Samstag, 18. November 2006
Von Schweinebraten und anderen Mist
Dinge die hinten raus fallen sind meist Mist. Niederere Geister als ich es bin, und nun mag sich der eine wundern und die andere auch, doch ja, es gibt sie, vereinzelt, sagen da noch ganz andere Sachen. Ich jedoch nicht, denn ich versuche ja auf meine Ausscheidungsprodukte zu achten. Auf Ergüsse sowieso. Schön.
Und nun zur Sache.
ANFANG: Also, Dinge die hinten raus fallen sind meist Mist und wenn es sich dabei um einen landwirtschaftlichen Produktionsprozess handelt ist es dies auch nicht verwerflich, ganz im Gegenteil, es ist akzeptabel. Handelt es sich um den Akku meines Laptops, sieht die Sache allerdings schon anders aus. Fällt das Gerät auch noch unglücklich auf den Kaffeebecher, was diesen zwar nicht stört, geschweige zerstört, wohl aber erst wohlig zittern und dann zittrig kippen lässt, dann ist es doppelter Mist, wenn nicht sogar das andere Wort, aber ganz bestimmt wird alles mistig.
Akkuprobleme, wenn auch differenzierterer Art, hatten ja auch andere Blogköpfe und ich sehe meine Oma Wilhelmine bestätigt, die da immer sagte, der neumodische technische Kram ist nichts für mich, kann ich nicht mit um, geht auch nur kaputt und deswegen hatte sie nie einen Fernseher mit Fernbedienung. Omma wäre bestimmt stolz auf mich, denn ich habe erst gar keinen. Mehr.
MITTE: Wenn ich nun so an die kleine Wilhelmine denke, wird mir ganz warm ums Herz, denn das war ein resolutes Persönchen von 1,55m, hat geraucht wie doof und Unmengen von Kaffee getrunken. Starke Frau, die damals als Kind aus Schlesien geflüchtet ist, weswegen es bei uns nie Kartoffelpüree gab, sondern nur Stampfkartoffeln. Das war Tradition, ebenso wie dieses fürchterliche Schweinebratenessen, jeden Sonntag um 12.00 Uhr. Ich habe das gehasst und ne Schweinbratenallergie davon bekommen. Kartoffeln fand und finde ich sowieso doof, denn die heißen nicht Antipasti. Hören die allerdings auf Pommes, ist das nicht nur was anderes, es schmeckt auch so, vom Aussehen gar nicht zu reden. Natürlich wurde zu diesen Festivitäten fürstlich eingedeckt mit dem ganzen Schnickschnack, den man so braucht, um dem Familienstreit nen passablen Rahmen zu geben. Es gab immer Silbebesteck, das einzige was ich retten konnte, sagte Omma immer und grinste dabei. Und dann folgte immer die Geschichte, wie sie kontrolliert wurde, vom Iwan, mein Junge und wie froh sie war, dass der das Besteck nicht gefunden hat. Ich habe mich früher stets gefragt, wer dieser Iwan war, als ich älter wurde habe ich mich dann gefragt, wo das Besteck wohl war und mochte nicht mehr damit essen. Ja, man kommt auf komische Gedanken, wenn man seinen Schweinebraten nicht mag. Egal.
ANFANG VOM ENDE: Omma und ich haben uns sehr gemocht, sie meinte aus mir wird mal ein Doktor, denn du hast die Kopfform, mit der Meinung war sie alleine, aber am Ende hat se doch irgendwie Recht behalten, denn als ich heute in der neuesten Ausgabe meiner Gewerkschaftszeitung den Test “Welcher Typ Chef bist du?“ gemacht habe, ist dabei raus gekommen, ich wäre ein Zyniker, aber nett, so wie Perry Cox, das ist der Charakter aus Scrubs. Ich habe keine Ahnung, ob es Scrubs in Deutschland überhaupt gibt, aber ich weiss, dass ich die Sendung sehr mochte, damals, als ich noch nen Fernseher hatte und meine Omma liebte ich, als ich sie noch hatte, und ich weiß auch, dass sie auf mich gerade irgendwo herab teufelt: Junge, geh mit nem geraden Rücken durchs Leben und iss ordentlich! Jaaa Omi.
ENDE: So. Ich sitze hier noch immer, will heißen nichts ist raus oder runter gefallen, was gut ist, denn wir sind am Ende, ergo kann es kein Mist sein. Ich wollte ja auch was ganz anderes schreiben, sind mir die Omma und der Fernseher dazwischen gekommen, jut passiert, ist traurig, alles so, daher wollen wir nun ein bisschen weinen. So das reicht, wieder ans Werk und zwar frisch, denn morgen ist ein neuer Tag, ein neuer Eintrag, neues Glück, sieh nach vorn, aber ab und an auch mal zurück.

PS Bei diesem Test hätte man auch noch werden können:
Mr. Burns (Simpsons), Kerry Weaver (Emergency Room), Beck (Beck) und Henry Pope (Prison Break)

Na, da bin ich ja genau der geworden, der ich auch hätte werden wollen.


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Also ich find das gar nicht trauring, das mit der Omma - ist ne schöne Geschichte - so schön hererwärmend, vorweihnachtlich - irgendwie :o)

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Da hast du nun auch wieder Recht. Und Danke!

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Da möcht' ich mich mal anschließen: SEHR schöne Geschichte vonne Omma Wilhelmine.

Und bei uns gab's sonntags zum Schweinebraten und zum Familienkrach immer verkochtes Rotkraut. Also eigentlich Graukraut. Bei Tante Eugenie. Die hatte auch keinen Fernseher. Und kein Telefon. War ja auch nicht nötig: Sollte sich ihre kleine Schwester Amanda doch ihren Grzimek oder ihren Sielmann beim kleinen Bruder (meinem Opa) angucken. Und wer was wollte, der sollte gefälligst den Bruder anrufen.
Ab und zu kam sie mal mit, zum Fernsehen.
Sobald es dann 21.15 Uhr war, und der Abspann lief, blies sie zum Aufbruch - da gab's kein Rütteln.

(Vielleicht sollt' ich das mal ausführlich in meinem blog...)

Egal. Zur Unterhaltung ist sie zweimal die Woche in die Kirche gegangen, da brauchte sie kein Fernsehen.
Und irgendwie vermiss' ich sie manchmal.
Obwohl sie mich gezwungen hat, sonntags das Graukraut zu essen...

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