Sonne) griff ich zum Hörer, um den Inverkehrbringer der Fehlinformationen mit einer Kanonade wüster Beschimpfungen zu befeuern.

Doch dieser lachte nur und sagte, es wäre ein Fehler gewesen, eben gerade dieses Buch in der Rubrik "Beziehungsratgeber" einzusortieren und es täte ihm leid.

Na dann.

Ich dachte schon, es hätte an der Bleiolive gelegen, auf die ich, in Ermangelung eines entsprechenden Angebotes bei meinem Gemüsefritzen, nämlich verzichtet hatte.


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Samstag, 5. Juli 2008
Anne-Marie von Hansteeten


Das Mädchen
Anne-Marie von Hansteeten
wurde kaum zum Tanz gebeten.

Sie dachte sich: Was ist bloß los?
Ich tanze doch im Grund famos.




Die Antwort ließ nicht lange warten,
ereilte sie im finsteren Garten.

Der Rabe sprach einst: nimmermehr,
doch dieses war schon lange her.

Er rief: Vergiss all deine Sorgen,
aber bitte erst ab morgen.

Vertraue mir und du wirst sehen,
viele werden mit Dir tanzen gehen.

Sprachs, erhob sich sehr galant,
verschwand in einer Wolkenwand…

Der Tag brach an mit Sonnenschein.
Anne-Marie war chic und fein,

voll Vertrauen in den Raben
und dessen schöne Gaben-

flux öffnete sie Tür und Tor
doch was fand sie dort vor?

Nun, es war nicht wirklich klar,
dort saßen Amsel, Fink und Star.


Der Rabe rief: Sei nicht erschrocken,
die Kerle wissen schon zu rocken.

Wenn dir wird der Tanz verwehrt,
dein liebes Wesen nicht verehrt,

sollst du darüber fröhlich lachen,
und deine Welt dir selber machen.

Du bist´s, die über sich bestimmt,
ihr Wohl in eigene Hände nimmt,

denn eigentlich bist du ne Süße,
hast du auch zu große Füße.


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Sonntag, 22. Juni 2008
Money makes the world go round - 2
Am Abend des Tages ging da Nachricht des Geldscheinverlustes als Breaking News um die Welt. Von Deutschland über Paris nach New York und weiter nach Tokio - an immer mehr Orten der Welt trat dieses Phänomen auf, welches sich anfangs nicht erklären ließ und seine Brisanz dadurch erhielt, dass es sich mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit verbreitete.

In den ersten Tagen waren es ein paar Millionen Euro an Schaden, die sich nach einer Woche bereits auf Milliarden erhöhten. Es gab Nachrichten von Geldtransportern, die gefüllt zu einer Bank losfuhren, jedoch leer ankamen. Bankautomaten, die ohne dass eine Auszahlung vorgenommen wurde, schon nach wenigen Stunden out of cash waren. Lebensmittelketten weigerten sich, Bargeld anzunehmen, weil es immer einen Verlust darstellte. Doch niemand hatte je gesehen, was mit dem Bargeld passierte, oder wo es verblieb.

Und wie immer, wenn ein reales, aber unerklärliches Phänomen auftaucht, das Menschen aus der Sicherheit ihrer Gewohnheit reißt, reagieren sie konsterniert, panisch. Einige sahen in den Vorgängen den Zorn Gottes, die gerechte Strafe für Gier und Kapitalsucht. Andere hielten es für den Beweis, dass die Menschheit ein Experiment sei und der Experimentator nur sehen wolle, wie sie reagierten. Es war nicht der Umstand, dass kein Bargeld verfügbar war, der die Menschen in längst überwunden geglaubtes Verhalten verfallen lies, sondern vielmehr die Angst vor der Unerklärbarkeit der Vorgänge.

Als man schließlich einen neuen Bakterienstamm entdeckte, der die eigentümliche Mischung aus Baumwolle und Farbstoff des Geldes als Nahrung nutzte, war es bereits zu spät. Die Geldbestände der Welt waren fast vollständig vernichtet, es verlor seinen sichergeglaubten Status als universelles Tauschmittel, denn niemand wollte mehr Bargeld akzeptieren.

Die klugen Köpfe der Welt stritten darüber, wie es zu der völligen und restfreien Vernichtung von Geldscheinen durch die Bakterien kommen konnte. Manch einer hielt es für unmöglich, auch wenn die Fakten eine andere Sprache sprachen. Schnell wurden Mutmaßungen einer globalen Verschwörung laut und einige sahen in den Vorgängen eine staatliche Manipulation, die aber nie bestätigt werden konnte.

Es wurde kein Substitut für Geld geschaffen, zu anfällig und anachronistisch hielt man diese Form des Warentauschs ohnehin. Stattdessen beschlossen die Regierungen der führenden Industrienationen in eiligst einberufenen Sitzungen eine komplette Revolution des globalen Handels, nämlich die totale Vernetzung - das uneingeschränkte bargeldlose Bezahlen. Dies war sicherlich eine Lösung, aber eben nicht für die weniger entwickelten Staaten.
Und während diese sich mehr und mehr zu einer Tauschgesellschaft entwickelten und ihre Bewohner nahezu völlig der Möglichkeit von der Schaffung Wohlstands beraubt wurden, beschlossen die 1. Welt eine Einheitswährung: E-Coin.

Dessen Einführung begann mit einem Chaos aus langen Schlangen aufgeregter weil ungeduldiger Menschen. Und als mit den Jahren das Öl und damit der Kunststoff ausgingen und eine Vereinfachung der Handlungen gefordert wurde, pflanzte man den Menschen einen Nano-Chip ein. Auf diesen fand sich die Identität, Krankheitsgeschichte, Kontostand - einfach alles, was über einen Menschen zu wissen galt.

Anfangs wehrten sich die Datenschützer natürlich vehement, ließen sich dann aber doch von der Sicherheit des Schäuble Schlüssels überzeugen, was ein kapitaler Fehler war. Die hierdurch entstandene Transparenz des Menschen, die Analysierbarkeit des Individuums und seiner Identität mündeten alsbald in regionale Aufstände derer, die unter der Herrschaft des E-Coins standen.

Doch all das sollte an diesem Tag kaum vorstellbare Zukunft sein. Dieser Morgen begann mit der Ungeheuerlichkeit der absoluten Ratlosigkeit, die auch nicht von Klaus abfiel, als er abends vor dem Fernseher sein angeschriebenes Brötchen kaute und die Nachricht des sich anbahnenden Umbruchs vernahm.


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Samstag, 14. Juni 2008
Money makes the world go round - 1


Heute nun ein zirpendes Glissandi wortporöser Gleichgültigkeit – ähnlich den Stichen auf laudunkler Sommerwiese, wenn erschöpft vom Sommersonnenspaß wir danieder sinken und still ins Feuer blicken. Oder ganz was Anderes:

Die Hitze lag schwer über der Stadt wie einst die Russen vor Berlin: feurig und wenig geneigt abzuziehen. Dem Getöse des anschwellenden Straßenlärms folgend, der von naher Hauptstraße kündete, querte Klaus, Rote Ampeln ignorierend und den Strahlen der Frühsommersonne folgend, die Straße, um bei Feinkost Kreybohm einzukehren.

Das Feinste, was es bei Feinkost Kreybohm gab, waren die Strumpfhosen von Frau Kreybohm – ansonsten war es ein höhlenartiger und verstaubter Tante- Emma -Laden, der neben Zeitungen und Zigaretten auch überteuertes Toilettenpapier im Angebot hatte. Alles, was man eben vergessen konnte, aber nicht sollte.

Klaus kaufte - wie immer - ein von Frau Kreybohm belegtes Brötchen, einen Eiskaffee und ne Marlboro.

Mit der Sicherheit einer ritualisierten Handlung ging er zum Tresen, um seinen Einkauf zu bezahlen. Herr Kreybohm stand dort wie jeden Tag, in einen Lederwams gekleidet, die Zeitung lesend und auf Klaus wartend.

„Wie üblich?“ begrüßte Herr Kreybohm Klaus.

„Ja. Macht acht Euro, nicht?“

„Naturellement.“ Antwortete der Inhaber und tippte grinsend den Betrag in die alte Registrierkasse.

„Fuck!“ entfuhr es Klaus, als er in seine leere Geldbörse - ich schreibe an dieser Stelle Geldbörse, weil ich bei Portemonnaie immer Schwierigkeiten habe - blickte. Es war nicht der Umstand, dass diese leer war, sondern die Tatsache, dass Klaus sehr genau wusste: Es hätten sich mindestens achtzig Euro darin befinden müssen. Gestern Abend war dem nämlich so.

Um die Peinlichkeit der Situation nicht unnötig zu verlängern, überspielte Klaus seine Verwirrtheit und zählte das Hartgeld. Es reichte nicht.

„Es ist mir jetzt etwas unangenehm, Herr Kreybohm, und ich habe auch keine gute Erklärung, aber ich habe nicht genügend Geld dabei.“

Klaus merkte, dass er rote Wangen bei diesem Geständnis bekam. Mehr als die unangenehme Situation beschäftige ihn allerdings die Frage, wo das Geld abgeblieben war.

„Kein Problem“, munterte der alte Mann ihn auf, „bezahlen Sie es einfach morgen mit. Wir kennen uns ja.“ Herr Kreybohm zwinkerte Klaus vertrauensvoll zu und damit war die Sache für ihn erledigt.

„Danke.“ Mehr brachte Klaus in dieser Situation nicht hervor. Er nahm seine Einkäufe, um den nachfolgenden Kunden Platz zu machen.

Während Klaus abseits des Tresens seine Sachen verstaute und die Schachtel Zigaretten von der Folie befreite, dachte er noch immer und sehr angestrengt darüber nach, was mit dem Geld geschehen sein konnte. Gestern Abend, und da war er sehr sicher, befanden sich ein Fuffi, ein Zwanni und ein Zehner in seiner Börse. Mit Sicherheit, denn er war beim Döner-Express und bezahlte dort. Heute Morgen war der Weg nicht lang, 150 Meter von seiner Haustür bis zu diesem Laden. Er hatte nichts Verdächtiges festgestellt - und welcher Dieb klaut ein Portemonnaie, nimmt das Geld raus und steckt die leere Geldbörse dem Bestohlenen wieder in die Tasche? Keiner. Also, wo war das verdammte Geld?!

Noch ganz diesen Gedanken nachhängend, vernahm Klaus Herrn Kreybohm schreien:
„Sacrément! Merde! Niemand verlässt diesen Laden! Niemand!!“

Watschelndes Ganges und mit einer Schnelligkeit, die man dem alten Herrn nicht zugetraut hätte, schälte sich dieser hinter dem Tresen hervor und schloss die Tür des Ladens.

„Also, wer von euch hat mir die Kasse leergemacht?“ rief er fragend in die Runde.

Klaus sah sich um. Außer ihm waren noch eine junge Frau da, die gerade bezahlt hatte und ein Herr im Anzug, der bei den Zeitungen stand.

„Wer hat das Geld aus der Kasse genommen? Ich weiß genau, dass gestern noch 200 Euro in kleinen Scheinen in der Kasse waren. Und nun sind sie es nicht mehr! Wer hat also das Geld?!“

Herr Kreybohm war sichtlich aufgeregt und überhaupt nicht mehr so nett wie sonst.

„Herr Kreybohm“, begann Klaus ruhig, „Sie wissen doch, dass ich eben bezahlen wollte und ebenfalls kein Geld hatte. Auch ich wundere mich, denn bei mir sollten ebenfalls noch ca. achtzig Euro im Portemonnaie sein. Ich habe Sie bestimmt nicht bestohlen.“

Kreybohm wandte sich an den Herren im Anzug: „Sie sind er einzige, der noch in Frage kommt! Haben Sie vorhin das Geld aus der Kasse genommen, oder diesen armen Jungen bestohlen?“

„Ich!? Wie kommen Sie dazu, mich zu beschuldigen? Ich wollte mir nur eben eine Zeitung kaufen. Also, ich bitte Sie wirklich! Was ist mit der jungen Frau dort?“

„Die hat eben bezahlt und Sie werden diesen Laden erst verlassen, wenn wir Ihre Taschen untersucht haben. Basta!“
„Also hören Sie…“

„Des clopes! Sie kommen hier erst raus, wenn Sie ihre Taschen geleert haben.“

„Wenn es Sie beruhigt.“ Mit diesen Worten ging der Mann auf den Inhaber zu und begann dabei, seine Taschen zu leeren.

„Sie sehen, “ sagte der Verdächtige mit nach außen gestülpten Hosentaschen, „ich habe weder hier noch da ihr Geld.“

„Zeigen Sie mir den Inhalt Ihrer Brieftasche!“

„Also das geht Sie nun wirklich nichts an.“

„Reden Sie nicht! Öffnen Sie einfach Ihre Brieftasche.“

Mit einem laut wahrnehmbaren Seufzen öffnete der Mann seinen Geldbeutel und erschrak dabei offensichtlich:
„Aber das versteh ich nicht! Es sollten 150 Euro darin sein! Was ist hier los?“

Nun war auch er aufgeregt und Herr Kreybohm runzelte die Stirn.

Die junge Frau leerte freiwillig ihre Taschen und öffnete auch ihren Geldbeutel, doch auch sie hatte keinen einzigen Geldschein dabei.

„Keine Sorge,“ sagte sie, „dass ist bei mir normal. Ich bin immer abgebrannt.“

Zur Verwunderung der vier Schicksalsgenossen, gab es in dem ganzen Laden keinen einzigen Geldschein. Die Sache war merkwürdig. Noch.

…Fortsetzung folgt.


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Sonntag, 21. Oktober 2007
blowin' in the wind
Und es kamen die Stunden, die ich so liebe, Unentschlossenheit, brüchige Nacht und blutjunger Tag.
Hell und Dunkel im immerwährenden Zweikampf und wir gingen des Weges, ganz ohne Ziel.
In uns trugen wir Herzen, diese fremden, fernen Gestade, mal von Liebe geflutet, oder ihrer verebbt, aber immer schwer zu erobern, ihr gewinn - ein Gewinn und ihr Verlust, eine der größten Niederlagen mit schwärenden Wunden und schwelenden Gedanken - in Ewigkeit.
Seite an Seite liefen wir dort, schweigend.

Sonnenlicht, pur und verheißungsvoll, leckte an den Firsten der Dächer, troff herab an Häuserwänden, floss über Laternenmasten und vertrieb die Schatten der Nacht aus allen Winkeln, schneller, als diese sich dort einzufinden pflegten. Der Tag hatte gewonnen - wie immer und wie immer nur auf Zeit, denn bald schon würde die Nacht sich zurückholen, was sie in diesen Minuten verlor.
Auch du und ich können nicht immer gewinnen, du und ich müssen stets aufs Neue in Schlachten ziehen, immer und immer wieder den Weg beschreiten, den Bataillone vor uns nahmen, oft bis in den Untergang und ein Stück weiter.
Fraglich, ob dies der wahre Sinn ist, ob die Gestirne und das Universum uns schon immer zeigten, welchen Weg es zu beschreiten gilt? Bestimmt, es wäre nicht das erste Mal, dass die offensichtlichste aller Antworten auch die richtige ist. Doch, auch du und ich erkennen sie nicht immer, wie wir so viele Dinge nicht sehen. Der Sehende sieht nur das, was ihm innewohnt, wohnt da nichts, sind wir blind und unter den Blinden ist der Einäugige ein Marketingmann - wir kaufen ihm alles ab.

Immer weiter ging es. Auf unserem Weg begegneten uns drei zerrissenen Gestalten. Pennergleich gekleidet saßen sie da, erfreuten sich ihrer bescheidenen Existenz mit Gitarrenspiel und ein wermutschweres Blowin' in the Wind erklang durch die morgendlichen Flure der Stadt.
„Das ist der Grund warum ich hier so gerne wohne.“ sagte sie, lächelte und deutete auf eine Haustür. „Dort.“
Ich folgte ihr durch schäbigen Einlass hinein in die Heimstatt ihrer friedvollen doch ruhelosen Seele, die da ist, wenn sie da ist, dazwischen bleibt nicht viel, nur die Stille des Tages, die Einsamkeit einer leeren Wohnung und die Welten zwischen den Bücherdeckeln.

Ich stand vor ihrem Buchregal, folgte mit schnellem Blick den Bücherrücken, las, saugte auf, etwas, was mir diese sagen wollten oder konnten…
„Liest du auch?“, wollte sie wissen, während sie mir einen Kaffee reichte.
„Ja. Gelegentlich“, antwortete ich und verrührte den Tasseninhalt zu gleichmäßigem Braun.
„Ich lese für mein Leben gern. Es ist eine andere Welt, dort kann ich alles sein, auch mutig und schön.“
Sie seufzte und ließ sich auf die Couch sinken.
„Ja“, sagte ich, „Bücher sind magisch.“ Und setzte mich neben sie.

Der Wind fand seinen Weg durchs geöffnete Fenster, blähte den Vorhang auf und in seiner Gefolgschaft strömten morgendliche Sonnenstrahlen herein, auf ihrem Rücken - Millionen Sterne aus Staub und gleich hinterher – die Geräusche der erwachenden Stadt.
„Ich werde jetzt gehen“, sprach ich zu ihr, unsicher, ob sie mich hörte, denn der Schlaf hatte sich scheinbar ihrer bemächtigt.
„Ja, tu das.“ murmelte sie.
„James?“
„Ja?“
„Werde ich auch die Liebe jenseits der Bücher finden? Hier?“
„Lieben heißt kämpfen. Du bist eine große Kämpferin, du wirst deine Belohnung bekommen, ganz bestimmt.“
Sie lächelte im Halbschlaf.
„Du bist so ein verdammter Lügner.“
„Nach Tag kommt Nacht, kommt Tag, kommt die Liebe, auch zu dir.“
Ich deckte sie zu, bettete sie ein wenig.
„Wann?“
„The answer, my friend, is blowin' in the wind…” Während ich es sang, musste ich lachen.
„Oh, du Kasper!”
„Wird es gehen?”
„Ja, geht schon. Ich sollte eigentlich die Prothese abnehmen, aber ich bin zu müde.“
„Soll ich es tun?“
„Untersteh dich!“
„Also gut. Ich gehe jetzt. Ruf mich an, ja?“
„Mach ich. Geh jetzt.“
„Gute Nacht, oder besser: Schönen Sonntag noch.“
„Nacht.“


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Sonntag, 14. Oktober 2007
Und Schuld hat Yvonne C.
da bin ich. Ich sollte mal etwas schreiben, doch Zeit zu finden, fällt schwere als Laub dieser Tage, die Ideen sprudeln dennoch und um eine Erkenntnis reicher, bin ich auch:
Um eine Erkältung, oder jeder andersgeartete Krankheit, mit einem blauen Auge zukommen, ist nicht unbedingt gesünder, kleidsamer aber auf gar keinen Fall. Drum prüfe, wes Geistes Kind dein Gegenüber ist, bevor du dich hin- und reinreißen lässt. (Einschub: Letzte Woche habe ich mich mit Micky gestritten. Wir fuhren von……. nach……. der Leereaum ist für des Lesers Phantasie gedacht.. Aus dem Radio, welches eine CD abspielte, dröhnte Yvonne Catterfeld und ich rief verdrießlich: Mach es aus! Bitte!
Doch Micky sprach: Die macht doch gute Musik. Ich mag die hören.
Ich: Du bist völlig auf.
Micky: Wieso?
Ich: Das ist Müll. Doofe Texte, doofe Klänge, alles doof.
Micky: Aber deine Gruftischeiße ist besser?
Ich: Gruftischeiße? Wie alt bist du?
Micky: *mürrisch, nicht antwortend*
So. Eigentlich wollte ich mit Micky das Nachtleben Hannovers testen. Aber zu groß der Unterschied bzgl. Musik, zu klein die Bereitschaft sich anzupassen, denn würden Sie mit jemandem um die Blocks ziehen, der Yvonne Catterfeld hört? Ok. Aber auch in Hannover? Einschub Ende)
G I R L

Sollten Sie sich jetzt über das Girl wundern, so möchte ich erklärend hinterherschicken, dass ich diese, zugegeben, etwas plumpe Art der Textverknüpfung ebenfalls durch beschriebene CD erlernte. Da gab es ein Lied, in dem, wann immer Luft im Sprechgesang war, dieses Girl erklang. Ich fand und finde es schön und richtig, geistige Leere mit Girls zu füllen. Immerhin etwas, also für Männer.

G I R L

Evozieren wir nun ein Geschichtlein von gestern und ephemerischen Ausmaßes:
„Sie sind aber makaber“, sagte die braunzähnige Autohausfachassistentin ca. genauso alt wie schwer, muss um und bei 150 gelegen haben, als ich in Anbetracht ihres betrübten Gesichtes wegen der Höhe der Rechnung, welche Sie mir aushändigte, sagte: „Bedenken Sie nur, was eine Überführung des Leichnams plus Bestattungszeremonie und anständigen Sarg kosten würde. Da sind wir schnell bei 30.000 Euro. So gesehen, sind diese 1200,- hier Peanuts, oder?“, oder?
Mir hat es nämlich hinter München die Bremsen zerlegt, was, wenn es vor München passiert wäre, genauso schlimm und teuer geworden wäre und in keinem Zusammenhang mit München, aber vielleicht mit Yvonne Catterfeld steht. Bestimmt lag es aber an der Vollbremsung, zu der mich ein rumänischer LKW zwang, denn nur weil der Fahrer einen EU-Führerschein und sein Gerät TÜV hat, heißt das noch lange nicht, dass er mit den Gepflogenheiten der Autobahn wirklich vertraut ist. Und so kam, was kam, eine sehr galante Vollbremsung und Bremsscheiben, die ausglühten, Risse aufwiesen und beim Ausbau in fünf Teile zerfielen. Tja. So war das. Und nun sacht Püppie, ich möge duschen, damit wir nicht soviel Zeit verlieren, denn Püppiee ist heute zum Ausstandfeiern von ihren zukünftigen Exkollegen eingeladen. Auf die Kärwa. Da waren wir am Freitag auch schon, Püppiee hat Schiessen gelernt und ist ein Naturtalent, ich hätte noch mehr zu berichten, darf aber nicht, also geh ich mal Duschen, man will ja nen guten Eindruck machen, nicht?

Nach 22 Schuß und 13 Treffern, ist Püppiee um eine Katze reicher


G I R L


G I R L




G I R L




G I R L


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